Big Family

Anlässlich der Pariser Ereignisse entschlüpfen dem Munde der Bundeskanzlerin die Worte „gottlose Terroristen“. Die deutschen Atheisten sind erbost. Stehen Atheisten nun unter dem Generalverdacht, Terroristen zu sein? Sind die islamistischen Mörder nicht das Gegenteil von „gottlos“? Zur Beruhigung darf angebracht werden, dass im Deutschen das Wort „gottlos“ zuerst „verwerflich“ und erst in zweiter Linie „nicht an Gott glaubend“ oder „Gott leugnend“ bedeutet. Leider hat die Pfarrerstochter nicht kund getan, welche Bedeutung sie mehr anspricht.

Dr. Michael Schmidt-Salomon ist Philosoph, Schriftsteller und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, der bedeutendsten Atheistischen und Agnostischen Gesellschaft Deutschlands. Er verliert keine Worte über das Reden der Kanzlerin, sondern bringt mit der Illustratorin Anne-Barbara Kindler ein schön bebildertes Kinderbuch heraus, welches für Schüler der ersten Grundschulklassen konzipiert ist. Er zeigt damit, welche Bedeutung der Atheismus in Deutschland haben kann, denn das Verstehen der Evolution führt dazu, jegliches Leben zu achten und zu schützen. Das Buch „Big Family“ behandelt kindergerecht die Evolution, welche in deutsche Schulen erst in einem höheren Schulalter gelehrt wird, ganz im Gegensatz zum Religionsunterricht, in dem vom ersten Schuljahr an wissenschaftliche Erkenntnisse ausgeblendet werden. Den Anstoß zur Herausgabe des Buches gibt das Vorgehen in den USA, „Intelligent Design“, also den Kreationismus, als Schulfach zuzulassen.

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In Deutschland haben die meisten christlichen Kirchen mit der Evolution ihren Frieden geschlossen. Das erste Kapitel der Genesis im Alten Testament wird als bildhafte Erzählung verstanden. Eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der Evolution findet in den Kirchen nicht statt. Die Schöpfungsgeschichte nimmt nur das erste Kapitel der Genesis ein, wenn man den siebten Tag, an dem Gott im zweiten Kapitel ruht, außer acht lässt. Die Sprache der Thora ist gewaltig und beeindruckt Leser und Hörer bis heute. Selbst in den Übersetzungen aus dem Hebräischen kommt die Stärke herüber. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen vor 2,5 tausend Jahren fähig gewesen sind, mit einer solchen Wucht und in derart knappen Worten ohne Zuhilfenahme von Fabeltieren die Erschaffung des Universums und der Erde zu beschreiben.

Selbstverständlich findet die Evolution keinen Einzug in die Bibel. Woher sollten die jüdischen Schreiber vor so langer Zeit etwas über die Evolution wissen? Die Schöpfung beschreibt den Ist-Zustand, den die Menschen damals gekannt haben.

Bis heute hat das Judentum Probleme mit der Anerkennung der Evolution. Streng religiöse Juden bringen ihre Kinder in Schulen, wo außer dem Thorastudium sehr wenig, schon gar nicht die Evolution gelehrt wird. Um das Bildungsniveau der ultraorthodoxen Gemeinschaft zu heben, haben sich gelehrte Rabbiner und Naturwissenschaftler aus Israel und den USA zusammengesetzt, um die Evolution in der Thora wenn auch nicht zu beweisen, so doch im Judentum „hoffähig“ zu machen.

Die Gesetzte des Judentums entstammen der Thora. Ihre Umsetzung findet zunächst im Talmud statt. Hier diskutieren verschiedene Schulen, was Gott mit seinen von Moses aufgeschriebenen Worten gemeint haben könnte. Alles darf, ja muss angezweifelt werden, selbst die Existenz Gottes, um der göttlichen Wahrheit, also der Wahrheit, näher zu kommen.

Die gelehrten Rabbiner und Naturwissenschaftler beschließen, über altbekannte Wege zur Evolution zu gelangen: Sie nehmen sich die jüdischen Speisegesetze (Kaschrut) vor. Die Speisegesetze werden ausführlich in der Thora und im Talmud behandelt. Ob ein Tier gegessen werden darf (koscher) oder nicht (trefe), hängt von vielen Merkmalen des Tieres ab. So sind Rinder koscher, da sie Paarhufer und Wiederkäuer sind, Hunde und Katzen hingegen gelten somit als trefe. Die Wissenschaftler stellen sich zunächst die Frage, welche Tiere der fromme jüdische Zeitreisende in die Vergangenheit hätte essen dürfen. Schnell kommt man überein, dass Dinosauriere und Mammute verboten, Fische mit Flossen und Schuppen erlaubt sind.

Nun zeigt die Evolution, dass die essbaren Tiere Vorfahren haben, denen die Kaschrut-Merkmale fehlen. Der Vorfahre, beispielsweise ein schuppenloser Fisch, wäre zweifelsfrei und gemäß dem jüdischen Speisegesetzen trefe, der beschuppte Nachfahre koscher. Dass Gott nicht nur die jetzt vorhandenen Fische, sondern auch deren trefenen Vorfahren erschaffen hat, die die Thora warum auch immer nicht erwähnt, ändert nichts daran, dass der heutige Fisch koscher bleibt. Die von Gott gegebenen jüdischen Speisegesetze widersprechen somit eindeutig nicht der Evolution. Q.e.d.

Es besteht somit kein triftiger Grund mehr, die Evolution nicht in jüdischen Schulen zu lehren. Da jüdische Kinder schon im Alter von drei bis vier Jahren mit dem Lesen beginnen, kann die Evolution frühzeitig in den ersten Klassen gelehrt werden. Mit Widerstand aus der super-religiösen Ecke wird gerechnet.

Dieses jüdische Vorgehen soll den Schulen in Deutschland als Anreiz dienen, die Schulkinder frühzeitig an die Evolution heranzuführen. Kleine Kinder lernen gut und schnell.

Das großformatige, aufwändig illustrierte Buch ist über den Kooperationspartner denkladen.de zum Preis von 16,90 € erhältlich. Ab einer Mindestbestellzahl von 10 Exemplaren ist ein Buchhandelsrabatt möglich.

Bei Sammelbestellungen für den Unterricht werden die im Buchpreisbindungsgesetz vorgegebenen Rabatte gewähren.

50 Prozent des Verlagsgewinns kommen dem Evokids-Projekt zugute.

Als nächstes kündigt Schmidt-Salomon ein Buch über die Entstehung des Universums an. Seien wir darauf gespannt! Ein Widerspruch zur Thora kann bereits jetzt ausgeschlossen werden.

 

Erschienen unter

https://www.fischundfleisch.com/blogs/kunst-kultur/big-family.html

http://www.huffingtonpost.de/nathan-warszawski-/big-family_1_b_8638508.html

http://www.tabularasamagazin.de/artikel/artikel_6731/

https://www.amazon.de/review/RKQFNM7ES74GB/ref=pe_1604851_66412761_cm_rv_eml_rv0_rv

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16 Antworten zu Big Family

  1. Chaya schreibt:

    Satire? Oder ernst?

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  2. schum74 schreibt:

    „Alles darf, ja muss angezweifelt werden, selbst die Existenz Gottes, um der göttlichen Wahrheit, also der Wahrheit, näher zu kommen.“
    ❤ So ist es und so wird es bleiben. Und das ist nicht die Schlussfolgerung eines einzelnen, besonders kühnen Juden. Das ist Talmud pur:
    „Ha-Kol bi-(Je)dé Schamajim chuz mi-Jir’át Schamajim“

    Frei übersetzt: Es unterliegt alles der Macht des Himmels ‒ außer dem Glauben an den Himmel.

    „Bis heute hat das Judentum Probleme mit der Anerkennung der Evolution.“

    Vonwegen!🙂 Sie erinnern sich doch an die Strafe der Paradiesschlange, die bis in alle Ewigkeit im Staub wird kriechen müssen? Wird sozusagen um ihre Beine amputiert. Schrecklich! Sind wir hier in Saudi-Arabien oder was? Nee, nix Saudi-Arabien. Evolutionslehre.

    Jetzt hat man – Achtung! – in Brasilien das Fossil einer vierbeinigen Schlange entdeckt, die vor 146 bis 100 Millionen Jahren gelebt hat. Sie heißt „Tetrapodophis amplectus“, und das ist der wahre Name des Satans. Ob der Zahlenwert von „Tetrapodophis amplectus“ identisch ist mit dem Zahlenwert von: „Mohämme, lech la-Asasél! (scher dich zum Teufel)“?
    Gematria ist immer für Überraschungen gut.

    Quelle: Jérémyah Albert, « Découverte d’un serpent sur pattes confirmant l’histoire d’Adam et Eve », JSS, 01.10.2015

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    • Sophist X schreibt:

      Inspiriert von einem Auftritt des Komikers Ricky Gervais (Youtube) sind auch ganz andere Deutungen möglich.
      Auf praktisch allen historischen Darstellungen des Sündenfalls wird eine beinlose Schlange gezeigt. Ich dachte immer, dass das entweder eine Konzession an die Vorstellungswelten des einfachen Volkes oder schlichte Ignoranz der Maler/Auftraggeber sein müsste.
      Streng nach Text werden nun aber tatsächlich weder Beine erwähnt noch dass Gott Schlangenbeine weggezaubert hätte. Kein Wort. Er sagte bloß ‚kriech von nun an auf deinem Bauch‘. Sie kann also auch Flügel gehabt haben, oder sie hatte weder Bein noch Flügel und war schon immer bloß eine Schlange. In letzterem Fall war Gott ein Schelm, der die Schlange gespielt grimmig zu etwas verdonnerte, was für sie seit Beginn der Schöpfung normal war, einfach um mit dem dramatischen Auftritt sein Gesicht zu wahren. Ketzerisch könnte man auch sagen, dass Gott einem alten Bekannten vielleicht nicht mehr Ungemach als nötig bereiten wollte.

      Gefällt 3 Personen

      • Aristobulus schreibt:

        Oder der Schlang ist bis dato auf dem Rücken gekrochen, langsam und mühevoll, sodass er *ächzz*, *züngel!*, *`kräächtz* schon kurz vorm Aufgeben war, aber nun, endlich auf dem Bauche kriechen dürfend (so ein Schlag kann ganz bäuchlings schön rasant sein), hatte er es praktischer als je zuvor.
        Denn er wird ja mehr und mehr gebraucht

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  3. Dante schreibt:

    Dass Dinosaurier trefe sind, kann man m. E. nicht pauschal sagen. Anderenfalls wäre dies auch Geflügel.

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    • Aristobulus schreibt:

      Indem Dinosaurier aber kein Geflügel sind, sondern Dinosaurier, sind sie nun mal trejfe.

      Das System der Kaschrut hat ja nicht das System der Evolution integriert. Es sind noch immer zwei verschiedene Systeme, die sich auf Verschiedenes beziehen.
      Ein paar Rabbojnim haben zwar festgestellt, dass die Kaschrut nicht der Evolution widerspricht, aber das haben sie nicht gemacht, indem sie die Liste der koscheren Tiere auf deren unkoschere Vorfahren ausgeweitet hätten😉

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      • Aristobulus schreibt:

        P.S.
        Gab’s einen Dinosaurier, der Flossen und Schuppen besaß und kein schlimmer Raubfisch gewesen ist?, der wäre wohl koscher.
        Oder wenn irgendwo auf einem Planeten ein warmblütiges Tier lebt, das gespaltene Hufe hat und ein Säuger und Wiederkäuer ist. Dann ist das koscher. (Sofern es gut schmeckt)

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      • aurorula a. schreibt:

        Vielleicht war hier einer dabei?
        https://en.wikipedia.org/wiki/Plesiosauria
        Flossen zumindest sind am Skelett zu sehen (Schuppen wie immer leider nicht) – und nachdem das eine ganze Gattung ist (mehr als 100 bekannte Arten) gibt es vielleicht auch Arten die keine Raubtiere sind?

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      • Aristobulus schreibt:

        Hmmm, gelten Flossen (noch oder wieder) als Flossen, die innen drin Hand- und Fußknochen haben? Scheinflossen?
        Und selbst, wenn sie (wieder) Schuppen hatten und Kaltblüter waren Wasser atmeten, also als Fische durchgingen, können diiiese lieben Tiere einst koscher gewesen sein-?

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      • Clas Lehmann schreibt:

        Wasser haben die eh niemals geatmet, immer Luft, vielleicht manchmal stinkenden Brodem, Höchstens mal versehentlich Wasser, beim hastigen trinken, und keiner Mutter, die sie warnte, und dann werden sie gehustet haben…

        Es gab aber ja micht nur diese raubenden Ungetüme, es gab auch phlegmatische Pflanzenfresser… Die aber schwammen, soviel ich weiß, nicht im Wasser.

        Wie ist denn eine Seekuh speiserechtlich einzuordnen? Keine Schuppen und atmet Luft, aber Flossen und frisst unterseeisches Gemüse…?

        Nicht, weil die Frage mir selber wichtig wäre, aber die eben am ehesten einem angenommenen pflanzenfressenden Schwimmsaurier mit hypothetischen Flossen entspräche und die Analogie vielleicht weiterhülfe…?

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      • Clas Lehmann schreibt:

        Und nein: Plesionsauier waren eine Ordnung, und in dem Artiel steht doch drin dass sie entweder langen Halses kleine oder kurzen Halses große Beutetiere gefressen haben…. Wenn sie Pflanzen gefressen hätten, hätten sie andere Zähne und einen anderen Intestinaltrakt; und schon wegen der Zähne und Knochen, die man heute ja noch findet, würde man so einen sicher irgerndwo anders einordnen. Von dem anderen Instinialtrakt wären womöglich Magensteine erkennbar überliefert…

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      • Clas Lehmann schreibt:

        k, Artikel, nicht Artiel.

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