Vermeidbarer Flüchtlingstod auf den Bahnschienen

Vor einigen Tagen werden 14 Flüchtlinge aus Afghanistan und Somalia auf dem Fußweg in die Europäische Union von einem Zug in Mazedonien überrollt und getötet. Flüchtlinge werden von Schleppern angewiesen, nachts auf Bahnschienen zu gehen, um sich nicht zu verirren und um der Polizei zu entgehen.

Solch ein schlimmes Ereignis lässt sich nicht so einfach wie ein sinkendes Boot auf dem Mare Nostrum verheimlichen und ist bestürzend wie das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Asylsuchende geben sich in die Obhut von Schleusern, um ihr verbrieftes Menschenrecht auf Asyl in der EU geltend zu machen. Auf der gefährlichen Reise kommen viele von ihnen um.

Die klügsten Köpfe der EU haben sich vereint, um die Gefahren für Flüchtlinge beim Überqueren des Mittelmeers zu verringern. Ich werde hier alleine aufzeigen, wie sämtliche Gefahren für die Flüchtlinge beim Durchqueren Mazedoniens auf Eisenbahnschienen verhindert werden können.

Es gibt drei Hauptakteure am Unglück, die Schuld tragen können:

  • Die Schleuser
  • Die Asylsuchenden
  • Die mazedonische Eisenbahn

Die Schleuser, die für den Transit durch Mazedonien zuständig sind, sind genauso (wenig) schuldbeladen wie die Schleuser, die die Überfahrt über das Mittelmeer von Libyen nach Italien organisieren. Sie verschaffen den ihnen anvertrauten Asylsuchenden die einzige Möglichkeit, ihren Asylantrag in einem EU-Land ihrer Wahl abzugeben, wie es der Artikel 14 der Charta der Menschenrechte vorsieht, wozu sich alle EU-Staaten in Sonntagsreden bekennen. Die Festung Europa hindert die Asylsuchenden daran, ihr verbrieftes und anerkanntes Menschenrecht umzusetzen. Deshalb sind die Flüchtlinge den Schleusern ausgeliefert und gleichzeitig dankbar, auch wenn sie ihnen viel Geld zahlen müssen und sie ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Anweisung der Schlepper, nachts auf den Bahnschienen zu gehen, ist gefährlich, genauso gefährlich wie ein überladenes Boot nach Italien zu besteigen, welches zu wenig Treibstoff getankt hat.

Die Asylsuchenden üben durch ihren Fußmarsch durch Mazedonien ein Menschenrecht aus. Wenn sie sich nicht an den Anweisungen der Schlepper halten, werden sie von der örtlichen Polizei aufgegriffen, geschlagen, ins Gefängnis gesteckt und anschließend aus dem Land gejagt. Damit beginnt ihr Martyrium von Neuem. Menschen, die ihr Recht suchen, sind niemals schuldig!

Bleibt somit nur noch die mazedonische Eisenbahn übrig, bei der wir die Schuld suchen müssen und die verantwortlich für den Tod dieser 14 unschuldigen Asylsuchenden ist. Somit muss die mazedonische Eisenbahn alles tun, um künftig solche Unfälle mit Sicherheit zu verhindern. Die mazedonische Eisenbahn ist genauso schuldbeladen wie Schiffe auf dem Mittelmeer, die sich weigern, Flüchtlinge in Seenot zu retten.

Was kann die mazedonische Eisenbahn tun?

Zunächst muss sie gänzlich auf Nachtfahrten verzichten. Tagsüber sind höchstens 25 km pro Stunde erlaubt, um rechtzeitig und gefahrlos abzubremsen. Die mazedonische Eisenbahn ist zwar nicht juristisch, jedoch menschlich verpflichtet, die Asylsuchenden aus Asien und Afrika bis zur Grenze kostenlos mitzunehmen, da die Flüchtlinge nach der Bezahlung der Schleuser kaum noch über Geld verfügen.

Mazedonien wird unter diesen Auflagen viel Geld verlieren und möglicherweise dem wirtschaftliche Ruin entgegenstreben. Doch hier erinnern wir uns an das weise Machtwort unserer klugen Bundeskanzlerin: „Was bedeutet Geld (der anderen), wenn es um Menschenleben geht?“. Trotzdem wird sich eine höhere Geschwindigkeit als 25 km pro Stunde im Eisenbahn-Alltag nicht verhindern lassen. Der Zugführer ist deshalb verpflichtet, eine Notbremsung einzulegen, um das Leben der Flüchtlinge zu retten. Dabei sind kleine und große Unfälle der mazedonischen Bahnreisenden billigend in Kauf zu nehmen, da auch der mazedonische Bürger mitschuldig ist an der Not der Flüchtlinge. Schließlich könnte Mazedonien selber die Asylsuchenden aufnehmen, um die EU zu entlasten.

Baum-sw

Dieser Beitrag wurde unter Ethik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Vermeidbarer Flüchtlingstod auf den Bahnschienen

  1. Matthias schreibt:

    Zuende gedacht liegt es demnach nahe die Luft zu verklagen, sollte ein Flugzeugs abstürzen. Ich denke, wer aktiv bestehende Risiken eingeht ist ganz und gar alleine dafür verantwortlich. Selbst Nichtwissen schützt nicht vor Schuld. Die Eisenbahn fuhr nicht die Nacht zum ersten Mal und auch in den Herkunftsländern sind die Gefahren der Eisenbahn bekannt, auch läuft dort niemand des Nächtens auf den Schienen spazieren, geschweige denn besteigt irgendwer eine Nussschale ohne Schwimmweste und ohne selber schwimmen zu können. Und das oben genannte verbriefte Recht bezieht sich gerade eben nicht auf das Wunschdenken von Wirtschaftsmigranten die gerne die sozialen/wirtschaftlichen Errungenschaften der Europäer abschöpfen möchten sondern auf Verfolgte. Wäre es denkbar, dass wir nach Saudi-Arabien einwandern um unseren Anteil am Erdölverkauf zu verlangen? Ich weiß, das klingt alles zynisch und gehässig, aber zu überspitzen ist erlaubt, wenn damit der allzu gefühlige Mitbürger lernt eine weitere Warte zu entwickeln, die vermutlich (auch nicht) dazu verhilft die bestehenden Verteilungskämpfe auf dieser Welt rational zu bewerten und einzuordnen. Die wirklich Armen, die tatsächlich unsere monetäre Hilfe existenziell brauchen um nicht zu verhungern, haben nicht einmal annähernd die wirtschaftliche Möglichkeit für eine teure Einwanderung über das Mittelmeer. Die illegale Einwanderung Hunderttausender Bürger der wirtschaftlichen Mittelschicht der Zweiten und Dritten Welt in Europa ist in der Sache kontraproduktiv und berührt mich emotional nicht mehr. Wie hat es soweit kommen können, dass ich so denke?

    Gefällt 1 Person

    • anti3anti schreibt:

      Deutschland hat freiwillig die Charta der Menschenrechte unterschrieben. Durch die Unterschrift kann das diktatorische Ursprungsland nicht belangt werden, ohne das Asyl da absurdum zu führen.
      Der gesunde Menschenverstand widerspricht dieser Logik.

      Like

  2. Irene Reindl schreibt:

    Oder wie wäre es mit NEBEN den Schienen zu gehen, anstelle mitten drauf? 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.