Der Kaufmann von Venedig

William Shakespeare schrieb gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Komödie „The Merchant of Venice“, die für ihre Zeit unternormal antisemitisch war. Da Shakespeare als Visionär seiner Zeit weit voraus war, fand diese wohlwollende Spielart des Antisemitismus ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert, bis sie von einem weniger wohlwollenden Antisemitismus abgelöst wurde.

Das Besondere am Antisemitismus ist seine Vielfalt, wie sie in Fauna und Flora vorkommt. Jedes politische Ereignis kann die Geburtsstunde eines neuen Antisemitismus werden, auch wenn der Auslöser keinen Bezug zu Juden, Judentum oder Israel hat. Verkomplizierend treten mehrere Antisemitismen zeitlich und örtlich nebeneinander auf, die sich gegenseitig widersprechen und um die Gunst der ständig reichlich vorhandenen Antisemiten buhlen.

Der Shylock’sche Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Juden Rechte gewährt, die er nicht durchsetzen kann. Der Jude verliert letztendlich seine Rechte, da höhere christliche Rechte die Realisierung seiner berechtigten Forderung verhindern.

Nach dem Holocaust geriet der Shylock’sche Antisemitismus in Deutschland in Vergessenheit.

Wie Phönix aus der Krematoriumsasche taucht dank Amnesty International AI dieser totgeglaubte und überwundene Antisemitismus in Köln, neben Aachen ein wichtiges Zentrum für Antisemitismus in NRW, wieder auf:

http://www.amnesty-koeln-gruppe2415.de/Main/20140619001

ENTFÜHRTE ISRAELISCHE TEENAGER MÜSSEN FREIGELASSEN WERDEN

ISRAEL MUSS KOLLEKTIVE BESTRAFUNG VON PALÄSTINENSERN EINSTELLEN

Wer die Kraft hat, darf das lange Pamphlet durchlesen.

AI verlangt zwar die sofortige Freilassung der drei israelischen Jugendlichen, nimmt aber gleichzeitig Israel alle Möglichkeiten aus der Hand, diese Freilassung zu verwirklichen. Alle Schritte, die Israel zur Befreiung der drei Jugendlichen unternehmen könnte, widersprechen irgendeinem vorgebrachten Völker- oder Kriegsrecht, welches höherwertig als das Leben von Juden ist.

Normalerweise frönt AI einem antizionistischen Antisemitismus, wie er unter Aachener Friedensbewegten grassiert. Irgendein wichtiges AI-Mitglied hat wohl zufällig eine bedeutende Theateraufführung aufgesucht.

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18 Antworten zu Der Kaufmann von Venedig

  1. caruso schreibt:

    Mit jedem Wort haben Sie recht!!! Amnesty ist in Bezug auf Israel genauso ein Schwein wie die meisten internationale Organisationen auch. Eine Weile unterstützte ich sie, aber als ich das erkannte, nicht mehr. Bin nicht bereit israel- und /oder judenfeindliche Organisationen aus meinen sehr bescheidenen Mitteln zu unterstützen.
    lg
    caruso

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    • Schum74 schreibt:

      Amnesty ist in Bezug auf Israel genauso ein Schwein wie die meisten internationalen Organisationen auch.

      Ach, Caruso, wie gut das tut, Klartext zu lesen!

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      • Aristobulus schreibt:

        Ja.

        – Ich habe mal bei einer Veranstaltung von Amnesty International einen Text über einen jüdischen Siedler gelesen. Darin verwirrte sich die Frage, ob er ein Siedler sei, indem ein Herr al-Khatib ihm zuvot das Haus weggenommen hatte und fortan darin siedelte, oder ob der nun ein Siedler sei, oder ob die beim Pogrom von Kischnew ermordeten Jiddn Siedler in Kischinew gewesen seien, und ob das alles was mitanand zu tun habe?

        Solche Texte sind viel, viel zu kompliziert zum Vorlesen. Nur zweieinhalb Minuten, aber all diese Siedler!, und einer heißt Joschi und ein anderer Jossi, da wird man ja ganz meschigge im Kopf, meschiggenerer als vorher.

        Man muss ein Wort vorlesen: Siedler. Man kann’s auch lassen, weil man bei Amesty International ohnehin Siedler denkt.

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  2. rochus stordeur schreibt:

    da stehen zwei sätze. sie sind an zwei adressen gerichtet. ich verstehe nicht, was man da missverstehen kann.

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    • anti3anti schreibt:

      Die Handlungen beider Adressaten sind kausal verknüpft. Oder gesteht AI Israel zu, weiter nach den entführten Jugendlichen zu suchen, solange sie nicht frei sind? Obwohl die Bewohner der Westbank durch die Suche in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind?

      Natürlich nicht! Israel soll auf die Suche verzichten, auch wenn die Entführer die Jugendlichen nicht freilassen, da AI die Suche nach den entführten Jugendlichen, die in der Westbank stattfindet, als KOLLEKTIVE BESTRAFUNG VON PALÄSTINENSERN versteht.

      Das erinnert an die Schlichtung eines Streites. Der Angreifer wird aufgefordert, nicht mehr zu schlagen, und der Verteidiger, sich nicht zu wehren. Genau das ist der Shylock’sche Antisemitismus, den ich AI vorwerfe.

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  3. levrak schreibt:

    rochus stordeur says:
    June 23, 2014 at 2:00 pm
    da stehen zwei sätze. sie sind an zwei adressen gerichtet. ich verstehe nicht, was man da missverstehen kann.

    Wer hier zwischen diesen beiden Sätzen den Zusammenhang nicht sieht, der will ihn nicht sehen. 
    Was gibt’s da zu miß zu verstehen?

    Einem ‚rochus stordeur‘ hilft’s wohl nicht, wenn ich eine entscheidende Aussage aus dem Artikel nochmal hervorhebe?

    AI verlangt zwar die sofortige Freilassung der drei israelischen Jugendlichen, nimmt aber gleichzeitig Israel alle Möglichkeiten aus der Hand, diese Freilassung zu verwirklichen.

    Zum Glück hat AI nicht die Möglichkeit um den Staat Israel daran zu hindern zu tun, was richtig ist. 

    Aber sie und viele andere haben durchaus die Freiheit Schmutz gegen Israel zu werfen, was sie ausgiebigst tun. 
    Elende Heuchler!

    A.mOr.

    PS/ „Kollektive Bestrafung“?
    Klaaar!

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  4. Schum74 schreibt:

    Und wieder eine Maxime klassischen Zuschnitts für Sprachgenießer:

    Das Besondere am Antisemitismus ist seine Vielfalt, wie sie in Fauna und Flora vorkommt. Jedes politische Ereignis kann die Geburtsstunde eines neuen Antisemitismus werden, auch wenn der Auslöser keinen Bezug zu Juden, Judentum oder Israel hat.

    Ein Buch aus dem Jahr 1936, so stockfleckig, das es schon sommersprossig aussieht, kommt als fernes Echo, Ihre Worte zu veranschaulichen. Aus Sympathie für den unbekannten Autor, von dem niemand weiß, was ihm danach geschehen ist, hier die Eingangssätze aus dem Vorwort.

    Aus: Erich Kahler, Israel unter den Völkern, Humanitas Verlag, Zürich 1936:

    Das Judentum ist heute in Deutschland den wildesten Angriffen ausgesetzt. Die Bewegung, die dort in die Höhe gekommen ist, sieht geradezu im Schicksal des Judentums den Angelpunkt der deutschen, ja der menschlichen Zukunft. Die Juden hätten Grund zu einer besonderen Genugtuung über die universale Urheberschaft, die ihnen im Weltprozeß zugemutet wird: sie sollen gleichermaßen den Kapitalismus wie den Sozialismus, den Krieg wie den Frieden, die Revolution wie die Restauration ins Werk gesetzt haben, sie sollen fähig und willens sein alle andern Volksarten zu verderben, während sie ihre eigene mit der zähesten Kraft bewahren – das alles nur um zur Weltherrschaft zu gelangen. Sie sollen, bar jeder Opferbereitschaft und nur auf persönlichen Gewinn bedacht, dennoch eine Weltbewegung wie den Marxismus organisiert haben – um des Vorteils ihrer Rasse willen. Ja, daß sie sich in den europäischen Revolutionen haben erschießen, erschlagen, einkerkern und von Land zu Land hetzen lassen, auch das war offenbar nur ein teuflisches Maskenspiel, um die Völker zu blenden und desto sicherer zu betrügen. (S. 11)

    ENTFÜHRTE ISRAELISCHE TEENAGER MÜSSEN FREIGELASSEN WERDEN

    ISRAEL MUSS KOLLEKTIVE BESTRAFUNG VON PALÄSTINENSERN EINSTELLEN

    Nee, nee. Die Freilassung der entführten Jugendlichen Ayal, Naftali und Gil-Ad setzen in der Vorstellung der ai-Schreiber keineswegs Bewegungsfreiheit israelischer Streitkräfte voraus.
    Der erste Satz ist eine Bitte an die mohammedanischen Genossen, von sich aus, aus Großzügigkeit, Gnade vor Recht ergehen zu lassen und die drei Teenager nach Hause zu schicken.
    Der zweite Satz ist eine Aufforderung an die zionistischen Imperialisten (pardon für die Doppelmoppelei), wenigstens ein Mal Anstand zu zeigen, und keine Sippenstrafe in NS-Manier über Unschuldige und Bedauernswerte zu verhängen.

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  5. levrak schreibt:

    anti3anti.

    Das Feilen hat sich gelohnt!
    Eine Sach, die Du erwähnst.
    „Schlichtung eines Streits“.

    Hast Du Dich abgesprochen? 
    Eine wahre Kostbarkeit, ein Juwel unter Menschen, ein Licht mir (jidiš lesen), hat auch auf solche Situation neulich hingewiesen, jemanden zitiert und übersetzt.

    Ein Text von La Bruyère.
     
    Entre deux personnes qui ont eu ensemble une violente querelle, dont l’un a raison et l’autre ne l’a pas, ce que la plupart de ceux qui y ont y assisté ne manquent jamais de faire, ou pour se dispenser de juger, ou par un tempérament qui m’a toujours paru hors de sa place, c’est de condamner tous les deux : leçon importante, motif pressant et indispensable de fuir à l’orient quand le fat est à l’occident, pour éviter de partager avec lui le même tort.
    (Les Caractères, 1688 ; Editions Gallimard et Librairie Générale Française. Le livre de poche. 1965, p 117)
     
    [Zwischen zwei Menschen, die einen heftigen Streit miteinander gehabt haben, von denen der eine im Recht ist und der andere nicht, was die meisten Zuschauer zu tun nicht versäumen, ist, die Beiden in gleichem Maße zu verurteilen; entweder, um sich eine Beurteilung zu sparen oder aus einem Temperament heraus, das mir nie angemessen zu sein schien: eine wichtige Lektion, ein dringlicher und unentbehrlicher Grund, in das Morgenland zu flüchten, wenn der Laffe im Abendland ist, um keinen Anteil zu haben an seinem Vergehen!]

    Weißt Du was, anti3anti? 
    Gerade das sagst Du auch.

    We toda lach jakirati! 

    Ale saj gesunt.

    A.mOr.

    Letzte Woche hatten wir Tora-Besprechung zu Machloket.

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