Deutschland im Herbst

Über unterschiedliche Wahrnehmungen, Befindlichkeiten und ihre Folgen

„Fachleute rechnen meist nicht genügend mit der Stärke des menschlichen Willens. Wenn ein Mensch wirklich entschlossen ist, etwas zu tun, wird er es tun, selbst wenn es nach menschlichem Ermessen unmöglich ist.“

Josip Broz Tito, im April 1943

 

Der Wille, einem kranken Life-Style globale Gültigkeit zu verschaffen, rabiat und rücksichtslos, hat binnen einer Woche weitere, blutige Wegmarken hinterlassen. Im nahen Sarajewo verschaffte sich ein Mann Zugang zu einem Wettbüro und knallte dort zwei Militärpolizisten ab, aber das war den Medien kaum eine Erwähnung wert, wiewohl der gebürtige Franzose wirklich an alles dachte: seinen Amok konsekrierte er mittels Koran-Rezitation, laut und vernehmlich; dann sprengte er sich in die Luft. Den Knall ist nördlich der Alpen offenbar überhört worden. Schon ein recht heimtückischer Angriff auf die US-Botschaft vor ein paar Jahren haute hier keinen vom Hocker. Wohl weil die Sache halbwegs glimpflich endete. Im April diesen Jahres attackierten Totalgläubige eine Polizeistation, dabei kam immerhin ein Beamter ums Leben, aber seien sie ehrlich: auch davon haben sie weder gehört noch gelesen. Ihnen hat auch niemand erzählt, das der IS bereits im Sommer 2015 zu Attentaten auf dem Balkan aufrief. Drei Tote, irgendwo in Absurdistan, wen kratzt das schon? Die Region geht uns allen ziemlich am Arsch vorbei und wir reagieren erst, wenn von dort Massen meuternder Muslime zu uns strömen, denn dann geht es uns direkt an. Der etwas mickrig geratene Mord im Wettbüro wurde gewogen und für zu leicht befunden. Die ungleich Opfer-reichere Heimsuchung in einem notorisch unterentwickelten Land Westafrikas dominierte hingegen sofort das öffentliche Interesse. Freilich: vor den Pariser Anschlägen war das große Schlachten jenseits der Sahara auch nur am Rande ein Thema. Mali, ehedem französischer Kolonialbesitz, rückte erstmals 2013 in den Fokus. Die alte Schutzmacht holte damals zur großen Strafaktion aus. Frankreich feierte den ´Sieg´ seinerzeit nahezu überschwänglich, fast besoffen vor „Glorie“. Einigen Bellizisten ging dieser Interventionismus nicht weit genug. Die ZEIT tönte: „Das ist auch Europas Krieg!“ Damit hatte es sich auch schon. Nach der schnellen ´Befriedung´ verlor sich der größtenteils aus unwirtlichen Wüsten bestehende Staat erneut in angestammter Bedeutungslosigkeit, wiewohl sich die ethnisch-religiösen Gegensätze weiter verschärften. Interessierte keinen mehr. Das Land zählte nie zu den bevorzugten Touristen-Zielen, die ihren Ausdruck meist im ´Last-Minute´ Angebot von der Stange finden, aber der Umstand, dass jetzt im alles andere als exotischen Bamako ein Luxus-Hotel von den Islam-Internationalisten angegriffen wurde reicht einmal mehr aus, Panik zu verbreiten. Die mehr ängstlich, kaum überzeugend beschworene Gelassenheit, der wir uns angeblich geschlossen verpflichtet fühlen, gleicht einem Lippenbekenntnis. Denn der ´Wille zur Freiheit´ wird dauernd unterwandert. Unser Gemüt geht eigene Wege. Seit den Anschlägen vom 13. November häufen sich in den sozialen Netzwerken zahllose recht phantasievolle Abbildungen der Trikolore, während gleichzeitig die Stornierungen geplanter Paris-Reisen in rekordverdächtige Höhe schnellen. Der Eifelturm geriet binnen kurzem zur Peace-Ikone, aber besuchen mag ihn seit einer Woche kaum noch einer. Dem modernen Massentourismus darf man ab sofort eine gewisse Empfindlichkeit nachrühmen. Er beginnt, wählerisch zu werden. Das galt schon immer für die Nachrichtenübermittlung. Brüssel und Bamako – statt Bosnien und der Balkan. Vielleicht muss in Sarajewo erst wieder das berühmte Holiday Inn in einen Schweizer Käse verwandelt werden bis sich die ohnehin verstörten Mitteleuropäer dieser schicksalsträchtigen Metropole zurückerinnern. Einstweilen hängt uns die ganze Region zum Halse raus. An den westlichen Küsten Ex-Jugoslawiens machte immerhin der Urlaub Spaß.

Die Deutschen reisen gern. Kein Winkel der Welt, der nicht mit öden Pauschal-Angeboten lockt. Der Ablauf ist und bleibt allerorten derselbe: vom Flieger geht´s direkt in´s Sterne-Hotel, von da aus an den Pool, tags drauf zurück in den vollklimatisierten Reisebus, der an ausgewählten Orten Station macht, die zwar schon alle Welt bis zum abwinken kennt, aber filmen muss man das abgelatschte Dutzend trotzdem, zum hundertmillionsten Mal, sonst bist du einfach nicht dagewesen. Seltsam: die Völker Europas, Weltreisende im Dauerstress, reagieren auf das, was sich jetzt im ´Weltdorf´ nahezu simultan und deckungsgleich ereignet in einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Provinzialität. Sie wollen nicht verstehen. Wir alle gleichen jenen Fachleuten, von denen der alte Tito sprach, als ihm und seinen Desperados auf dem Balkan das Wasser wieder einmal bis zum Halse stand. Die Prognose der ´Experten´ lautete damals: der und sein Haufen, die machen´s nicht mehr lang. Sie rechneten mit falschen Größen, wie sie das auch heute noch tun.

Was macht eigentlich die Stärke des menschlichen Willens aus? Vielleicht sollte man, im Blick auf jene losen Haufen gut vernetzter Schwerverbrecher, die uns dieser Tage das Gruseln lehren, eher die begleitende Effizienz diskutieren. Woher mag sie rühren? Ich sehe, schaue ich mir diese Typen an, nichts, aber auch wirklich gar nichts, was mich auf Anhieb beeindrucken könnte. Denn das Individuelle hat sich zugunsten eines seltsam Artifiziellen nahezu vollständig verflüchtigt. Aus Menschen sind, über Nacht oder über Jahre, Schlafwandler geworden. Ihr Wille handelt nicht mehr autonom, und die Leichtfertigkeit, mit der sie ihre Schandtaten vollziehen erinnert weniger an Entschlossenheit, mehr an Hypnose. Man bedenke, was das im Ergebnis zu bedeuten hat. Dem anfänglichen Erstaunen folgt so das natürliche Entsetzen. Die zukünftigen Henker handeln ab sofort wie Zombies. In den dumpfen Schädeln solcher Tötungsmaschinen gärt kein eigener Saft, da ist folglich auch keine autonome Entschlussfreudigkeit mehr am Werke: die fatale, durch nichts mehr zu beeinträchtigende Fremdbestimmung beherrscht das Eigene ganz und gar, falls man von einem solchen überhaupt noch sprechen kann. Der Einzelne fühlt sich immer erlöst, das wissen wir mittlerweile, er bedarf also der umständlichen Verrenkungen nicht mehr, die uns Andere ein Leben lang beschäftigen. Kein Gewissen und kein Biss – keine andere Wahl. Sie empfinden daher als alternativlos, was uns, in letzter Konsequenz, unmöglich vorkommen möchte. Kein Geringerer als der Allmächtige selbst erteilt ihnen die Absolution. Sie glauben ganz fest daran. Die resultierende Euphorie stiehlt sich voller Vorfreude in das Minenspiel derer, denen nicht einmal ein zertrümmerter Säuglingsschädel den grenzenlosen Spaß verderben kann. Das Paradies und sein Überschuss an Jungfrauen rechtfertigt alles. Ziemlich deutlich sieht man den Märtyrern auf Abruf an, wie innig sie ihren monotonen Wahnvorstellungen schon im Diesseits anhängen. Weniger in Gedanken, mehr in begleitenden Gefühlen, später dann in Taten, die umso gefühlloser erscheinen. Dass sie so unfasslich unbekümmert agieren erscheint vor diesem Hintergrund nur logisch: vor Gottes Herrlichkeit verblasst ja alles Übrige. Nahezu Umstandslos scheint sich der selige Irrsinn in diesen kranken Köpfen zu halten. Sicher machen sich von Zeit zu Zeit Reste widerkehrender Gemütsschwankungen bemerkbar, aber die werden in Erwartung ewiger Wonnen umso verlässlicher verscheucht. Das durchgehend stupide Grinsen Abdelhamid Abaaouds, mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris, entzieht sich deshalb auch jeder herkömmlichen Analyse. Sie setzt einander ablösende Dynamiken voraus. Hier ist nur eine einzige übrig geblieben. Da ist kein kleinster Rest mehr vorhanden, der noch irgendeinen Zwiespalt, irgendwelche Divergenzen verriete. Die sind wie ausgelöscht. Das befreit ungemein, obschon hinter dieser Total-Unterwerfung gleichzeitig ein erschreckendes Maß menschlicher Unfreiheit zum Vorschein kommt. Sie enthemmt solche, die im Ergebnis wie abgerichtete Kampfhunde reagieren. In freudiger Erregung erwarten sie ihr jüngstes Gericht. Der Tötungs-Planer von Paris könnte locker als Partylöwe im Berufsschulalter durchgehen. Das, was einen Menschen ausmacht, seine Hoffnungen und Ängste, die Skrupel und ihr beharrliches Nagen – hatte sich bei dem endgültig erledigt. Sein ständiges Lächeln bewies es. Er und seinesgleichen verwechselten die sorgsam ausgeklügelten Massaker schon vorab mit einer zündenden Fete: der Horror kickt – uns stößt er ab. Sicher gibt es da draußen ´Versteher´, die das schaurige Grienen der Henker auch weiterhin mit verletzten Gefühlen und verdrängten Erlebnissen verbinden; als überspiele der Killer damit sein eigenes, arglos empfangenes Unvermögen. In Wahrheit hat er derlei ´Humankapital´ längst gemeuchelt. Und er wird weiter töten. Die von Hannah Ahrendt so trefflich herausgearbeitete Banalität des Bösen bläht sich bei ihm bis an den Rand des überhaupt Erträglichen, und sie kommt so plump und einfältig daher, dass einem schlecht werden muss. Die Mörder von Paris hatten überhaupt kein Problem mehr damit, Ungläubige wie Vieh zu schlachten, das machte ihnen richtig Spaß, das ging schon in Ordnung. Abaaoud war entschlossen, wahllos zu morden, und er tat es, immer wieder, bis man ihm das trübe Licht ausblies. Wir werden hier mit einer Art des Willens konfrontiert, die frösteln macht. Der Metropolen-Dschihadist kennt nämlich nur noch einen einzigen Willen, dessen Allmacht sich nahezu ungefiltert Bahn bricht und bis zum Exzess am passenden Objekt austobt. So unbekümmert wie ungebrochen. Keinerlei Skrupel oder Zweifel schmälern den Ertrag. In den dumpfen Schädeln spukt nichts Lästiges mehr: nichts, was den mörderischen Spuk bremst oder stört, hemmt oder mildert. Der autistische Automatismus funktioniert verlässlich. Zum Lachen einfach. Abaaoud hatte das Wort des Einzigen in seiner simpelsten und fragwürdigsten Variante ein für alle Mal verinnerlicht. Dann konnte es so richtig losgehen.

„Denen musste doch mal gezeigt werden, dass es einen Willen gibt der stärker ist als ihrer,“ maulte der jüngst verstorbene Helmut Schmidt vor ziemlich genau vierzig Jahren im Blick auf die zweite Generation der RAF, deren Mitglieder dann im Herbst des übernächsten Jahres ganz Deutschland in Atem hielten. Ihr Selbstverständnis deckte sich aber nur zum Teil mit dem der selbsternannten Gotteskrieger. Natürlich wird beim IS nicht in elitären Zirkeln über theoretische Probleme diskutiert. Das haben die gar nicht nötig. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben nämlich ihren endgültigen Ausdruck längst gefunden, dem muss nur noch entsprechend Nachdruck verliehen werden. Immer wieder. Bis es auch der Letzte frisst. Oder stirbt. Zeit spielt dabei keine Rolle. Auch nicht die Vernunft, der eigene Verstand und dergleichen Störfaktoren mehr – es ist alles schon vollbracht, muss nur noch überall zuende gebracht werden. Der Irrglaube degradiert den Einzelnen dabei zum bloßen Werkzeug, zum Spielzeug, und das wird funktionieren – mehr muss nicht. Die Welt in einen Alptraum verwandeln? Sie werden es tun, auch wenn das nach menschlichem Ermessen unmöglich ist. Irgendwie passt, dass der IS derzeit hauptsächlich weite Teile einer toten Wüste besetzt hält: den Rest der Welt verwandelt er auch noch in eine. Die schaffen das schon.

Wer hätte noch vor zwei Wochen geahnt, dass ein Terror-Anschlag in Deutschland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, früher oder später? Vor elf Jahren kam ich vom Kölner Karneval zurück in die ostwestfälische Provinz; und tat mich wichtig. Mir war nämlich aufgefallen, dass es für Attentäter ein Leichtes sei, am Bahnhof oder auf den Straßen der Domstadt ein Blutbad anzurichten.“ Junge, du siehst Gespenster,“ meinte seinerzeit ein väterlicher Freund zu mir. Damals stimmte das auch noch. Ab sofort aber nicht mehr. Jeder weiß es. Wie oft ist in den letzten Tagen beteuert worden, dass wir jetzt erst Recht so weiter machen sollen und müssen wie bisher. Das wir uns von ´denen´ den Spaß – unseren eigenen – nicht verderben lassen dürfen. Das wir ganz selbstverständlich – ´als wäre nichts gewesen´- unseren lieb gewonnen Gewohnheiten noch etwas gründlicher nachkommen müssen. Nahezu reflexartig plappern alle den Unsinn nach. Immer wieder bemühen jene, die zum permissiven Gruppenzwang aufrufen, die Freiheit. Nie kam sie umständlicher, ja verkrampfter daher. In Wahrheit kaschiert dieser Tage der Trotz die eigene Ratlosigkeit, hinter der sich immer mehr Verunsicherung staut. Die entsprechenden Manierismen und Symbole einer auf Unverbindlichkeit und Spaß gründenden Pop-Kultur können nicht auf Dauer darüber hinweg täuschen, das jenseits ihrer heimelnden Fassade der totale Einsturz droht. Die Medien mühen sich nach Kräften, den hedonistischen Heroismus zu konservieren, aber gleichzeitig irritieren sie das Publikum mit immer neuen Schreckensszenarien. Nur die bringen, jenseits der Gebetsmühlenartig bemühten Wellness-Option, richtig Quote. Schizophren. So ähnlich verhielt sich die Mehrheit auch schon zu Zeiten des kalten Krieges. Der trug aber Sorge, wie wir jetzt wissen, dass alles schön überschaubar blieb. Wie harmlos nimmt sich der Wille nach einer gerechten Welt aus, wenn er in Talkshows und Straßenbefragungen von Einzelnen propagiert wird, denen in Wahrheit schon das Herz in die feuchte Hose gerutscht ist. Das wissen die Islamo-Faschisten aus Dschihadistan besser als jeder Experte. Wir sehnen uns, wie unsere Feinde, nach wärmenden Kollektiven. Uns wundert, wie schnell die sich in Luft auflösen.

Im Schatten der Terror-Krise haben wir jetzt auch die Flüchtlingsschwemme aus dem unruhigen Blick verloren. Angesichts eines immer näher rückenden Armageddon zittern wir auch wie die Lämmer. Beschämend? Das andere Extrem, gipfelnd in wild entschlossenem Kriegsgeheul, empfände jeder von uns als ebenso unangebracht. Wir haben unsere Rolle in diesem blutigen, zum Teil hausgemachten Spiel noch nicht gefunden. Wir müssen lernen. Das Umdenken fällt schwer. Und braucht Zeit. Die wir aber nicht mehr haben.

„We will do or die!” Ein syrischer Flüchtling gab das gestern als Drohung zu Protokoll; vor irgendeiner Grenze. Frei übersetzt: Wir werden zu euch kommen, koste es was es wolle! Auch der gewaltige Exodus, dessen Wogen nur langsam verebben, spiegelt einen sehr realen Willen. Auch hier geht der Einzelne verlässlich im Kollektiv auf. Und unter. Manchmal verstecken sich die Rabiat-Rechtgläubigen im Tross, aber das zu erwähnen, gar zu betonen, fällt immer noch schwer, da spielt viel antrainierter Konformismus mit. Er könnte sehr bald in sein Gegenteil umschlagen. Der Druck von außen wird ja nur kurzfristig nachlassen und spätestens im Frühling 2016 wieder an Fahrt aufnehmen. Ich habe vor Jahren mal in einem Artikel auf Tabvla Rasa darauf hingewiesen, dass es Deutschland kaum zusteht, den resoluten Umgang israelischer Sicherheitskräfte mit Mordlustigen palästinensischen Jugendlichen zu kritisieren. Es stand und steht ihnen auch nicht zu, das gewaltige Mauerwerk zu beanstanden, welches Zion zwecks eigener Verteidigung – man könnte auch von purer Selbsterhaltung sprechen – im Westjordanland errichtete. Dieses monströs anmutende Bollwerk wurde zeitweilig sogar ins Lächerliche gezogen, so richtig schön von oben herab. Wenn in spätestens zwei Jahren ein gewaltiger eiserner Vorhang unseren Kontinent schirmt, streng bewacht, hat sich Europa endgültig in eine Festung verwandelt. Auch das Heilige Land wird eine bleiben – bleiben müssen. Und wenn demnächst im Herzen Europas der nächste Massenmord stattfindet, dann werden auch die Stimmen derer, die nach einem Schutzwall rufen, nicht länger als anzüglich empfunden werden. Auch Meinungen und Werte haben, wiewohl man sie in bequemen Zeiten für unverrückbar hielt, ihre Konjunkturen. Wie das Wetter. Gerade jetzt, im späten Herbst.

Shanto Trdic, Totensonntag 2015

Dieser Beitrag wurde unter Trdic abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

39 Antworten zu Deutschland im Herbst

  1. Aristobulus schreibt:

    Mali, „…verlor sich der größtenteils aus unwirtlichen Wüsten bestehende Staat erneut in angestammter Bedeutungslosigkeit“

    Shanto, Sie sollten sich dringend diese allgegenwärtige Gleichgültigkeit und Kleinmachsucht abgewöhnen und mal Geschmack an was finden, sollten mal irgendwas einfach Klasse finden.
    Pardon!, wenn einer Mali kleinmacht, nur weil er gar nix über Mali weiß und weil’s ihn einfach nicht interessiert, ja grad Mali!, dann werd ich empfindlich.

    Mali, ja, und leider haben Sie sich noch nie für den Kosmos aus Musik just aus Mali interessiert, weder für diese, noch für die Leute, die da was hervorbringen, was Sie (oder ich) selbst im Traum nichtmal zu einem Prozent hervorgebracht haben, oder für die Geschichte (Timbuktu!, meine Güte, sagt Ihnen nix?)
    Timbuktu ist Geschichte, und kann ja sein, dass Geschichte immer altes Zeugs ist. Aber es gibt die Gegenwart, nein? Da laufen musikalische Genies herum in Mali, und zwar heftig massig viele.

    Nie von gehört, Shanto… das wird nu aber Zeit.
    Einfach mal nachlesen, ja? Es gibt z.B. Wikipedia. Danke im Voraus.

    Gefällt 1 Person

    • Clas Lehmann schreibt:

      Apropos: Wenn ich morgen abend in HH wäre, ginge ich morgen, eigentlich heute abend zu Fatoumata Diawara & Roberto Fonseca in die Laeishalle… habe ich eben im Radio reingehört. Bin leider nicht in HH.

      Gefällt 1 Person

  2. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Shanto Trdic: „Wer hätte noch vor zwei Wochen geahnt, dass ein Terror-Anschlag in Deutschland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, früher oder später?“

    Wo leben Sie, Herr Trdic? Es gibt in Deutschland zahlreiche Menschen, die dies schon vor vielen Jahren geahnt haben, die jedoch von unseren „Eliten“ nicht ernst genommen wurden.

    Gefällt 1 Person

  3. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    @Aristobulus: „Shanto, Sie sollten … mal Geschmack an was finden, sollten mal irgendwas einfach Klasse finden.“

    Dem kann ich nur zustimmen, Aristobulus! Immerhin jedoch gewinnen Shanto Trdics Artikel zunehmend an Leidenschaft, und dem offensichtlichen Wunsch Farbe zu bekennen.
    Ihr Artikel GEFÄLLT MIR also, Shanto Trdic!

    Gefällt 1 Person

  4. schum74 schreibt:

    Shanto Trdic macht alles richtig: Erstens rückt er bereits im Titel die Dschihadisten in die Nähe der RAF-Täter; zweitens stellt er angesichts des Zerstörungswillens der Feinde die einzige Frage von Belang: die nach dem Gegenwillen der Angegriffenen, nicht die nach den technischen Mitteln.
    Tatsächlich sind die Mittel fast unwichtig, wie der großartige Tito – im Krieg war er das – die deutschen Wehrmächtigen gelehrt hat.

    Was machte die RAF Anfang der 70er Jahre so gefährlich? Doch nicht die Handvoll Mordsbuben, die sie jederzeit losschicken konnte. Gefährlich machte sie die unübersehbare Zahl an Sympathisanten bei der sogenannten Elite. Es ist nicht anzunehmen, dass Heinrich Böll sich heute um die verlorene Ehre eines Dresdner Demonstranten kümmern würde.
    Mit dem Einsatz der Waffen war man in der außerparlamentarischen Opposition und in den Zeitungsredaktionen zwar mehrheitlich nicht einverstanden, aber man teilte ein Weltbild. En gros: Kapitalismus schlecht, Sozialismus gut; Amerika schlecht, Vietkong gut; Israel schlecht, Palästinenser gut; offene Gesellschaft schlecht, ihre Feinde gut.

    Diese RAF-Sympathisanten der ersten und zweiten Generation stehen heute den Dschihadisten gegenüber, mit denen sie ein Weltbild teilen. En gros: Westen schlecht, Islam gut; Israel schlecht, Palästinenser gut; offene Gesellschaft schlecht, ihre Feinde gut.

    Mit anderen Worten: Es gibt bei den Entscheidern in Europa – und inzwischen auch in Amerika ‒ nicht nur keinen Willen, den sie einem Abdelhamid Abaaoud entgegensetzen könnten. Sie und er haben dasselbe Ziel: die westliche Zivilisation zu zerstören.
    Oder mit Brendan O’Neills Formel (Novo Argumente, 17.11.2015): Islamischer Nihilismus trifft auf westlichen Masochismus.

    Anders ist das Beharren einer Merkel und ihrer Claqueure darauf, nach den Pariser Anschlägen erst recht alle Tore aufzulassen, nicht zu erklären: Schlag mich, Liebling, ich verdien‘ es nicht besser!

    Danke für den guten Artikel – und für das Tito-Zitat. Seit ich die Bedeutung des Kriegsnamens ‚Tito‘ erfahren habe, ist mir der Mann noch einmal so lieb. Was sagen Sie, lieber Trdic? Soll ich das hier verraten?
    Gut. Wie drückt sich ein echter Chef in der Stunde der Not aus? „Ich mache das, du machst das. Ich, das, du das. Ja to, ti to.“
    Könnte von Zahal kommen.

    Gefällt 2 Personen

  5. Paul schreibt:

    Habe ich es richtig verstanden. Der Terror in Paris wird zur Kenntnis genommen, thematisiert.
    Der Muslimische Terror an anderen Orten dieser Welt dagegen kaum oder ganicht.
    Ist es meiner Aufmerksamkeit entgangen oder hast Du den Terror gegen Israel ganicht erwähnt? In den letzten Tagen sind dort 5 Juden Terroropfer geworden. Ihr einziges „Verbrechen“: sie sind Juden.
    Erwähnt wurden sie auch von Dir nicht.
    Ach so, hat nichts mit IS zu tun. Nur mit Hamas, Fatah, Dschihad oder wie sie sich sonst noch nennen. Ist gaaaanz was anderes als IS???

    Gefällt mir

  6. Thomas ex Gotha schreibt:

    „Die Welt in einen Alptraum verwandeln?“ Ist bereits geschehen. Und geschieht immer wieder. Zum Beispiel, als sich die Deutschen, denen Tito eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, Anfang der 1990er Jahre daran machten, Rache zu nehmen: Das ehemalige NSDAP-Mitglied Genscher initiierte den Zerfall Jugoslawiens und die sich anschließenden Bürgerkriege durch die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens. Seitdem ächzt Europa unter den deutschen Hegemonialbestrebungen und den daraus resultierenden innerimperialistischen Kämpfen.
    Wer meint, Merkel und ihre Regierung seien ahnungslos und handlungsschwach, lebt in einem Märchenreich. Selbst wenn sie unter großem Getöse einem Bruchteil der weltweit herumirrenden Flüchtlinge Unterschlupf gewähren, verfolgen sie doch vor allem das, was sie für deutsche Interessen halten.

    Gefällt 3 Personen

    • Aristobulus schreibt:

      Teils, Teils.
      Deutsche Interessen wären etwa: Sicherheit (materielle und physische) derer, die Deutsche sind. Die Merkelregierung opfert jedoch diese Sicherheit für nichts und wieder nichts, außer für’s Ideal.

      – Zu Ex-Jugoslawien: Den Zerfall hat der Pragmatiker Genscher nicht initiiert… die sozialistischen Staaten zerfielen einfach so.
      Bosnien, Montenegro und Kosovo sind seither ein mafiöser Dauerzustand.
      Die Jugoslawien-Serben hätten das nicht aufhalten oder unterbinden können

      Gefällt 1 Person

  7. Dante schreibt:

    Dass sie so unfasslich unbekümmert agieren erscheint vor diesem Hintergrund nur logisch: vor Gottes Herrlichkeit verblasst ja alles Übrige.

    Die träumen nicht von Gottes Herrlichkeit, sondern vom ewigen Puff. Gibt da angeblich sogar Allohol, den dürfen se dann auch. Viel mehr hat das Dschanna des durchschnittlichen Hodendenkers nicht zu bieten.

    Gefällt 2 Personen

    • ceterum censeo schreibt:

      https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/11/28/ali-sina-uber-spiritualitat-3/

      Der Begründer dieser Widerwart „kannte nur die Sensationen durch seinen Penis und seinen Wanst“. Und er ist nun mal das Vorbild für den Teil der Menschheit, auf den immer größere Teile des Rests derselben herzlich gerne verzichten würden.

      Gefällt 1 Person

      • Dante schreibt:

        Nun ja, der Autor der Seite scheint mir auch eine sehr einfache Sicht der Dinge zu vertreten und den gesamten Islam in ähnlicher Weise zu reduzieren wie es die Fundamentalisten und die Jihadi Zombies es selbst tun. Nur die Beurteilungen sind diametral entgegen gesetzt.
        Es ist m.E. schlicht zu einfach, um die ganze Wahrheit zu sein.
        Was konkret gegen die simple Sicht spricht, ist aber auch, dass das kulturelle Erbe des Orients erst jetzt ziemlich gründlich zerstört wird und das nicht schon lange ist. Nicht zuletzt hat es auch lange jüdisches Leben im Orient gegeben, so diskriminiert Juden eben auch dort unter der Ägide des Islam waren (unter dem arabischen mehr als unter dem türkischen).

        Gefällt mir

      • Aristobulus schreibt:

        „… den gesamten Islam zu reduzieren“.
        Und wo im gesamten Islam findet man die Achtung des Lebens, den Einsatz für Andere und die Liebe zum Wissen?
        Nirgends, Dante. Nirgends! Nicht einmal bei den Sufis (die der in der Tat simple madrasoftime-Artikel nennt), denn just der Begründer des Sufismus ist einer der wüstesten Feierer von Massakern gewesen.

        – Also nirgends im gesamten Islam!
        Obgleich mein oder Dein türkischer Gemüsehändler wohl ganz okay ist.

        Gefällt 2 Personen

      • aurorula a. schreibt:

        Wer war es nochmal, der geschrieben hat: there are no moderate muslims; there are only fanatic muslims and ignorant muslims. Ignorant muslims are like a keg of gasoline; all it takes for them to fanatically explode is a spark of faith?

        Gefällt 1 Person

      • schum74 schreibt:

        Auch mir scheinen die Hitler-Gegner vor und nach 1945 eine sehr einfache Sicht der Dinge zu vertreten und den gesamten Nationalsozialismus in ähnlicher Weise zu reduzieren wie es die Fundamentalisten von der Gegenseite taten.

        Nationalsozialismus lässt sich nicht reduzieren auf die Zerstörung des Rechtsstaates, auf die physische Eliminierung der Gegner, auf die industrielle Vernichtung der europäischen Juden, auf die systematische Ausrottung von über anderthalb Millionen Zigeunern und auf die Liquidierung der Geisteskranken im Reich.
        Nationalsozialismus, das ist auch Kunst gewesen, insbesondere die Erschaffung imposanter Architekturwerke; das ist vor allem aktive Steuer- und Sozialpolitik zugunsten der Arbeiterklasse gewesen: Kindergeld, Ehegattensplitting, Rentenerhöhungen, Winterhilfswerk, Kraft-durch-Freude-Urlaube für jedermann.

        In diesem Sinne verschwindet die Duldung der Palmyra-Überreste bis fast zum heutigen Tage keineswegs hinter den ca. 270 Millionen Dschihad-Opfern der letzten 1400 Jahre (Dr. Bill Warner).

        Allgemein leidet die gebotene Objektivität, wenn ehemalige Opfer umstrittener Weltanschauungsstaaten sich dazu berufen fühlen, ihre Sicht der Dinge darzustellen: Was kann ein KZ-Überlebender, ein Ex-Gulag-Insasse, ein Islam-Abtrünniger bei der Beurteilung diffiziler Sachverhalte wie Nationalsozialismus, Kommunismus und Islam beitragen?
        Da greife man besser auf das Zeugnis ausgewogener Kritiker zurück, die bis zuletzt im Zentrum der Macht und damit des Hauptgeschehens geblieben sind.

        – Für die NS-Zeit empfiehlt sich: Albert Speer, Erinnerungen

        – Für den Kommunismus: Michail S. Gorbatschow, Perestroika, die zweite russische Revolution. Eine neue Politik für Europa und die Welt. München 1987; Markus Wolf, Die Troika. Berlin/Weimar 1989

        – Für den Islam: Yusuf Abdallah al-Qaradawi, Erlaubtes und Verbotenes im Islam, München1989

        Gefällt 1 Person

      • Dante schreibt:

        Vorsicht, Satire!

        Gefällt mir

      • schum74 schreibt:

        PS. Natürlich zu Dantes: „Es ist m.E. schlicht zu einfach, um die ganze Wahrheit zu sein.“

        Gefällt mir

      • Aristobulus schreibt:

        Harr.😈

        Gefällt mir

      • ceterum censeo schreibt:

        Klasse, schum74!

        Gefällt mir

  8. caruso schreibt:

    @liebe schum74 – „Danke“ auf ungarisch ist einfach, hört sich ein wenig türkisch an, dabei hat es in diesem Fall mit dem Türkischen nicht zu tun. (Die beiden Sprachen sind nicht verwandt, aber einige türkische und ungarische Stämme lebten eine Weile in der Umgebung des Schwarzen Meeres zusammen bevor die Magyaren nach Ungarn aufgebrochen sind. In dieser Zeit haben sie von den türkischen Stämmen einiges übernommen). Also, das Wort lautet: „Köszönöm.“ Betonung im Ungarischen immer auf der ersten Silbe, so lang das Wort auch ist. „sz“ wird wie „ß“ ausgesprochen. Ich hoffe, Dir gedient zu haben. (Schön geschwollen. Oder?)
    lg
    caruso

    PS Ich kann Orbán nicht ausstehen, aber in der Flüchtlingsfrage mußte ich ihm – so leid mir das auch tat – recht geben. Nur: Wie die Ungarn mit den angekommenen Flüchtlingen umgegangen sind, das war wirklich zum Kotzen. So geht man mit Menschen nicht um.

    Gefällt 2 Personen

    • schum74 schreibt:

      Zuerst einmal: Köszönöm, liebe Caruso, für die ausführliche Antwort.
      Geschwollen, das Wort? Ein Bisschen lang vielleicht. Könnte man nicht die coole Kurzform ‚Kös‘ einführen? Wäre dann nah an ‚Kiss‘, ‚Kuss‘ und überhaupt.
      Haben die Israelis mit dem ewiglangen ‚lehitra’ot‘ (auf Wiedersehen) schließlich auch gemacht. Unter Freunden heißt es einfach ‚lehit‘. Hat doch was, nicht?

      Mein ‚Kös‘ gilt tatsächlich dem Regierungschef, der als Einer der Wenigen in der Lage ist, zwischen akut Bedrohten und Invasoren zu unterscheiden.
      Von Viktor Orbán weiß ich sonst nichts. Ich kenne nur seinen Ruf: „Faschist“. Aber was heißt das in Merkels und Obamas Zeiten? Das Wort ist derart beliebig geworden, dass man ebenso gut ‚tomatig‘, ‚artischockig‘ oder ‚pampelmusig‘ sagen könnte.

      Um einem Missverständnis vorzubeugen: Nicht Jeder, der sein Land gegen feindliche Fremde verteidigt, rutscht automatisch in die Kategorie Zadik. Du redest vom niederträchtigen Umgang vieler Ungarn mit den Zuwanderern. Ich habe eine gute bessojre für Dich: Die Polen sind nicht besser.🙂

      Halt Dich jetzt fest, und lass Dich wegen der Schweine später nicht aus der Nachtruhe bringen, ja?

      Ein Dutzend Leute haben am vorigen Mittwoch, dem 18. November, vor dem Rathaus von Wroclaw gegen die Aufnahme mohämmischer Zuwanderer demonstriert: „Gegen Vergewaltigungen, Morde und Blutvergießen auf unseren Straßen.“
      Nicht nett formuliert, aber die Sorge ist berechtigt. Leider.

      Und dann – Höhepunkt der Versammlung unter dem dunkelnden Himmel: Eine Menschenpuppe wird verbrannt. Ein Rebbe! Schwarzer Hut, schwarzer Kaftan – Irrtum ausgeschlossen.

      Das war’s.

      Quelle :
      JSS, 18.11.2015: « Pologne: une manifestation anti-réfugiée brûle un mannequin… juif ! »

      Gefällt 2 Personen

  9. caruso schreibt:

    Liebe schum74, entschuldige bitte die späte Antwort, ich hatte für meine Verhältnisse eine Menge
    Besuch. So schön es auch war und es war sehr schön, ich genoß es sehr, aber ermüdend war es
    doch, ziemlich. Ich hoffe, Du guckst noch da herein.
    Abkürzung von „köszönöm“ = „köszi“. Man kann es fast zu einem jeden sagen, nur nicht zu einer
    gesellschaftlich hoch stehenden Person, wenn man die nicht gut kennt.
    Und nun gehe ich weiter schlafen:)))
    lg
    caruso

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s