Wer Assad stützt, hilft dem Islamischen Staat

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/wer-assad-stuetzt-hilft-dem-islamischen-staat

schreibt Matthias Küntzel u.a. für das Deutschlandradio Kultur. Wieso? Weil die Zusammenarbeit mit dem Diktator und Massenmörder in moralischer Hinsicht widerwärtig und strategisch eine Katastrophe ist.

„Moralisch widerwärtig“ ist gut nachvollziehbar. Aber warum würde ein Bündnis mit Assad zu einer strategischen Katastrophe führen?

Schon jetzt wird Assads Krieg von den iranischen Revolutionsgarden kommandiert, die Schiiten aus zahllosen Ländern Asiens nach Syrien locken und ihren Befehlen unterstellen. Wer unter diesem Vorzeichen mit Assad eine Allianz gegen den IS eingeht, treibt die sunnitischen Araber, die sich auch im Irak von fanatisierten iranischen Schiiten bedrängt sehen, in die Arme des IS. Dieser ginge gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor, der Terror, den der Westen einzudämmen sucht, nähme zu.

Den Teufel gemeinsam mit dem Beelzebub auszutreiben, ist keine Option. Zu den wichtigsten Waffen, um den jihadistischen Islamismus zu besiegen, zählen moralische Klarheit, Besonnenheit und Zeit.

Welcher moralisch oder ethisch sich verhaltender Mensch in Deutschland und anderswo möchte dem widersprechen? Da der Deutsche Bundestag sich um Matthias Küntzels Argumentation nicht schert– auch wenn Regierung und Parlament behaupten, nicht mit Assad zusammen Krieg zu führen – ist die Entgegnung Küntzels Thesen erlaubt, ohne als Antidemokrat zu gelten.

Matthias Küntzel hätte in einer ethischen Welt Recht. In dieser Welt gäbe es keinen IS.

Warum beteiligt sich Deutschland überstürzend schnell am Krieg gegen den IS?

Den IS gibt es schon seit geraumer Zeit, ohne dass der Bundestag bisher einen Anlass zum Eingreifen gesehen hätte. Der Grund bei einem Krieg gegen den IS mitzumachen, hat wenig mit dem IS, mehr mit dem Erbfreund Frankreich zu tun. Gewöhnliche Freunde lässt Deutschland gerne im Regen stehen (USA, Israel, Griechenland, Türkei), mit Frankreich hat Deutschland jedoch eine lange Grenze und gemeinsame Geschichte. Wenn Deutschland in dieser französischen Krise seinem Erbfreund Frankreich nicht beisteht, wird das Ende der EU eingeläutet werden und das BSP Deutschlands wird sinken. Nicht nur in einer Demokratie sorgen wirtschaftliche Interessen, dass Staat und Gesellschaft sich wirtschaftlich rational verhalten.

Der militärische Beitrag Deutschlands ist marginal. Der Ausgang des Krieges gegen den IS ist unabhängig davon, ob Deutschland sich am Krieg beteiligt oder nicht. Deutschland ist bereit, Aufklärung zu liefern. Normalerweise eine wichtige Sache. Doch das Gebiet der beiden failed states Syrien und Irak gehört zu den bestkartographierten Gegenden der Welt. Des Weiteren muss gezweifelt werden, ob die deutschen Militärflugzeuge einsatzbereit sind. Einzig die Hard- und Software zur Abtastung der Land-Oberfläche werden mit Sicherheit funktionieren, denn sie stammen aus Israel und aus Israel befreiten Gebieten.

Keine Angst! Deutschland kauft und setzt sie trotzdem ein.

Es ist höchstwahrscheinlich, dass die schiitischen Bundesgenossen die vom Joch der sunnitischen IS zu befreiende sunnitische Bevölkerung in die Arme des IS treiben wird. Doch das hat vom Grundsatz her nichts mit dem Krieg gegen den IS zu tun! Es ist jedoch ein glücklicher Umstand, dass die todbringenden Extremisten unter den Sunniten und Schiiten sich stärker untereinander hassen als ihre ungläubigen Gegner, seien es Nazarener, Jesiden, Bahais oder Juden. Ohne diesen glücklichen Umstand wären Nazarener, Jesiden, Bahais und Juden im Nahen Osten schon längst ausgerottet. Es ist somit auch kein Zufall, dass in den sunnitischen Nachbarstaaten der IS (Türkei, Saudi-Arabien, Katar) trotz anderslautenden politischen Sprüchen, denen der Westen so gerne lauscht, eine starke Sympathie und Unterstützung für den Islamischen Staat bei Staat und Gesellschaft vorhanden ist, da der sunnitische IS als Bollwerk gegen den schiitischen Iran verstanden wird. Russland wird von sunnitischen Moslems geplagt. Russland ist folglich mit dem schiitischen Iran verbündet!

Bleibt also nur die moralische Widerwärtigkeit, mit einem Massenmörder wie Assad zusammenzuarbeiten.

An dieser Stelle kommt das, was der Leser erwartet:
Ohne den Massenmörder Stalin wäre Nazideutschland nicht besiegt worden!
Lieber ein unmoralischer Sieg als eine moralische Niederlage!

PS:
Der Kampf gegen den IS ist trotzdem sinnlos. Der Islamische Staat wird siegen.
Der Grund: Wir verraten unsere Werte, der IS achtet seine Unwerte.

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10 Antworten zu Wer Assad stützt, hilft dem Islamischen Staat

  1. Dante schreibt:

    Der Kampf gegen den IS ist trotzdem sinnlos. Der Islamische Staat wird siegen.

    Da sei Gott vor!

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  2. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    „Ohne den Massenmörder Stalin wäre Nazideutschland nicht besiegt worden!“

    Schon richtig. Trotzdem ist diese Aussage unvollständig.
    Ohne das großartige russische Volk wäre Nazideutschland nicht besiegt worden!

    Gefällt 1 Person

    • Bachatero schreibt:

      Und was ist mit den Franzosen und Belgiern? In Aachen hatten wir in meiner Studizeit belgische Besatzer, die auch schon mal mit Kriegsgerät durch die Gegend fuhren. Hätte ich denen etwas mehr Dankbarkeit zeigen sollen anstatt „Ho, Ho, Ho Chi Minh und „AVZ ins Klosett“ zu rufen?

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      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @Bachatero

        Sicherlich hatten auch Franzosen und Belgier ihren Anteil, was meinem Kommentar ja nicht entgegen steht. Übrigens habe auch ich in jungen Jahren Ho, Ho, Ho Chi Minh hochleben lassen. Die rote Hirnfäule blieb mir leider nicht erspart.

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      • Bachatero schreibt:

        Von Dir hätte ich das nicht gedacht, Gutartiges 😉 . Diese Hirnfäule, eine Art ideologische Toxoplasmose, befiel mich ohne das ich richtig wußte wie, was und warum. Zum Glück habenmer das Biest besiegt, hoffentlich ohne Rückstände.

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      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @Bachatero: „Zum Glück habenmer das Biest besiegt, hoffentlich ohne Rückstände.“

        Zumindest das innere Biest haben wir besiegt, Bachatero. Das äußere Biest beseitigt sich gerade selbst.
        Lass´ es Dir gutgehen!

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    • anti3anti schreibt:

      Richtig! Doch Stalin musste einverstanden sein.

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  3. caruso schreibt:

    In der Jugend macht man oft viele Dummheiten. Das finde ich auch okay, (so lange man nicht kriminell wird), denn man muß die Welt, ihre und die eigenen Grenzen irgendwie erkennen oder kennen lernen. Wichtig ist, daß diese Periode nicht allzu lange anhält und man sie hinter sich läßt.
    Falls ich mich nicht irre, war es G.B.Shaw der sagte: „Wer bis 20 kein Kommunist ist, der hat kein
    Herz. Wer mit 40 noch immer Kommunist ist, der hat keinen Verstand.“ Er hat natürlixh den real existierenden Kommunismus nicht gekannt, sonst hätte er sicher einen anderen Vergleich gesucht. Und es muß auch nicht so lange dauern bis man zu Vernunft kommt.
    Der Vergleich ist doch insofern brauchbar, daß er zeigt: Was in einem Alter in Ordnung ist, geht in einem anderen Alter nicht mehr.
    lg
    caruso

    Gefällt 1 Person

    • Dante schreibt:

      Er hat natürlixh den real existierenden Kommunismus nicht gekannt,…

      Jedenfalls nicht von innen. Allerdings schütze auch das nicht davor, gläubiger (das ist das richtige Wort dafür) Kommunist zu sein, jedenfalls nicht, es zumindest zeitweise zu sein, wie es Wolfgang Leonhardt in seinem autobiographischen Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ schildert.

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