Unter Gleichgesinnten

Clooney meets Merkel

Spätestens wenn sie in die Jahre kommen, entdecken Promis und Sternchen den wohltätigen Schauer mildtätiger Beglückung für sich. Gutes zu tun, tut ihnen, deren Ego immer noch vor Geltungssucht platzt, dann mal so richtig gut. Sie spenden also was das Zeug hält. Der eigene Name fungiert als eitles Logo. Sie übernehmen sündhaft teure Patenschaften und bereisen akute Krisenregionen, und obschon jeder, der es sich irgendwie leisten kann, im Rahmen eigener Möglichkeiten Mittel und Wege findet, Notleidenden zu helfen, werden gerade diese Tugendheuchlinge wie Heilige hofiert. Egal, wo sie ihrem verkaufsträchtigen Altruismus huldigen und Publikumswirksam Geltung verleihen: Er wird stets vom betörenden Blitzlichtgewitter umflackert. So auch gestern wieder, als ein graumelierter Altmime aus Übersee mit Angela Merkel im intimen Kreis am Designertisch plauderte. Intim? Die raffiniert gestellten Bildsequenzen suggerierten dies, aber man kann sich auch so denken, dass der Photografenmob in der Überzahl gewesen ist.

George Clooney, der auf der zeitgleich stattfindenden Berlinale just seinen neusten, total albernen und überkandidelten Film vorstellte (außer Konkurrenz, versteht sich) betätigte sich als vorgezogener Wahlkampfhelfer und lobte die Kanzlerin für ihre in ganz Europa abgelehnte, zunehmend gefürchtete Flüchtlingspolitik, die er bewundere. Es sei, so die Kanzlerin später, darüber gesprochen worden, wie man Menschen ermutigen könne, sich für diese Arbeit zu engagieren. Allein dieser Satz, aus ihrem Munde, ist in Anbetracht laufender und bereits abgelaufener Ereignisse so unerträglich, dass es wirklich weh tut. Klingt fast so, als müsse man die Menschen in diesem Land erst noch dazu ermuntern, Flüchtlingen zu helfen; als sei die störrische Bande noch nicht wirklich so weit, endlich mit anzupacken. Erinnert: Seit einem halben Jahr ackern EhremämtlerInnen von morgens bis abends, sie sehen keinen Cent für diese Arbeit, von denen verfügt niemand auch nur über Bruchteile eines Clooneyschen Gesamtvermögens, aber ermuntern man muss noch den letzten von uns allen, die wir nur mosern und meckern und bequem alles aussitzen. Dass die Deutschen allein über ihre Steuerbeiträge das Gros der Krise abfedern werden, kann in einer solchen Runde kaum eine Rolle spielen, das zählt nicht, denn davon sieht man auf Anhieb nichts.

“ Im Gespräch mit Kanzlerin Merkel,“ so die BILD-Zeitung,“ haben wir vor allem diskutiert, was wir als Individuen tun können, sagt Clooney wenig später. Das unvermeidliche WIR: Wer war damit wirklich gemeint? Um den Spendenreflex endlich auch beim widerborstigen Otto-Normal-BILD-Leser zu aktivieren, musste in Punkto Empathie noch ordentlich draufgesattelt werden: „Die Flüchtlinge kommen nicht nach Deutschland, um Schnitzel zu essen. Sie kommen hier her, weil sie sterben, weil ihre Kinder sterben. Sie wollen leben.“ Meinte der große Clooney. BILD verriet noch:“ Es gibt Kaffee aus Thermoskannen, Wasser, still und mit Sprudel. Mit dabei ist auch der frühere britische Außenminister David Miliband (50). Er ist Chef des Internationalen Rettungskomitees für Flüchtlinge (Sitz in New York), für das auch Clooneys Ehefrau Amal arbeitet.“

An der Seite seiner bildhübschen Gattin wirkte Clooney tatsächlich wie ein Elder Statesman. Irgendwie passte alles. Was wollen wir noch länger um den heißen Brei herumreden? Es geht solchen Leuten im Ergebnis gar nicht um die Armen und Entrechteten dieser Welt, die sind nur Statisten in einer miesen, blähbrünstig inszenierten Schmiere; es geht ihnen, die immerzu in eigener Sache gearbeitet haben, auch weiterhin nur um sich selbst – um die Hauptrolle im eigenen Film. Der soll, der muss richtig ziehen. Das ist im Grunde sehr durchschaubar, doch auch BILD plappert ab sofort nach, was die PR-Bagage des drittklassigen Hollywoodstars seit Jahren propagiert: “Clooney gilt in den USA nicht als oberflächlicher Hollywood-Star, sondern als politische Gestalt mit hoher Glaubwürdigkeit und Einfluss im Weißen Haus. Sein Engagement in Krisengebieten (z.B. Darfur/Sudan) ist nicht nur Eigen-PR, sondern mutig und vor allem nachhaltig.“

Nun ist bekannt das man in den USA, hat man es in der Traumfabrik geschafft, auch in der Politik wirklich alles erreichen kann, vom Gouverneur bis zum höchsten Amt ist alles drin. Wer sich mit dem schnellen, allzu rasch verblassenden Ruhm als Darsteller nicht zufrieden geben möchte, kann später noch einmal so richtig durchstarten, der schafft es also erneut, ein umjubelter Star zu werden: “Clooney hat das Ohr von US-Präsident Barack Obama. Im Wahlkampf 2012 veranstalte er ein Dinner für Obama (der anwesend war). 15 Millionen Dollar (!) Wahlkampfspenden kamen an dem Abend in Clooneys Villa zusammen.“ Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen, dass alles spricht für sich, finde ich.

Clooney stinkt nur so vor Geld, das wussten wir auch vorher schon, und einen Teil der Kohle zweigt er für Darfur oder für Freunde (Obama etc.) ab, für die Marketingabteilung seiner Wohltätigkeitsmaschinerie ebenso wie für den privatimen Luxus, auf den er nie verzichten wird: für nichts in dieser großen weiten Welt, die er bei Obama im Weißen Haus oder der Angie im Kanzleramt retten wird. Und alle Welt fällt drauf rein. Die Leute können die umhimmelte Leinwandgestalt, das Objekt der Begierde, der Sehnsüchte und Träume, einfach nicht von der tatsächlichen Gestalt trennen. Und nur, wenn diese öffentlich durch den Kakao gezogen wird, schleichen sich Häme und Spott ein.

Clooney hat also mit der Kanzlerin darüber gesprochen, was WIR – ich und du, Müller Kuh, der Clooney gleich dazu – alles machen können, um Flüchtlingen zu helfen, die sich mit Wiener Schnitzeln nicht begnügen werden (Schweinefleisch? Gegessen). Nun ist es ja so, dass alle diese Menschen zunächst einmal untergebracht werden müssen, ein Dach über dem Kopf benötigen – ein Heim brauchen. Mit diesem Problem schlagen ´wir´ uns seit Monaten herum, es ist alles andere als gelöst, die Ballungszentren sind dicht, weswegen man jetzt dazu übergeht, auf dem Land nach geeigneten Möglichkeiten der Unterbringung zu fahnden. Gern auch private. Es wird, sie mögen sich erinnern, auch an Immobilieneigentümer appelliert. Nun ist der Herr Clooney ein Immobilieneigentümer allererster Garde und Güte. Wie viele Luxusanwesen er in summa sein eigen nennt, ist dem Fiskus wohl nur dem Verdacht nach bekannt, aber jene, die wir kennen, die haben es wirklich in sich. Für eine TV-Crew vom Sender CBS öffnete der stets bescheiden und unprätentiös auftretende Star schon vor Jahren die Pforten seiner eleganten Bleibe. STERN-Online vom 03.02.12:

“Die Junggesellenbude des Superstars wirkt aufgeräumt und verdächtig gut durchgestylt. Es gibt einen Swimming-Pool, einen privaten Basketballplatz, auf dem auch schon einige NBA-Stars mit dem sympathischen George ein paar Körbe geworfen haben und eine großzügige Grillecke, in der Mr. Charming ­selbst nach einem schweißtreibenden Spiel gerne ein paar leckere Steaks brät. Die Küche ist der Traum eines Profikochs. Alles aus Edelstahl und so geräumig, dass die deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft hier locker drei Platten nebeneinander aufstellen könnte. Clooney selbst kocht nicht. “Aber von hier aus bestelle ich mein Abendessen”, schmunzelt er in die Kamera und hat, wie so oft, die Lacher auf seiner Seite. Clooney fühlt sich wohl in seinem Haus, das er 1995 gekauft hat und es nur einmal fast abgestoßen hätte. Vor ein paar Jahren, da zog Britney Spears direkt nebenan ein. “Es war schlimm. Ständig Helikopter, ständig Terror. Ich habe die Ruhe der Nachbarschaft vermisst”, so Clooney. Heute ist es wieder ganz easy und still im noblen Beverly Hills. Das geht auch aus der netten Homestory deutlich hervor. Und Clooney? – Ein ganz normaler Superstar ist er halt, einer, der auch gerne mal im Jogging-Anzug mit einem Bier in der Hand auf dem Sofa “ein Spiel im TV” verfolgt. Wie Millionen andere Männer auch. Millionen Männer, die sich wohl alle irgendwann schon einmal insgeheim gewünscht haben, das Leben von George Clooney teilen zu können. Oder zumindest ein Bier auf dem Sofa…“

Es ist nicht bekannt, ob der coole George mal den einen oder anderen mexikanischen Flüchtling in seiner Hochglanzhütte zum Bier eingeladen hat, aber das muss auch nicht sein, ist man einer, der in Echtzeit die halbe Welt rettet. Vielleicht bekommen wir ein solches Rührstück zu sehen, kandidiert der nette Clooney für den Posten des Senators. Immerhin erfahren wir, dass er die Ruhe liebt, und raubt man sie ihm, dann zieren sicher Sorgenfalten seine sympathische Mine; kaum schleicht sich Zornesröte auf die wohlmeinende Fassade. Der Mann ist Profi, der zeigt uns allen nur, was wir sehen wollen: Was man von ihm erwartet. Ob er den Weckruf des Muezzin auch als Belästigung seiner Privatsphäre deuten würde, der in manchen deutschen Stadtteilen sicher nicht mehr sehr lange auf sich warten lässt, wird nie ermittelt werden. Aber er könnte dann locker umziehen, in die nächste Absteige; etwa jene, die ihm am Comer See zur ständigen Verfügung steht:

„George Clooney weilt regelmäßig in den Sommermonaten am Comer See in seiner 25-Zimmer-Villa Oleandra in Laglio, nur ca. 15 Minuten von Como entfernt.
Das Dorf Laglio ist mittags ein verschlafenes Nest. Zugeknöpft präsentiert sich die Villa Oleandra, die Ferienresidenz des Hollywood-Filmstars, auch von ihrer rückwärtigen Seite. Hohe Mauern und Eisenzäune schützen sie vor neugierigen Blicken.“

Dies lässt uns die Website der Gemeinde wissen. Wie auch immer. Der nächste Erholungssommer ist noch fern. Mit ihm werden auch die nächsten Flüchtlingsmassen zu uns strömen und dann kann der George von seinen fünfundzwanzig Räumen den einen oder anderen zur Verfügung stellen. Für neugierige Blicke wird gesorgt sein: Die entsprechende Home Story kann sich jeder vor der Glotze rein ziehen.

Shanto Trdic, 13.02.16

 

 

 

 

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Differenzieren bei Lanz

Tapfer im Nirgendwo

Lieber Markus Lanz,

wenn Sie einen Mann einladen, der in jungen Jahren von katholischen Geistlichen missbraucht wurde, dann sorgen Sie doch bitte dafür, dass in der Runde niemand sitzt, der dem Opfer erklärt, er solle bei all seinem erfahrenen Leid doch bitte differenzieren, da er sich sonst den Vorwurf gefallen lassen müsse, mit seinen Aussagen das Christentum zu beleidigen. Das Gleiche gilt übrigens auch für eine muslimische Frau!

Am 10. Februar 2016 war Sabatina James zu Gast bei Markus Lanz. Sie berichtete von ihrem Leben als Muslima, wie sie in Pakistan zwangsverheiratet werden sollte und von der Gewalt, die muslimische Frauen in ähnlichen Situationen immer wieder erleben müssen. Vor einigen Jahren konvertierte Sabatina James zum Christentum, was ihr ein Todesurteil eingebrachte. Seitdem hat sie keinen festen Wohnsitz mehr, da sie ständig auf der Flucht ist. Ohne Sicherheitskräfte kann sie keinen einzigen Schritt mehr in der Öffentlichkeit machen, da sie…

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Der Aachener Antisemitismusstreit: Wenn Antisemiten sich gegenseitig Antisemitismus vorwerfen …

Aachen hätte das Zentrum des Welt-, zumindest des europäischen Judentums werden können, wenn Karl der Große nicht so früh verstorben wäre. Doch das einzige, was von ihm neben einigen Statuen übrig ist, ist der Karlspreis, der zuletzt Israelwasserkritikern und Palibewunderer zufällt, also Männern, die gegen Juden vorgehen, um ihre eigene Nutzlosigkeit zu kaschieren.

Daneben wird der Aachener Friedenspreis als Konkurrenzprodukt zum Karlspreis vom Aachener Friedenspreis ebenfalls jährlich vergeben. In letzter Zeit hat sich der Aachener Friedenspreis redlich bemüht, keine Antisemiten auszuzeichnen, um gegenüber dem Karlspreis sich positiv abzuheben. Der Aachener Friedenspreis hat ebenfalls ein Konkurrenzprodukt, welches sich „Ehrenpreis“ nennt und von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachens an Menschen verliehen werden soll, welche sich um Israel und Judentum verdient gemacht haben. Der Preis wird von einer bekannten Leckereienfirma gesponsert, die an koscheren Produkten nach Israel gut verdient. Überzeugte Antisemiten sollen noch nie den „Ehrenpreis“ erhalten haben. Derzeit sind die Ehrenpreisverleiher mehr mit sich als mit Israel oder Marzipan beschäftigt.

Des Weiteren beherbergt Aachen auch eine Gesellschaft, in der Christen und Juden friedlich zusammenarbeiten sollen. Diese Aachener Gesellschaft ist glücklicherweise preisfrei, denn die Polizei ist wegen den aktuellen Geschehnissen ausgelastet. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat ihren Sitz in einem Gebäude, das der Evangelischen Kirche gehört. Dort finden auch Veranstaltungen statt, in denen sich Erwachsene in Antisemitismus weiterbilden können. Obwohl weniger als ein Prozent der Bevölkerung Aachens Juden sind, ist das theoretische und praktische Interesse am Antisemitismus in der Region ungebrochen. Wenn die Vortragenden Judenhasser sind oder wenn ihnen dies vorgeworfen wird, sind die großen Räume der Evangelischen Kirche bis zum letzten Platz von stolzen Judenkritikern besetzt.

Verständlich, dass kein Jude mit Kippa auf dem Kopf auf den Straßen Aachens zu sehen sind.

Nun findet am Ende dieser Woche in besagten Räumen der Evangelischen Kirche ein Vortrag eines gebürtigen Iraners namens Moustafa, der sich skandinavo-arisch Ken Jebsen nennt. Er spricht über den „Casino-Kapitalismus“ und meint wohl die Juden damit. Einigen aufrechten Aachenern gefällt dies nicht und sie ersuchen um Hilfe bei der Jüdischen Gemeinde und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, die erwartungsgemäß abschlägig beschieden wird. Die Ersteren sind froh, wenn man sie nicht erwähnt, die Letzteren sind, wie oben dargelegt, derart mit sich selber beschäftigt, dass sie ihre eigentliche Aufgabe sträflich vernachlässigen. Da tut sich Rettung auf: Das „Antifa Infoportal Aachen“ droht.

Macht Euch auf Protest und Ärger gefasst!

Kein Fußbreit dem antisemitischen Pack!

Selbst die judenkritischere Abspaltung des Aachener Friedenspreises unterstützt verbal den Kampf der Antifa gegen Antisemitismus und Rechtspazifismus! Ganz im Gegensatz zu einer Kölner Internet-Zeitung, die sich links gibt, rechts und Heimat selbsthassender Juden ist. Sie sieht naturgemäß im Kampf gegen Antisemitismus „Anti-demokratische Kräfte, Kräfte des Krieges und der Desinformation“, die „mit ihrer Hetze und ihren Einschüchterungsversuchen keinen Erfolg haben“ dürfen.

Auf Grund der Demographie – Juden gehen, Muslime kommen – werden in einigen Staaten der EU Synagogen verkauft, bevor ein langer Leerstand die Preise nach unten drückt. Die Aachener Synagoge ist zwar oberflächlich gut in Schuss, teilt jedoch im Gegensatz zu gut gefüllten Moscheen der Region mit vielen Kirchen das Schicksal der inneren Leere. Die Verantwortlichen sollten, falls sie nicht schon mitten drin sind, über einen Besitzerwechsel des Objekts im muslimischen Viertel nachdenken. Der Aachener Antisemitismusstreit dürfte die Verhandlungen beschleunigen.

Zitatnachweis am 10.2.2016:

http://aixpaix.de/aachen/jebsen-20160202.html

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22522

http://m.jpost.com/Diaspora/Europe-synagogues-up-for-sale-as-Jewish-demographics-change-444386#article=6023OEM3NUNENzY2MDkxREREQkZGQzdFN0VGNDM4MThCRkQ=

Erschienen unter

https://www.fischundfleisch.com/anti3anti/der-aachener-antisemitismusstreit-16044

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Geschichtsfälschungen und die Schere im Kopf

Die vordringliche Aufgabe des Wahrheitsministeriums in Orwells „1984“ ist die Kontrolle der Vergangenheit, die das Überleben des Staates, der Partei und der Gesellschaft sichert. Kontrolliert wird die Vergangenheit, indem sie derart verändert oder verbogen wird, dass sie sich den Erfordernissen der Gegenwart anpasst. Die Gegenwart braucht man nicht zu ändern, denn sie ist bald Vergangenheit. Die Zukunft kann man nicht ändern, da sie noch unbekannt ist. Bleibt nur die Vergangenheit.

Hier fällt mir ein Witz ein. Was ist der Unterschied zwischen einem kapitalistischem und einem sozialistischem Märchen? Das kapitalistische Märchen beginnt mit „Es war einmal“, das sozialistische „Es wird einmal“.

Orwell kann sich die europäische Demokratie des Jahres 2015 nicht vorstellen, als er sein Buch „1984“ 1948 abschließt. Wir stolzen, in Freiheit lebenden Europäer haben kein Wahrheitsministerium, brauchen auch kein Wahrheitsministerium, denn wir tragen die Schere in unseren Köpfen. Diese Schere sorgt dafür, die Vergangenheit zurecht zu schneiden, damit sie sich in unserer Gegenwart – oder das, was wir für unsere Gegenwart halten – problemlos einfügt. Ohne diese Schere würden wir alle verzweifeln und nachts von Alpträumen verfolgt werden.

Masochisten werden die Geschichtsanpassung mit dem bösen Wort „Geschichtsfälschung“ belegen. Für sie ist selbst die schönste Musik nur dazu da, den Staatsbürger gefügig zu machen. Reichen denn hierzu die TalkShows nicht aus, mit denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk uns regelmäßig berieselt und die wir zudem mit unseren Gebühren bezahlen?

Sehen wir uns die Annexion der Krim durch Russland an, die noch halbwegs in unserem Gedächtnisspeicher 2.0 abrufbar ist. Russland und die Ukraine behaupten beide, dass ihnen die Krim offiziell, völkerrechtlich und tatsächlich gehört. Wenn wir Wikipedia und vielleicht anschließend – falls noch Kraft und Interesse besteht – das übrige Internet durchpflügen, werden wir jede uns genehme oder unangenehme Wahrheit finden. Wir erkennen sofort, dass ein einheitliches Wahrheitsministerium im Falle der Krim günstiger wäre als die vielen individuellen Scheren im Kopf, die selbst unter Freunden zu Streitereien führen. Dabei wäre eine Einheitsschere entscheidend wichtig! Wir brauchen Russland, um den Krieg in Syrien gegen den IS und einigen anderen weniger wichtigen Terrororganisationen schnell zu gewinnen, auf dass die dort erzeugten Flüchtlinge nicht weiterhin Deutschland überfluten. Somit ist uns allen klar, dass die Krim zu Russland gehört. Nur noch eine sture Minderheit in Deutschland ist der Meinung, dass wir es (was auch immer) schaffen werden, wenn die Krim als Teil der Ukraine durchgeht.

Die Zugehörigkeit der Krim zu Russland oder zur Ukraine ist ein vernachlässigbares Detail der Weltgeschichte, schon deshalb, weil die Ukraine selbst russisch ist. Bitte die Schere nachjustieren! Es gibt weit wichtigere weltgeschichtliche Ereignisse, die auf unsere stumpfen Scheren warten.

Den Deutschen ist es schwer beizubringen, dass außerhalb Deutschlands die Religion eine überaus wichtige Rolle spielt. Was der Deutsche nicht versteht, gibt’s nicht! Ob der Bischof schwul, die Bischöfin lesbisch, katholisch, evangelisch oder pädophil ist, schmeißt keinen Deutschen aus dem Fernsehsessel, selbst dann nicht, wenn gerade eine TalkShows über die sexuelle Ausbeutung von Kindern über den Bildschirm flimmert, die wir gerne alimentieren. Im strikten Gegensatz zu Deutschland spielt in den meisten Ländern Europas und der Welt die Religion eine herausragende Rolle. Es wird geschossen, gemeuchelt und gemordet, dass es eine Freude ist.

Deshalb wird der durchschnittliche Deutsche mit durchschnittlicher Bildung und einer durchschnittlich stumpfen Schere im Kopf nicht auf Anhieb verstehen wollen, warum es manchen Regierungen und Religionsgemeinschaften von höchster Wichtigkeit ist, die Götter der konkurrierenden Regierungen und Religionsgemeinschaften zu stürzen. Trotzdem werden wir Gebildete und Überheblichen aus Deutschland niemals akzeptieren, dass die Idee und das Wort „Europa“ von Semiten aus Phönizien, den Vorfahren Assads und des IS und Verwandten der Juden, erfunden worden ist, das ins Deutsche übersetzt „jwd“ bedeutet.

Die arabisch-islamische Welt bereitet momentan einen noch größeren Coup vor, der bereits erste Erfolge zeitigt. Die Leser dieses Artikels werden unter den Ersten sein, die ihre Schere im Kopf nachjustieren dürfen! Die arabisch-islamische Welt behauptet, dass der Christengott ein Araber, genauer Palästinenser, und Muslim ist. Isa ibn Maryam aus Bait Lahm und nicht Jehoschua oder Jeschu ben Josef aus Efrata-BethLechem /Bethlehem heißt der Sohn Gottes der Christen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, dass Jesus in Galiläa und Judäa gelebt hat. Auch, dass die Bewohner Galiläas und Judäas, sofern sie keine Römer gewesen sind, Juden sind und dass es noch mehr als 1.900 Jahre dauern wird, bis die Palästinenser erfunden werden, ist irrelevant. Da Gott wie sein letzter Prophet nun arabische Muslime sind, kann Gottes Sohn genauer: der vorletzte Prophet, auch nur Araber und Muslim sein. Und da Isa, der Sohn Maryams (Vater unbekannt), im späteren Palästina (zu Jesus Lebzeiten Judäa) gelebt hat, ist er Palästinenser und Freiheitskämpfer für sein von Juden unterdrücktes Volk, auch wenn manche gläubige Christen und andere anständigen Menschen diesen „göttlichen“ arabischen Palästinenser für den ersten nahöstlichen Terroristen halten werden, der die Kreuzigung gerechtfertigt hat. Justierung beendet.

Die muslimischen Palästinenser erhoffen sich durch die Geschichtsanpassung die Daseinsberechtigung zu erlangen und die Juden aus Israel vertreiben zu dürfen, sobald sie dazu fähig sein werden. Viele Christen, die den Antijudaismus verinnerlicht haben, beteiligen sich gerne an diesem grausamem Spiel, da sie immer noch nicht die Hoffnung verloren haben, Hitlers Vorarbeit zu beenden. Doch ein neues gravierendes Problem entsteht, dass bisher niemand bedacht hat.

Wenn Isa/Jeschu/Jesus Sohn der Maria und des unbekannten Vaters Josef kein Jude, sondern ein Muslim und Palästinenser gewesen ist, so hat die Kirche 2.000 Jahre lang die falschen Gottesmörder verfolgt. Es wird höchste Zeit, den wahren Nachkommen der Gottesmörder das Ende zu bereiten! Der Gegen-Jihad sei eröffnet! Möge er erfolgreicher sein als die noch immerwährende Verfolgung der Juden!

Erschienen unter

https://www.fischundfleisch.com/anti3anti/geschichtsfaelschungen-und-die-schere-im-kopf-15999

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No time for heroes

„I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat.”

Winston Churchill

 

Fast sechsundsiebzig Jahren trennen uns mittlerweile von der berühmt gewordenen Ansprache des großen britischen Politikers, von dem das sattsam bekannte, allzu oft erwähnte Eingangszitat entstammt. Er hielt die flammende Rede bereits drei Tage nach seiner Ernennung zum Premierminister am 13. Mai 1940. Dass, was dieser Mann den versammelten Mitgliedern des Unterhauses damals zu sagen hatte, galt wesentlicher noch dem britischen Volk. Nie zuvor hatte ein gewählter Staatsmann so klar und deutlich die Wahrheit gesprochen wie dieser: erstaunlich direkt und bis an die Schmerzgrenze unmissverständlich. Die wenigen Worte, mittels derer Churchill seinen Amtsantritt einleitete, suchen ihres gleichen in der überlieferten Geschichte. Seine Aussagen unterschieden sich Satz für Satz von den gewundenen Girlanden derer, die bis dato an der Seite Neville Chamberlains die Regierung stellten. Das handelsübliche Lavieren und Taktieren dieser Kaste kultivierter Herrenreiter war seine Sache nie gewesen. Am wenigsten in dieser Rede. Er kam ganz ohne aus. Und erhielt entsprechend wenig Beifall. Der wuchtige Anfangsakkord seines erstaunlich kurz gehaltenen Appells verlieh der trüben Tirade posthum den passenden Namen: Die Apologeten kochten ihn auf die noch etwas kompaktere Formel des ´blood, sweat and tears´ herunter.

Churchill hielt in den folgenden Jahren etliche Kampfansagen an die damals fast uneingeschränkt herrschenden Mächte Europas (einschließlich derer, die demütig mittaten oder bequem beiseite standen). Umso verblüffender, dass er in seiner bekanntesten Rede hauptsächlich die unweigerlichen Folgen eines solchen Kampfes thematisierte – kerzengerade in der Haltung und, wichtiger noch, auf verblüffende Weise ehrlich in der Sache. Wahrlich: Der Mann versprach nichts und stellte einzig in Rechnung. Er schwor sein Volk auf einen Waffengang ein, der zu diesem Zeitpunkt alles andere als unumgänglich schien. Die entsprechenden Miseren malte er schon in den düstersten Farben. Was in der Retrospektive einmal mehr alternativlos scheint, ist in Wahrheit tollkühn, geradezu aberwitzig gewesen: Ein ziemlich mickriger Inselstaat, der damals bereits in letzten Resten vom rasch verblassenden Ruhm vergangener Tage zehrte, völlig isoliert und zu Beginn des Jahres 1940 wahrlich nicht gerüstet für den großen Endkampf, muckte in Gestalt eines verschrobenen Sonderlings gegen die immer stärker und unverwundbarer agierenden Mächte der Finsternis auf; gegen Großdeutschland und den Faschismus. Die galten in der Tat spätestens Anfang der Vierziger als unbesiegbar. Und unwiderstehlich. Historiker versäumen gern, gerade darauf hinzuweisen: Die Zukunft auf dem Kontinent malte man sich damals entweder in Rot oder in Braun aus, alles andere wurde im Eingang des neuen Jahrzehnts als aberwitzig, ja abwegig erachtet.

Geschichte ist immer das, was am Ende einzig dabei herauskommt. Freilich: Jeder hat die Wahl – seine eigene. Soll heißen: Churchill hätte seinerzeit auch ganz anders gekonnt. Er hätte sich, ähnlich der Vorgänger-Regierung, feige aus jeder Verantwortung heraus taktieren können, frei nach dem Motto: Was geht mich das Hauen und Stechen auf dem Festland an. Er hätte also sich und seinem Land einiges erspart. England, Führers Lieblings-Verbündeter, wäre mit einer Neutralität ähnlich der, die Francos Spanien praktizierte, bis auf weiteres (und darüber hinaus) fein raus gewesen. Aus heutiger Sicht erscheint natürlich alles ganz klar, wir kennen das Ende vom Lied. Weil sich in Europa wie ein Lauffeuer das Böse breit machte, rüstete das Gute auf: So konnte und durfte es schließlich nicht weiter gehen. Bis heute wird so getan, als hätten sich zwangsweise die Gegenkräfte, die Demokratien – die Völker der freien Welt wider die Tyrannei erhoben. Ein Irrtum. Wer oder was hätte einen vom Volk gewählten Führer damals dazu veranlassen sollen, seine Nation in die sehr wahrscheinliche Katastrophe, ja in den beinahe sicheren Abgrund zu führen? Hitler-Deutschland schritt von Sieg zu Sieg, und die USA wären ohne Pearl Harbour kaum in den ganz großen Krieg eingestiegen. Vor diesem Hintergrund muss man Churchills Situation am Vorabend der fast fünf Jahre andauernden unerbittlichen Auseinandersetzung betrachten, der er geschmeidig und ohne viel zu riskieren locker hätte ausweichen können. Er hätte – aber er hat nicht. Von Anfang an stand für ihn fest, dass er auf Konfrontation gehen würde. Ihm war klar, was das bedeutete, und er versicherte es den Seinen so deutlich, wie diese es gerade noch ertragen konnten.

Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß. Hand aufs Herz: Wer von denen, die dieser Tage in Berlin oder Brüssel schwadronieren, brächte die Kühnheit auf, das Labern endlich bleiben zu lassen, um dem umschmeichelten Wahlvolk einmal mehr eine bitterböse ´Alternative´ in Aussicht zu stellen, und zwar als Rechnung für versäumte Taten? Die Rede Churchills gewinnt gerade zu Beginn dieses Jahres in Europa eine völlig neue, nahezu beklemmende Aktualität. Jeder halbwegs anständige Politiker, er möge den Rechtsaußen in Polen, Ungarn oder Kroatien nahe stehen oder jenen, die nahezu verzweifelt an den verwesenden Blütenträumen multikulturellen Miteinanders festhalten, kann ehrlich nur sein, wenn er wie Churchill den Schlamassel ankündigt: einen, der sich mittlerweile gar nicht mehr abwenden lässt. Denn dazu ist es längst zu spät. So richtig wahrhaben will das keiner; nicht einmal jene, die ihn schon ganz klar kommen sehen. Auch sie hängen an Parolen, die auf Anhieb zünden, bevor das Rohr krepiert.

Über siebzig Jahre Wohlstand und Prosperität, Frieden und trügerische Ruhe haben nicht einzig das Volk, sie haben auch und gerade die Eliten konditioniert. Auch fehlt ihnen der visionäre Weitblick eines Churchill, der damals gerade darum alles auf eine Karte setzte, weil er, jenseits tagespolitischer Etappenziele, in seltener Klarheit kommen sah, was kommen müsse. Er allein begriff, dass man sich auf bewährte Weise nicht ewig aus der Verantwortung ziehen kann – das man früher oder später bezahlen muss für alles, was sich vorher billig einkaufen ließ. So gesehen leben wir jetzt eigentlich nur noch auf Pump.

Wie sähe eine Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede dieser Tage aus? Freilich: Es wäre eine, die keiner hielte, da diese schon im Blick auf das nächste Politbarometer bedenklich, wahltaktisch unklug erschiene. Nur keine Panik verbreiten! Als wenn die nicht längst umginge. Doch auch die allzu oft diffamierte Gegenseite weicht der Verantwortung aus. Auf eigene Weise. Wer dieser Tage die allgemeine Verunsicherung zwecks Steigerung eigener Nachfrage für sich nutzt und den Verängstigten versichert, man müsse nur rasch dies und jenes tun, um drohendes Unheil abzuwenden, der tarnt und trickst nicht minder. Auch er täuscht mehr, als dass er reinen Wein einschenkte. Und macht sich so zum Komplizen. Das möchte ich übrigens wortwörtlich verstanden wissen. Sowohl jene, die dem Merkel-Diktat Öffentlichkeitswirksam widerstehen als auch solche, die noch kleinkariert über Obergrenzen und Familiennachwuchs, über Abschiebung und Alimente debattieren müssten, wollten sie so grenzenlos ehrlich sein wie einst der schrullige Premier, das Lamentieren völlig einstellen und stattdessen eine Art vorgezogener Leichenrede halten. Churchill schreckte genau davor nicht zurück. Das hat seinen denkwürdigen Auftritt vor dem Unterhaus jene Einzigartigkeit verliehen, die wir Nachgeborenen so unverdient bewundern, ja mehr noch: Das erst macht ihn so unglaublich menschlich. Denn erst von dem Moment an konnte es wieder so etwas wie Hoffnung, Würde geben. Im ersten Moment mag er seine Landsleute verschreckt, ja verstört haben; danach konnten alle sehr viel gelassener ihren täglichen Pflichten nachgehen.

Fazit: Reflexartigen Missverständnissen beugt man am besten mittels schonungsloser Analyse vor. Die dann am Ende noch ernüchternder ausfällt als alles, was die Herren Orban oder Kaczynski ihrem Wahlvolk eintrichtern, um mittels falscher Versprechen über die nächsten Runden zu kommen. Denn ganz gleich, ob man den größten Exodus der überlieferten Menschheitsgeschichte nun rigoros begrenzen oder am liebsten ganz beenden möchte, ob man zu vermeintlich radikalen Lösungen neigt oder unter humanen Vorwänden um trügerischen Ausgleich, um letzte Mittelwege bemüht ist, von der recht halbherzigen, völlig verfehlten Bekämpfung des IS in Nahost ganz zu schweigen: die Misere wäre in allen nur denkbaren Fällen gar nicht mehr aufzuhalten. Wir haben es doch gegen Ende des letzten Jahres erlebt, Irrtum ausgeschlossen: Die vereinigten Staaten von Europa sind sich einzig einig in der eifersüchtig verteidigten Uneinigkeit. Die bis auf Weiteres jeden schnellen, raschen Lösungsansatz verunmöglicht. Im Schatten zahlloser nationalstaatlicher Divergenzen wird sich die europäische Tragödie so unerbittlich wie irreversibel vollziehen. Aber keiner, nicht ein einziger, der das seinem Wahlvolk ehrlich auftischte. Eine Rede wie die des großen Briten käme heute, hielte sie irgendwer noch für angebracht, gar nicht mehr umhin, an erster, zweiter und auch dritter Stelle die Folgen einer ungebrochenen, längst nicht mehr aufzuhaltenden Völkerwanderung zu thematisieren. Folgen, die uns alle betreffen werden, jeden einzelnen von uns. Zu behaupten, sie seien noch abzuwenden, wenn nur ab sofort die richtige Maßnahmen gefahren würden, ist Verrat – Lug und Trug. Da wird demnächst noch so viel zusammen kommen und das Fass zusätzlich zum überlaufen bringen, sie werden sich wundern. Wir alle werden das tun. Ich verharre einmal mehr in mühelos nachvollziehbaren Andeutungen, denn es kann wahrlich nicht meine Absicht sein, an dieser Stelle in die verbalen Fußstapfen Churchills treten zu wollen. Eines Tages wird sich jemand finden, der das nachholt. Dann wird es wieder zu spät sein.

Blood, toil, tears and sweat – es war der Held des italienischen Risorgimento, weiland Guiseppe Garibaldi, der diesen Vierklang als erster anno 1849 in einer heißen Ansprache vor seinen Getreuen in Rom gebrauchte. Der nicht minder hemdsärmelige Theodore Roosevelt griff den Passus erneut auf, als er gegen Ende des Jahrhunderts Marinesoldaten angestammte Werte einbläute. Heutige Politiker vermeiden es, kämpferisch zu erscheinen, sie geben sich lieber entschlossen, pragmatisch – und tolerant. Aus wahltaktisch sehr einleuchtenden Gründen achten sie darauf, dass die verbliebenen Hintertürchen brav geöffnet bleiben. Churchill, ganz anders, schlug sämtliche noch verbliebenen Türen hinter sich zu, er war zu Beginn des Vierziger Jahrzehnts wahrlich und wahrhaftig allein – so lautete denn auch das entsprechende Kapitel in seinen nobelpreisgekrönten Erinnerungen. Ergreifend schildert er hier, was es bedeutet, auf verlorenem Posten zu kämpfen.

Wie immer man nachträglich Leben und Werk dieser widersprüchlichen Persönlichkeit im Ganzen zu bewerten beabsichtigt: Churchill war, als es darauf ankam, ehrlich in seinen Ansichten und konsequent in dem Bemühen, ihnen Nachdruck zu verleihen. Frei von Fehlern war nicht. Sein Charakter strotzt nur so vor krummen und scharfen Ecken, er war ein allzu sturer, oft unzugänglicher, von Melancholien geplagter Sonderling, doch als solcher bewies er im entscheidenden Moment einen Mut, der heute seinesgleichen sucht. Einschließlich der schonungslosen Ehrlichkeit, die jede echte Courage nahezu zwangsweise begleitet.

Wie dem auch sei: Das britische Volk hat es ihm anschließend nur schlecht gedankt. Noch während der Potsdamer Konferenz wurde er von Clement Attlee abgelöst, der die Unterhauswahl vom Juli 1945 gewann, weil er den Briten bessere Schulen, bezahlbare Wohnungen und ein staatliches Gesundheitswesen versprach. Was Churchill ihnen jetzt noch in Aussicht stellte – eine mögliche Fortsetzung des Krieges gegen Japan und, man höre und staune, Maßnahmen gegen eine drohende ´Finanz-Gestapo´, verfing nicht länger. Die Zeiten hatten sich geändert. Europa, wiewohl es in Trümmern lag, begann schon von Wohlstand und Frieden zu träumen. Und es hat diesen Traum dann auch wirklich wahr gemacht. Davon zehren wir noch heute.

Es kennzeichnet jeden Opportunismus, dass er entlang selektiver Zugriffe das je Passende mit Getöse aus sich heraus bläht und den Rest feige totschweigt. Heute weiß jeder halbwegs gebildete Mensch, das der ferne Nachfahre des Duke of Marlborough nicht unwesentlich dazu beitrug, den Faschismus in Europa auszumerzen. Nahezu unbekannt sind seine Verlautbarungen zum Islam geblieben, die er gewohnt schonungslos und offen in The River War publizierte; eine historischen Aufarbeitung jenes legendären Feldzuges gegen den Mahdi, an dem der Autor in jungen Jahren selbst noch teilgenommen hatte. Für jene, die es nicht wissen: Die Horden des Mahdi wüteten seinerzeit im Sudan in etwa so grausam und rücksichtslos, selbstherrlich und grenzirrsinnig wie Al Baghdadis IS heute in der Levante. Bis in den späteren Westkongo breitete sich dieses Ungeheuer am Ende aus. Unter dem Oberbefehl Herbert Lord Kitcheners konnte der unwiderstehliche Vormarsch der selbsternannten Gotteskrieger schließlich aufgehalten werden. Nicht minder rücksichtslos und brutal allerdings. Wie auch immer: Churchill wertete die große Schlacht nachträglich als Kreuzzug. Er kam in seinen Erinnerungen auch zu einer ganz allgemeinen Bewertung des Islam, die ihm im heutigen Europa, mehr noch: in der jetzigen Situation ein sofortiges Einreiseverbot nach Deutschland nebst zivilrechtlicher Klagen einbrächte. Daher wird der folgende Passus auch nie erwähnt, verneigt sich die Öffentlichkeit auch vor dem Bezwinger des Faschismus. Mehr noch: Er würde die im Reichstag versammelte Kaste alimentierter Volksvertreter sogleich in Blut, Schweiß und Tränen versetzen, geriete sie in die Verlegenheit, ihrem Urheber den nötigen Staatsempfang bereiten zu müssen. Ich stelle ihn dieser Betrachtung abschließend anheim. Ohne weiteren Kommentar. Möge dieser Tage jeder selbst entscheiden, was von den Ansichten dieses Mannes in diesem Zusammenhang heute noch zu halten ist.

“Nebst dem fanatischen Wahnsinn, der in einem Menschen so gefährlich ist, wie Wasserscheuheit in einem Hund, ist diese beängstigend-fatalistische Gleichgültigkeit. Die Auswirkungen sind in vielen Ländern offensichtlich, leichtsinnige Gewohnheiten, schlampige Ackerbaumethoden, schwerfällige Wirtschaftsgebräuche und Unsicherheit des Eigentums herrschen überall da, wo die Nachfolger des Propheten regieren oder leben. Eine erniedrigende Sinnlichkeit beraubt dieses Leben von seiner Würde und seiner Verbesserung, das nächste von seiner Ehre und Heiligkeit. Die Tatsache, dass nach mohammedanischem Gesetz jede Frau einem Mann als sein absoluter Besitz gehören muss, sei es als Kind, als Ehefrau, oder als Geliebte, schiebt die endgültige Ausrottung der Sklaverei zwingend hinaus bis der islamische Glaube aufgehört hat, eine wichtige Macht innerhalb der Menschheit zu sein.

Einzelne Muslime mögen großartige Qualitäten aufweisen, aber der Einfluss der Religion lähmt die gesellschaftliche Entwicklung derer, die ihr nachfolgen. Es gibt keine stärker rückschrittliche Kraft auf der Welt. Weit entfernt davon, dem Tod geweiht zu sein, ist der Mohammedanismus ein militanter und bekehrender Glaube. Er hat bereits in Zentralafrika gestreut, zieht bei jedem Schritt furchtlose Krieger heran, und wäre nicht das Christentum in den starken Armen der Wissenschaft geborgen, der Wissenschaft, gegen die er (der Islam) vergeblich gekämpft hat, würde die Zivilisation des modernen Europas vielleicht fallen, so wie die Zivilisation des alten Roms gefallen ist.“

Shanto Trdic, 07.02.2016

 

 

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Warum hassen Deutsche muslimische Flüchtlinge?

Flüchtlinge christlichen Glaubens sind in Deutschland unbeliebt. Doch spätestens seit der Silvesternacht 2015/2016 wird weltweit bekannt, dass auch muslimische Flüchtlinge in Deutschland und in Europa nicht gerne gesehen sind. Natürlich gibt es viele Deutsche, die auch vor nicht laufender Kamera bereit sind, muslimischen Flüchtlingen zu helfen. Doch die Mehrheit in Deutschland, wozu auch die Helfer zählen, wendet sich bewusst ab, wenn Flüchtlinge zu Tode misshandelt werden. Wie Ertrinkende klammern sie sich an Muttis Schürze und monotonen Satz „Wir schaffen das“.

Dabei ertrinken nicht die „Refugees Welcome“-Deutschen, sondern die Flüchtlinge, die über die Ägäis von der sicheren (?) Türkei aus Europa zu erreichen trachten. Die Türkei ist doch mindestens so sicher wie Algerien? Welcher kranke Geist hat sich die unaussprechliche und heimtückische Verrufenheit ausgedacht, die Flüchtlinge erst dann willkommen zu heißen, wenn diejenigen, die des Schwimmens unkundig sind, – Semiten sind doch wasserscheu? – bereit sind, jämmerlich zu ertrinken und anschließend ihre Leichen fotographieren zu lassen, auf dass sich der deutsche Gutmensch am Abend vor dem Fernseher wohlig rekele, errege und ergötze? Auf welcher niedrigen Stufe der Zivilisation leben wir, wenn wir Gäste auf einer solchen Weise willkommen heißen? Ein anständiger Mensch, der keine Flüchtlinge hasst, würde ein Fährschiff an die türkische Küste schicken, um die Gäste trockenen Fußes zu sich nach Hause zu bringen. Schließlich sind wir mit der Türkei verbündet und nicht verfeindet! Humaner, schneller, komfortabler und ein wenig teurer wäre es, die Flüchtlinge im Flugzeug von der Türkei aus nach Deutschland zu holen.

Doch auch diese Infamie nutzt sich ab, erregt den deutschen Gutmenschen nicht mehr. Es muss ein neuer Spielzug her, um die Flüchtlinge aus den islamischen Ländern zu quälen. Mutti erkennt, dass sich ihr Volk langeweilt. Schon eine Weile kommen ihr die abgenutzten Worte „wir schaffen das“ nicht mehr über die ausgetrockneten welken Lippen. Sie betritt die nächste Schwierigkeitsstufe ihres grausamen Spiels.

Sultan Erdogan erhält von der EU 3.000.000.000 €, wenn er dafür sorgt, dass kein lebender Flüchtling die Küste Griechenlands erreicht. Offiziell soll der Erste Türke das Geld benutzen, um den Flüchtlingen das Leben in der Türkei derart angenehm zu gestalten, dass sie dort auf ewig bleiben wollen, zumindest nicht nach Europa flüchten. Doch jeder, der rechnen kann und will, weiß, dass 3.000.000.000 € – Sultan Erdogan will zunächst 5.000.000.000 € – keine Summe ist, die Wunder bewirken wird. Wie lange sollen 3.000.000.000 € für 3.000.000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, dem IS und Afghanistan reichen? In Deutschland rechnet man mit 25.000.000.000 € pro Jahr für lediglich 1.000.000 Flüchtlinge! Das ist das 25-fache im Vergleich zur Türkei! Wir wissen ja alle aus Urlaubserfahrung, dass die Türkei spottbillig ist, aber doch nicht in einem solchen Ausmaß!

Sultan Erdogan hat bereits alles gut vorbereitet. Die türkische Presse ist wie zu gewissen deutschen Zeiten gleichgeschaltet. Die Ausrottung der Kurden im Südosten der Türkei mit schweren Waffen wird von keinem deutschen Politiker, Medienvertreter, Wirtschaftsweisen oder Gutmenschen bemängelt. Der oberste Türke hat freie Hand, mit den Flüchtlingen so umzugehen wie seinerzeit mit den Armeniern, deren Genozid in der Türkei noch nach 100 Jahren abgestritten wird. Damals im Kaiserreich haben hohe deutsche Offiziere und Politiker bewusst zur Seite geschaut. Heute in der Demokratie tun es auch die einfachen deutschen Bürger.

Vor 100 Jahren die haben Verantwortlichen im Deutschen Reich weggeschaut, als die Türken die christlichen Armenier massakrierten. Wer kann heute erwarten, dass der einfache deutsche Bürger und Gutmensch sich erhebt, wenn die Türken muslimische Flüchtlinge ins todbringende Kriegsgebiet zurückdrängen? Wir sollten dankbar sein, dass die Refugees nicht ertränkt werden.

PS:

Man wird einwenden, dass auch Flüchtlinge christlichen Glaubens gehasst werden. Doch dies ist kein Einwand, weil die hasserfüllte Ablehnung Orientalischer Christen als Flüchtlinge auf Grund der political Correctness schon längst in Deutschland praktiziert wird. Orientalische Christen werden von beinahe allen Muslimen verfolgt, selbst in Deutschland. Sie verdienen den Schutz des Abendlandes weit mehr als als flüchtende Muslime, von denen man nicht weiß, ob sie Mitglieder der IS sind. Orientalische Christen sind niemals Mitglieder der IS.

Die politisch erzwungene Neutralität gegenüber allen Religionen in Deutschland benachteiligt christliche Flüchtlinge, deren Integration ihnen und uns leichter fällt und erfolgreicher ist. Selbst die christlichen Kirchen Deutschlands beteiligen sich an diesem verwerflichen Spiel, wenn sie ihren Glauben leugnen.

Erschienen unter

https://www.fischundfleisch.com/anti3anti/warum-hassen-deutsche-muslimische-fluechtlinge-15829

http://www.tabularasamagazin.de/artikel/artikel_6880/

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Die größte Primzahl bis zur nächsten

Gerade haben die Mathematiker Cooper, Woltman und Kurowski von der University of Central Missouri die bisher größte Primzahl gefunden. Hierzu hat ein „schneller“ PC mit dem speziellen Programm GIMPS (Great Internet Mersenne Prime Search) ausgereicht. Der PC ist fähig, 150.000.000.000.000 (150 Billionen) Berechnungen in der Sekunde auszuführen. Er hat 39 Tage benötigt, um die bisher größte Primzahl zu finden, die

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lautet und 22.338.618 Ziffern im uns geläufigen Zehnersystem aufweist. Den Forschern winkt ein Preisgeld von 3.000 $, was angesichts der enormen Größe der gefundenen Zahl wenig ins Gewicht fällt.

Die Nachricht wird den wenig an Mathematik interessierten oder in Mathematik bewandten Leser nicht vom Sessel umhauen, um eine Sektfalsche zu entkorken. Haben erwachsene Menschen nichts besseres zu tun, als nach belanglosen Zahlen zu suchen?

Nun ist die Suche nach bisher unbekannten Primzahlen nicht belanglos, sondern heute ein notwendiges und einträgliches Geschäft in der Verschlüsselungsindustrie. Zwei bekannte Primzahlen mit jeweils einer halben Million Ziffern lassen sich mit jedem Smartphone in Sekundenschnelle multiplizieren, um daraus einen Sicherheitscode zu generieren. Wer den Code erfahren will, muss zurückrechnen, welches mit den besten Computern derzeit einige Millionen Jahre dauert. Da sich Primzahlen nicht in natürlichen ganzen Zahlen teilen lassen, ist ein Herantasten mit Hilfe eines Algorithmus nicht möglich! Man muss schon die Primzahlen selber kennen, um den Code zu knacken! Auch wenn neue PCs an Geschwindigkeit zunehmen werden, ist somit noch genügend Luft für ausreichende Sicherheit in zukünftigen Systemen der nächsten Jahre.

Die Codes sind lediglich ein lukratives Abfallprodukt. Schon die alten Griechen haben schlaflose Nächte verbracht, nachdem sie die Primzahlen gefunden hatten. Sie haben Vermutungen angestellt, die bis heute weder bewiesen, noch widerlegt werden können. Wir wissen, dass es keine größte Primzahl gibt, da das Produkt aller Primzahlen + 1 erneut eine Primzahl ergibt. Wir können aber nicht vorher wissen, in welchen mathematischen Räumen es keine Primzahlen gibt, und auch nicht, wo Primzahlen gehäuft vorkommen. Die Erkundung der Primzahlen ist wie die Eroberung neuer Welten, die bisher kein sterbliches Wesen betreten hat.

Primzahlen spielen in der belebten Natur eine bisher wenig erforschte Rolle. Gut bekannt ist das Repopulationsverhalten der Zikaden aus Tennessee, die sich alle 13 oder 17 Jahre vermehren. Ihre Fressfeinde vermehren sich regelmäßig alle 2 bis 6 Jahre. Die frisch geschlüpften Zikaden überleben, da sie Dank der Mathematik der Primzahlen niemals auf eine allzu große Anzahl von Fressfeinden treffen. Die Natur benutzt die Mathematik! Oder umgekehrt: Die Mathematik richtet sich nach der Natur, zumindest bei den Primzahlen. Ohne Primzahlen wären die Zikaden aus Tennessee längst ausgestorben.

Die Verteilung der Primzahlen erscheint uns Menschen und den Mathematikern willkürlich. Wir haben in den Jahrtausenden kein System erkennen können. Die nächste Primzahl kann ganz in der Nähe sein, gerade um 2 größer, oder mehrere Millionen weit entfernt.

Die Primzahlen gehorchen einem Naturgesetz, das die Menschheit nicht enträtselt hat und niemals enträtseln wird. Welche Absicht steckt dahinter? Will Gott uns foppen? Wer sind Cooper, Woltman und Kurowski wirklich?

Erschienen in

https://www.fischundfleisch.com/anti3anti/die-groesste-primzahl-bis-zur-naechsten-15804

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