Deutschland ohne Antisemiten

Als die Sowjetunion unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht, bejubeln einige voreilige Historiker das Ende der Geschichte. Doch nun ist es endlich soweit: Juden in Deutschland und in Europa fordern das Ende des Antisemitismus in Deutschland und in Europa. Das Ende der Geschichte wird jedoch nur unter der Bedingung kommen, wenn die Forderung der Juden in Deutschland und in Europa erfüllt wird. Dann wird der Messias auf dem Römerplatz in Frankfurt mit dem gebrauchten Kleinwagen des Papstes einfahren und das Ende aller Zeiten verkünden.

Lieber Leser, Sie brauchen keine Angst zu haben! Weder müssen Juden unvermittelt nach Jerusalem ausreisen, noch werden die Aktienkurse ins Bodenlose fallen, wenn der Messias kommt. Denn eher wird der Konflikt um die Ukraine im Sinne Putins friedlich beigelegt sein, als dass der Antisemitismus in Deutschland und in Europa seinen letzten Atem aushaucht. Wobei dieser Satz nach der semantischen Logik immer wahr ist, da bereits der vordere Teil zutrifft.

Gegen Antisemitismus wurde letzten Sonntag nicht nur in Frankfurt demonstriert, wo nach verschiedenen Aussagen wahrscheinlich 1.500 Juden und Judenfreunde, darunter zahlreiche Kurden, darunter Jesiden, teilnahmen. Nach Lautstärke und Auftreten bildeten die Kurden die Mehrheit der Demonstranten. Weitere Menschen demonstrierten am selben Sonntag gegen Judenhass in Stockholm, zusätzlich 1000 Menschen in London. Die Gesamtzahl wird den Messias nicht überzeugen.

jesidenDie Organisation ist perfekt. Viele Teilnehmer werden in von einer ungenannten Spenderin gesponserten Bussen nach Frankfurt gebracht. Diese Methode hat schon Erdoğan erfolgreich von seinem Vorgänger Atatürk übernommen, um Wahlen zu gewinnen, wobei die angekarrten männlichen Türken ein Trinkgeld, Kinder und Frauen ein billigeres Fress-Paket erhalten. Doch hier in Frankfurt geht es nicht um kurzfristige politische Erfolge. In Frankfurt treffen sich Juden und ihre Freunde, um das Ende des Antisemitismus in Deutschland und in Europa auszurufen, respektive einzufordern, damit der Messias …

Bevor ich auf die Sinnlosigkeit der Forderung eines Antisemitismus freien Deutschlands eingehe, erwähne ich die klugen Worte des Grünen Israelfreundes Volker Beck. Volker Beck mahnt Programme für den Schulunterricht, in denen Kindern von Migranten der Holocaust erklärt wird. Er fordert, dass jeder in diesem Land Respekt vor unterschiedlichen Religionen haben müsse.

Aus den Grünen Worten lässt sich unmittelbar schließen, dass bestimmten Migrantenkindern in der Schule der Holocaust nicht oder nur ungenügend erklärt wird. Ob eine ausreichende Erklärung des Holocausts zum Verschwinden des Antisemitismus aus Deutschland und aus Europa führen wird, mag dahingestellt sein. Das Problem beginnt damit, dass für große Teile bestimmter Migranten und ihrer Kindern die Worte „Holocaust“, „Völkermord“ und „Genozid“ tabuisiert werden, da diese Worte allzu sehr an den Armenischen Völkermord erinnern, der nach bestimmter Lesart auch in Deutschland niemals stattgefunden hat. Bereits unter den Indigenen Deutschlands ist der Respekt der Religionen kaum zu realisieren. Bestenfalls erreicht man Desinteresse. Der Werteverfall der Gesellschaft dem Christentum gegenüber, immerhin die vorherrschende Religion Deutschlands der letzten tausend Jahre, lässt sich ausgezeichnet an der fehlenden Reaktion erkennen, wenn Christen im Irak verfolgt, gefoltert und bestialisch ermordet werden, weil sie ihren Glauben nicht verleugnen. Wie sollen zum Pazifismus verdammte deutsche LehrerInnen Kindern mit bestimmtem Migrationshintergrund erfolgreich erklären, dass Christen genauso viel wert sind wie Muslime? Das Verhalten der indigenen Genozid verstehenden, meist christlichen Deutschen, spricht deutlich eine andere Sprache.

Kehren wir zurück zur sinnlosen Forderung eines Deutschlands und eines Europas ohne Antisemitismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der UdSSR leben Juden freiwillig in Deutschland und Europa. Wenn sie sich verfolgt fühlen oder verfolgt werden, haben sie die freie Wahl, nach Israel oder in die USA zu ziehen. Nur die deutschen Juden, die „Jeckes“, dürften Schwierigkeiten damit haben. Es ist eine europäisch-humanistische, keine jüdische Vorstellung, dass Juden das Recht haben, frei, gleich und furchtlos in Deutschland und Europa zu leben und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese europäisch-humanistische Vorstellung ist in Deutschland und Europa nie verwirklicht worden. Den nicht spürbaren, jedoch keineswegs fehlenden Antisemitismus in Deutschland und in Europa, haben die hier lebenden Juden ihren sechs Millionen toten Glaubensgenossen zu verdanken. Sieben Jahrzehnte nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg, in dessen Rahmen der Holocaust stattgefunden hat, ist die Zuneigung der Deutschen und der Europäern zu Juden aufgebraucht.

Der Antisemitismus in Deutschland und Europa hat sein Profil geändert. Im Zeitalter der Internet-Kommunikation haben rechtsextreme antisemitische Analphabeten ihre Notwendigkeit eingebüßt. Die Alt- und Neonazis werden von bürgerlichen Meinungsbildern ersetzt, die vorgeben, die Interessen Unterprivilegierter zu vertreten, von denen viele endemisch Antisemitismus aussondern. Jeder Krieg zwischen dem Judenstaat Israel und seinen muslimischen und arabischen Nachbarn zieht wüste Orgien des Antisemitismus auf Deutschlands und Europas Straßen, Plätze und Medien nach sich. Die Kriege sind nicht Anlass zum Antisemitismus, sondern Vorwand. Zwischenzeitlich haben sich die migrantischen Judenhasser von den bürgerlichen Deutschen abgesetzt und holen sich die notwendige Informationen aus eigenen Fernsehsendern, die jeder Ungeübte an der Ausrichtung der großen Satellitenschüsseln an Plattenbauten nach Süd-Osten erkennt.

Kurden und Jesiden machen sich große Hoffnungen, von den Deutschen geliebt und unterstützt zu werden, wenn sie für Juden und Israel sind. Es ist zu hoffen, dass sie diesen Irrtum nicht allzu teuer bezahlen werden.

Deutschland ohne Juden

Schofar-ffm

 

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https://www.freitag.de/autoren/anti3anti/deutschland-ohne-antisemiten

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Gehört π zur Mathematik?

Vorlesungsskizzen:

Gehört π zur Mathematik?

Die Zahl π ist keine natürliche Zahl. Sie gehört zwar zu den reellen Zahlen, ist jedoch nicht rational, ja sogar transzendent und kann nur geometrisch bestimmt werden. Die meisten Mathematiker setzen die Zahl π dennoch gedankenlos ein, als ob π ganz selbstverständlich zur Mathematik gehören würde.

Bereits vor über 2.000 Jahren hat Archimedes versucht, die Zahl π mathematisch einzugrenzen. Ihm ist es wohl zu verdanken, dass dieser satanischen Zahl der Zutritt zur Mathematik gewährt worden ist.

Die Mathematik ist die Basis aller Natur- und Gesellschaftswissenschaften, der Philosophie und der Theologie. Die Mathematik selbst basiert auf Axiome, die in der Theologie den Dogmen entspricht. Jede natürliche Zahl hat genau einen Nachfolger in der Mathematik, entspricht Es gibt nur einen Gott im Judentum, der Dreieinigkeit im Christentum und Mohammed ist der letzte Prophet, der mit Gott gesprochen hat im Islam. Wird in der Religion ein Dogma verändert, so entsteht eine neue Religion. Wird in der Mathematik ein Dogma modifiziert, so geschieht es zum besseren und einfacheren Verstehen, ohne die Mathematik selbst zu ändern. Mathematik und Religion verfügen über starke Ähnlichkeiten, was auf Grund ihrer nahen Verwandtschaft nicht wundert.

Der Ausschluss der Zahl π ist den meisten Benutzer der Mathematik noch fremd, wird sich jedoch in wenigen Jahren durchgesetzt haben. Die Folge wird die vollkommene Trennung der reinen Geometrie von der Mathematik sein. Um die Fläche eines Kreises oder einer Kugel zu berechnen, wird auf Bleistift und Bindfaden zurückgegriffen werden. Doch diese kleinen Opfer sind gerechtfertigt, um das hehre Gebäude der Mathematik zu erhalten.

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Gehört der Islamismus zum Islam?

Der Islam ist eine Religion. Muslim ist ein Angehöriger des Islam. Zusätzlich ist derjenige ein Muslim, der einen muslimischen Vater hat. Die Apostasie, der Austritt aus dem Islam, wird vom Islam nicht anerkannt, sondern strafrechtlich (Todesstrafe) verfolgt. Somit ist jeder lebende Muslim und Sohn eines Muslims ein Muslim. Da der Islamische Staat IS nur Muslime in seinen Reihen aufnimmt, ist der Islamist ein Muslim.

Zu den religionsbedingten Psychopathien gehören rituelle Handlungen, wie Kreuzigung und Kopf Abschlagen.

In Deutschland hat sich in der letzten Zeit die gesellschaftliche Ansicht durchgesetzt, dass der Islamismus kein Teil des Islams ist.

Der Text hört hier abrupt auf.

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Das Drama der Christen im ehemaligen Irak

Vor wenigen Tagen traf sich SPD-Chef Sigmar Gabriel mit hochrangigen Vertretern der Jesidischen Gemeinde in Deutschland. Diese versicherten ihm glaubhaft, das die vor den Häschern der IS flüchtenden Angehörigen ihrer Konfession aufs äußerste gefährdet sind und unsägliche Qualen zu erleiden haben. Es ist, leider, immer dasselbe Elend: Hunger, Hitze – Krankheiten. So lichten sich die Reihen. Der Tod greift unbekümmert zu.

Es war gut, dass Gabriel mit diesen Menschen sprach. Es ist und bleibt beschämend, das weder er noch die Angehörigen der sogenannten christlich-konservativen Parteien es für nötig hielten, die gleichsam unerbittlichen Verfolgungen ausgesetzten Anhänger ihres eigenen Glaubens auch nur zu erwähnen. Der Papst freute sich just über den Pokalsieg von San Lorenzo und weilt derzeit in Südkorea. Je mehr sich das Drama seiner ´Schutzbefohlenen´ in Mesopotamien zuspitzt, umso weniger fällt diesem Sachverwalter des Sakralen dazu noch ein. Es bleibt ohnehin merkwürdig, dass dieser Aspekt auch weiterhin von den Medien entweder wohlfeil unterschlagen oder nur peinlich am Rande erwähnt wird. Merkwürdig oder nicht: im mehrheitlich von Christen bevölkerten Europa demonstriert keiner der hier ansässigen Christen für die im Irak bedrohten Christen.

Im mehrheitlich von Kurden kontrollierten nördlichen Irak hat man vielen der schon vor Jahren aus ihrer Heimat vertriebenen Christen immerhin so etwas wie eine zweite Heimat gewährt. Dort schälte sich, dank massiver militärischer Schützenhilfe der USA, eine quasi-staatliche Autonomie für die Kurden heraus, die von der benachbarten Türkei auch weiterhin mit verhaltenem Groll zur Kenntnis genommen wird. Es gibt in dieser Region mittlerweile Städte, in denen sich die Zahl der Christen innerhalb von drei Jahren nahezu verdoppelte. Offenbar kommen Kurden und Christen gut miteinander aus: von Ausschreitungen und Pogromen war nie die Rede. Ferner weiß man, dass die Peschmerga-Milizen für den Schutz eintreffender christlicher Flüchtlinge verantwortlich zeichnen. Und diese fühlen sich in deren Obhut sicher.

Aber was im Norden des Irak im Schatten eines irrwitzigen Glaubensfeldzuges gelingt, das funktionierte auch schon im Schatten einer bleiernen Diktatur, die südlich dieser verlässlich geschirmten Sicherheitszone, nämlich vom heute heiß umkämpften Bagdad aus, alle Fäden zog. Unter dem Regime Saddam Husseins stand einer Pflege eigener Riten und Gebräuche nichts im Weg. Ganz im Gegenteil hat der Staat seinerzeit mittels großzügiger finanzieller Unterstützung den Ausbau und die Sanierung sakraler Stätten alimentiert und auch den einen oder anderen Neubau bezuschusst. Dazu Konferenzen und Versammlungen mit Glaubensbrüdern und Schwestern aus aller Welt ermöglicht. Und schon seit den frühen Siebziger Jahren wurde die assyrische Sprache gefördert. Erinnert: Das NATO-Mitglied Türkei tat sich unendlich schwer, dem Kurdischen auch nur den Rang einer eigenen Sprache anzuerkennen. Der regierenden Baath-Partei gehörten übrigens auch christliche Minister an, dessen prominentestes Mitglied der Chaldäer Tariq Aziz war; der zweite Mann im Land.

Wer hört das schon gerne. Jedenfalls stellten die Christen im Kernland des früheren Mesopotamien seit dem ersten Jahrhundert eigener Zeitrechnung einen zunehmende Anteil der Gesamtbevölkerung, der dann im 7. Jahrhundert, da die islamischen Eroberer in dieses Gebiet vordrangen, rasch unter die Hälfte fiel. Der Schwund setzte sich im Zuge der osmanischen Besatzung fort. Danach stieg er zeitweilig wieder an. In den 1980er-Jahren machten die Christen verschiedener Glaubensrichtungen noch etwa 15 % aus, bevor der Anteil auf zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung (ca. 29–31 Millionen) herunter fiel. Der Rest ist bekannt. Jetzt flüchtet der Rest vom Rest. Außer Landes. Obama lässt (ein bisschen) bomben, Deutschland denkt über weitere Hilfslieferungen nach und keiner nennt das Kind beim Namen: bald wird es keine Christen mehr in diesem Land geben. Ob nicht wenigstens der Umstand, dass die überlebenden Christen im freien Kurdistan selbst volle Freizügigkeit genießen, für ein wenig Hoffnung Anlass bietet? Im Sinne eines echten, auf gegenseitiges Vertrauen und Respekt fußenden Miteinanders? Das wird die Zukunft zeigen.

Noch ein ganz persönliches Wort zum Schluss. Mitunter wundert es mich selbst, dass ausgerechnet ich immer wieder auf den Niedergang des angestammten Glaubens zu sprechen komme. Schließlich trat ich schon vor Jahren aus der Kirche aus und für besonders fromm halte ich mich schon gar nicht. Mich haben die evangelischen Gottesdienste bereits in meiner Kindheit entsetzlich gelangweilt. Das Gros der sakralen Elite, gleich wo auf der Welt vertreten, war und ist mir gleichsam aufrichtig zuwider. Das hinderte mich dennoch nicht, gegen den Widerstand einer mit viel Multikulti bewaffneten Meinungsführerschaft, einen christlichen Gottesdienst an unserer – mehrheitlich von Muslimen besuchten – Schule durchzusetzen, den ich eben nicht als Ausgrenzung verstand: Wer den Glauben der andern ernst nimmt, sollte den eigenen nicht ängstlich verstecken. Wahrscheinlich gilt für uns vermeintlich ´Ungläubige´ eben das Gegenteil von dem, was ein selbstherrlicher Rechtgläubiger für gewiss hält: wir haben einen viel tieferen, stärkeren Glauben nötig, angesichts der ständigen Zweifel, die wir hegen, weil wir eben fast alles dauernd in Frage stellen. Aber nur so kommt man zu neuen Antworten. Und neuen Fragen, allerdings. Stellt sich abschließend noch die Frage, um wie viel stärker der Glaube der vom Irrglauben Verfolgten im zerfallenden Irak sein muss, um mit den Miseren fertig zu werden, die diesen Menschen noch bevorstehen.

Shanto Trdic, 15.08.14

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Aachener Pazifisten scharf rechts

Bisher war bei den Aachener Pazifisten Genozid-Zuschauen ist ein beliebtes Freizeitvergnügen, was mit der Linksausrichtung begründet wurde. Das Verhalten der Aachener Pazifisten ist ein Lehrstück für denjenigen, der die Abgründe der menschlichen Seele erkunden will. Gegen Realisten, die einer anderen Meinung nachhingen, wurde polemisiert, denn das Grundgesetz Deutschlands erlaubt die verbale Hetze, die durch die Meinungsfreiheit garantiert wird. Pazifismus degenerierte in Aachen zum 4-letter-word, welches mit Feigheit und Hass assoziiert wurde.

Solange muslimische Araber von Terroristen unterdrückt und ermordet wurden und man diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit den Juden Israels in die Schuhe schieben konnte, war der Frieden in der Pazifisten-Szene, in der AZ, im Rat und in der Stadt Aachen gesichert. Ohne eine einzige Gegenstimme wurden Resolutionen verabschiedet, die von einer friedfertigen Welt ohne bösarteigen Zionisten ausgingen, die niemals so existierte.

Der Arbeitskreis Antimilitarisierung im Aachener Friedenspreis hat an die Redaktion der Zeitschrift Bravo einen Brief gerichtet. In ihrem Schreiben kritisieren die AutorInnen scharf die verharmlosende Werbung für die Bundeswehr.

Doch es sollte anders kommen. Selbst der Aachener Friedenspreis AFP musste die Realität und die Notwendigkeit einer demokratischen Armee anerkennen. Denn dieses Mal wurde ein Projekt des AFP im Norden des Iraks bedroht:

IS Terrormilizen wüten im Irak mit unbeschreiblicher Gewalt: Menschen werden enthauptet oder bei lebendigen Leib begraben, bislang 1.000 Frauen und Mädchen entführt, zwangsverheiratet, als Sklavinnen verkauft oder als Prämien unter den Terroristen verteilt. 150.000 Christ*innen, Jesid*innen und Angehörige anderer Minderheiten fliehen in Panik ins kurdische Autonomiegebiet, viele zu Fuß. Tausende Jesid*innen sind immer noch auf dem Berg Shingal von Terroristen eingekesselt und drohen zu verdursten und verhungern.

Im lokalen Fernsehen (Lokalzeit Aachen vom 14.08.2014) erwähnte ein Aachner Pazifistenführer, dass unter bestimmten Umständen, wie jetzt im Nordirak, der Einsatz von Waffen gerechtfertigt sei! Bald wird der zur Vernunft gekommene Mann noch großen Ärger von seinen Mitpazifisten und linken Parteigenossen erhalten. Ich bewundere ihn wegen seines Mutes, auch wenn er vom Putin- zum Obama-Versteher mutiert ist.

Gleichzeitig machten sich die AFP-Pazifisten mit den rechten bis rechtsextremen bürgerlichen, konservativen, und nationalen überall im neuen Deutschland aufsprießenden Montagsmahnwachen gemein. Hier fühlten sich die mit Steuermitteln unterstützten Aachener Pazifisten pudelwohl, da weiterhin gegen Juden gehetzt wurde.

Und so ist es nicht verwunderlich, wenn der AFP einen Diktator freundlichen Brief veröffentlicht, der den Krieg in der Ukraine gut heißt:

Die inner- und völkerrechtlichen Fragen zur Sezession (gemeint ist die gewaltsame Annexion) der Krim werden unterschiedlich beantwortet. Wir sind keine Fachjuristen und können die Vorgänge nur politisch bewerten und einordnen. Vor dem Hintergrund der Entwicklung in Europa seit 1990, der Dislozierung der rund 1000 US- Militärbasen weltweit, der Kontrolle der Meerengen durch die USA und der von den Gewalttätern des Majdan ausgehenden Gefahr für die russische Schwarzmeerflotte sehen wir die Sezession (Annexion) der Krim als eine defensive Maßnahme mit einer gleichzeitigen Botschaft: bis hierher und nicht weiter! Der entscheidende Unterschied zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo ist, dass hierfür mit dem völkerrechtswidrigen Luftkrieg der NATO – leider mit Beteiligung Deutschlands – erst die Voraussetzung geschaffen wurde.

Historisch gesehen ist die Krim ein Teil Russlands, genauso wie die gesamte Ukraine ein Teil Russlands ist. Historische ist Jordanien ein Teil Palästinas und Syrien und der Irak ein gemeinsames Staatswesen. Der AFP unterstützt die Annexion der Krim durch den charmanten Diktator Putin. Der Grund bleibt unklar. Vielleicht weil die Freiheitskämpfer des Majdan in den Ruhepausen „Schiffe versenken“ gespielt haben? Vielleicht weil Obama schwarz ist? Dafür wird die völkerrechtliche Unabhängigkeit des Kosovo in Frage gestellt, weil die Unabhängigkeit durch einen NATO-Krieg errungen wurde und weil die Bewohner des Kosovo bei Deutschen ein unangenehmes rassistisches Gefühl hervorrufen.

Im Geheimen: Mir wäre es lieber, wenn Kosovo eine Provinz Jugoslawiens geblieben wäre. Auch ziehe ich ein geeintes Jugoslawien den heute im Balkan herrschen Verhältnissen vor. Ich bin jedoch genügend Realist und Demokrat, um die jetzigen politischen Zustände anzuerkennen. Aus demselben Grund akzeptiere ich die Wahl Erdogans zum türkischen Führer.

Psychologisch zeugt der Putin freundliche Brief von einem unverarbeiteten Faschismus!

Und so stellen sich zum Schluss die Fragen:

Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen linkem und rechtem Pazifismus, zwischen linkem und rechtem Faschismus. Die Historie des AFP verneint die Fragen.

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Heucheln, was das Zeug hält…

Es gehört seit weiland Franz Josefs Zeiten zur unausgesprochenen Doktrin der CSU, bei passender Gelegenheit den rechten Rand der bayerischen Volksgemeinschaft abzuschöpfen. Andreas Scheuer, Generalsekretär dieser Partei, ließ sich nun entsprechend vernehmen. Warum gerade jetzt? Vielleicht, weil im Freistaat soeben die Sommerferien angebrochen sind. Die Menschen urlauben und lassen sich´s gut gehen, da kann die eine oder andere Breitseite nur gut tun und das verscheucht dann den letzten Rest von Überdruss und Langeweile. Vorgeblich Klartext reden kommt beim Otto-Normal-Bayern immer gut an.

Worum geht´s? Um die erste Direktwahl des künftigen Präsidenten der Türkei. Gewonnen hatte sie, das wusste man vorher schon, der derzeitige Ministerpräsident des Landes. Und man – das türkische Volk – wusste ebenfalls vor diesem demokratischen Urnengang, was Scheuer dem heimischen Publikum nun um die Ohren haut, als habe er gerade einen Staatsstreich aufgedeckt: der künftige Präsident werde demokratische Werte mit Füßen treten, seine Macht weiter ausbauen, die Pressefreiheit einschränken und so weiter. Schon irre, was der Herr Scheuer so alles mitkriegt. Nun ist der Herr Erdogan aber nicht erst seit vorgestern der große, starke Mann in der Türkei. Seit Jahren wirft man ihm völlig zu Recht vor, was der General der CSU jetzt, anlässlich der Wahl, Publikumsgerecht zusammen fasst, um dann noch in einem Atemzuge zu fordern, „den EU-Beitritt der Türkei endgültig zu den Akten zu legen“. Endgültig – das heißt doch wohl: für immer. Oder? Soll das dann etwa heißen, das Erdogan und die AKP gleichsam auf immer und ewig diesen Staat unter ihrer Fuchtel haben werden? So nach dem Motto: jetzt haben die dummen Türken den schon wieder gewählt, das hört wohl nie auf, jetzt reicht´s aber endgültig, nun haben wir´s satt: jetzt bleiben die aber draußen. Endgültig eben. Was genau meint der CSU-Bonze?

Der Volksvertreter als Maulheld. Man hätte seinerzeit auch Italien, Deutschland oder Spanien endgültig und für immer aus dem Völkerbund verbannen können. So ließ sich am Vorabend des zweiten Weltkrieges aber keiner der Verantwortlichen vernehmen. Anbei: Demokratie und Meinungsfreiheit werden auch im Euroland Ungarn immer öfter mit Füssen getreten. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die Magyaren sich endgültig damit diskreditiert haben werden?

In Wahrheit soll das dauernde Getöse, geht´s um die Türkei, nur die grenzenlose Feigheit der in dieser Sache stets großmäulig lamentierenden Polit-Elite übertönen. Sie bringt es ohnehin selten fertig, ihrem Wahlvolk reinen Wein einzuschenken. So auch und gerade in diesem Fall. Immer, wenn der drohende Beitritt des Landes zur Disposition gestellt wird, sind es dieselben Alibi-Floskeln, die man uns zumutet, um nur ja von der wahren Gefahr, von der eigentlichen Bedrohung abzulenken, die eine Vollmitgliedschaft tatsächlich nach sich zöge. Hierzulande traut sich doch keiner, offen auszusprechen, was in der Türkei ein offenes Geheimnis ist. Klartext: die Vollmitgliedschaft verbrieft das freie Niederlassungsrecht sämtlicher Beitrittsbürger in der gesamten Eurozone. Soll heißen: Türken, die aus ihrer Heimat weg wollen, werden nicht nach Schweden oder Norwegen, Spanien oder Rumänien auswandern, sie gehen dann selbstverständlich dorthin, wo schon entsprechende gesellschaftliche Strukturen und Seilschaften bestehen: in die Zentren und Metropolen unserer Republik. Und das werden, da mache man sich nichts vor, mehr sein als nur ein paar Millionen. Wenn die Mehrzahl der Türken AKP wählt heißt das noch lange nicht, das die Islamisch-Konservativen das Gros ihrer Bürger verlässlich und auf Dauer an die eigene Heimat binden werden, denn so großartig und beruhigend, wie es im Ausland immer dargestellt wird, verlief das Wirtschaftswunder, dessen sich Erdogan und seine Helfershelfer rühmen, nicht. Es ist im Ergebnis auch nur die übliche Variante eines Klopper-Kapitalismus, der den Türken zwar insgesamt mehr Wohlstand und Komfort bietet, ansonsten aber einmal mehr die sattsam bekannte Turbo-Variante darstellt, die etwa im Tourismus entsprechend traurige Zustände zeitigt. Der begehrte Schnäppchenurlaub läuft, wie anders, über Billiglohn bei Vollzeitmühle. Ein gewöhnlicher Pauschalreisender kriegt kaum mit, das die Leute im Akkord schucken und der alteingesessene Anbieter vor Ort so richtig abschmiert. In anderen Branchen sind die Zustände natürlich ungleich schlimmer. Es wird also auch weiterhin für viele Türken mehr als nur einen guten Grund geben, ihr Land zu verlassen. Die materiellen Beweggründe bilden, verständlicherweise, den bedeutendsten Motivationsschub. Wer das feststellt ist kein Rechtspopulist. Und wer danach handelt, der handelt doch im Grunde so, wie das jeder täte, dem alles daran liegt, die Situation für sich und seine Familie zu bessern. Scheuer und Co. reden von mangelnder Meinungsfreiheit und defizitärer Demokratie, die den Beitritt ausschlössen; dabei ist es am Ende die Demografie, die ihn zwingend und für alle Zeit verbietet.

Unter Gutmenschen weit verbreitet war und ist der Satz: Wir holten Arbeitskräfte, und es kamen Menschen. Genau das. Es sind Menschen, die kommen werden, und sie bringen auch weiterhin ihre eigenen Sitten und Gebräuche mit, einem Selbstverständnis gehorchend, das sich bei der Mehrzahl dieser Menschen eben nicht mit dem der insgesamt fortschrittlich und egalitär gesinnten Gezi-Park-Aktivisten decken dürfte. Jene Mehrheit aber, die heute dem amtierenden Ministerpräsidenten huldigt hätte gar kein Problem damit, zu den Verwandten nach Deutschland zu kommen, die ja in der Mehrzahl auch wackere Erdogan-Fans sind (und diesen gar als ihren ´Meister´ verehren), um dennoch auch weiterhin ihrem Heimatland treu bleiben zu können. Dahinter verbirgt sich überhaupt kein Widerspruch. Den konstruieren nur solche, die sein Vorhandensein hartnäckig leugnen, um sich und der Welt etwas vor zu machen.

Aber jetzt fange auch ich an, um den heißen Brei herum zu schwiemeln. Frage: was für Folgen zöge, auf längere Sicht, eine Aufnahme der Türkei in die EU nach sich, ganz gleich, ob dort gerade Kemalisten, Erdoganisten oder Ultranationalisten am Ruder sind?

Erstens würden, ich bleibe dabei, binnen kurzem Millionen von Türken von ihrem Recht auf freien Zuzug Gebrauch machen und nach Deutschland einwandern. Ihr gutes Recht. Seien wir vorsichtig und gehen wir für die ersten Jahre von fünf bis zehn Millionen aus. Es geht hier gar nicht so sehr um die Frage, wie man diese Menschen empfängt und ob ihnen die Möglichkeit gegeben werden kann, sich eine stabile bürgerliche Existenz aufzubauen. Es sind, wie gesagt, Menschen, und die werden natürlich auch weiterhin eigene Vereine gründen, mit den entsprechenden Begegnungszentren, mit eigenen Moscheen und am Ende wird auch niemand die Gründung politischer Parteien verhindern können. Die Aktivitäten der Milli Görus haben hinreichend unter Beweis gestellt, wie weit der Arm der türkischen Regierung heute schon reicht. Vielleicht reicht´s am Ende für eine Art Einheitspartei, die so auf Anhieb den Sprung in den deutschen Bundestag schaffen wird. In jedem Fall wird die Tendenz, bestimmte Teilautonomien für die eigene Community einzufordern, zunehmen. Das erleben wir doch schon jetzt andauernd. Wer wollte auch die Verbandsfunktionäre oder Vereinsvorbeter in den nunmehr zu echten türkischen oder kurdischen Gemeinden gereiften Stadtbezirken daran hindern, für sich und ihre Anhänger gewisse Sonder-Statuten einzufordern, die sich denen der verantwortlichen Städte und Gemeinden so dezent wie vordergründig angleichen lassen, obschon sie, im Ergebnis, die betroffenen Gebiete in echte autonome Regionen umwandeln werden? Wem der Satz zu lang und gewunden vorkommt: diese Leute werden unter dem Vorwand kultureller Selbstverwirklichung an das demokratische Gewissen appellieren und eigene gesellschaftlich-politische Rechte einfordern; so unbekümmert wie selbstverständlich, im Sinne echter Teilhabe, die der türkische Ministerpräsident in seinen hiesigen Reden schon ganz selbstbewusst, ja aggressiv angedroht hat.

Aber auch der Türkei selbst täte der erhoffte Beitritt auf kurz oder lang nicht gut. Die Vollmitgliedschaft ist ja laut Satzung an die Wahrung und Einhaltung gewisser Minderheitenrechte gebunden. Die Stärkung der Minderheitenrechte zöge unweigerlich eine Garantie nicht nur der kulturellen, sondern auch der politischen Autonomie der in der Türkei lebenden Kurden nach sich. Die ihnen die Türkei in dieser Form noch immer vorenthält. Der ohnehin ständig schwelende Widerstreit im eigenen Land zöge erhebliche Animositäten auch mit den übrigen Europäern nach sich. Mehr noch: dieser Konflikt, der natürlich am Ende militärisch ausgetragen würde, bescherte den Deutschen Tumulte ähnlich solchen, die wir vor kurzem in Herford in der knackigen Light-Variante bestaunen konnten. Ein Aufflammen des Kurdenkonfliktes in der Türkei heizte zusätzlich die Unruhen in den angrenzenden Ländern an, was zur weiteren Destabilisierung der gesamten Region beitrüge. Erdogans Engagement in den von staatlicher Selbstauflösung betroffenen Regionen ist bekannt und hat schon kräftig dazu beigetragen, das benachbarte Syrien in ein Tollhaus zu verwandeln. Es dürfte auch die vor Ort bereits ansässige Bundeswehr in weitere, schwere Verwicklungen stürzen, deren Auswirkungen diese Armee derzeit noch gar nicht gewachsen ist. Die dann vor dem Furor flüchtende Bevölkerung hätte allen Grund, einen weiteren sozusagen, ihrem Land endgültig den Rücken zu kehren…

Übrigens, um auch dies abschließend noch zu erwähnen: der Beitritt wird natürlich, wie das in allen übrigen Fällen gleichsam der Fall war, mit beträchtlichen finanziellen Unterstützungen verbunden sein. Glaubt irgendwer, das die Finanzspritzen dazu genutzt würden, um das Land ziviler und rechtsstaatlicher, um es insgesamt demokratischer zu gestalten? Da würde mir der brave Parteisoldat aus Bayern sicher zustimmen.

 

Shanto Trdic, 12.08.14

 

 

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Leserbriefe an die Aachener/Dürener Zeitung AZ/DZ vom 11.08.2014

Was lernen wir aus Leserbriefen der AZ/DZ über Juden und Israel?

Die Schonzeit für Juden in Aachen ist endlich vorbei!

Dr. R. H. aus Aachen geht auf die Äußerung von Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, ein, der eine fehlende Solidarität mit den Juden anprangert:

Absolute Solidarität mit den Juden, denen wir viel unserer Kultur verdanken, auch unsere durch einen Juden gegründete Religion. Jedoch keinerlei Solidarität mit den hasserfüllten, ultra-orthodoxen Juden. Sie scheuen vertrauensbildendende Maßnahmen und schüren alles, was Hass erzeugt, wie etwa die Siedlungspolitik. Andererseits sollte man jeden, der dem radikalen Islam die Stirn zeigt – und dazu gehört auch Putin –, voll unterstützen.

Der Leserbriefschreiber ist kein ungebildeter Antisemit, was sein Dr.-Titel beweist. Er scheint über eine gewisse Ahnung über das Judentum zu verfügen. Er ist kein Palästinenserfreund, da er behauptet, dass das Christentum von einem Juden gegründet worden ist, wo doch heute jeder Halbgebildete weiß, dass Jesus Palästinenser gewesen ist. Aber vielleicht ist Herr Dr. R. H. derart gebildet, dass er weiß, dass das Christentum vom Juden Saulus aus der Taufe gehoben worden ist, auch wenn sich dieser Paulus anschließend wie ein Grieche benommen hat.

Dr. R. H., der gebildete Christ, verspürt keinerlei Solidarität mit ultra-orthodoxen Juden. Denn sie sind hasserfüllt. Diese Information kann er nicht auf Aachens Straßen gewonnen haben, denn in Aachen gibt es keine ultra-orthodoxen Juden. Die Nazis haben gute Arbeit geleistet. Ob ein Vorfahre des Herrn Dr. R. H. daran beteiligt gewesen ist?

Woher weiß also der gebildete Judenkritiker, was ultra-orthodoxen Juden so treiben und denken? Aus der AZ? Kaum! Aus den Fernsehnachrichten? Eher! Da fällt mir ein, dass es in Aachen Israel kritische Organisationen gibt, die vorgeben, den Frieden über alles zu lieben, in Wirklichkeit zu feige sind, dem Nächsten christlich oder säkular in seiner höchsten Not zu helfen. Diese ausgezeichnet in das Aachener Leben integrierten Organisationen laden zuweilen selbsthassende Juden ein, darunter auch ultra-orthodoxe aus benachbarten Ländern, deren Kostüm-Judentum im ultra-orthodoxen Juden freien Aachen echt erscheint. Diese Kostüm-Juden sind gegen Siedlungen, weil sie wissen, dass besonders Antisemiten davon überzeugt sind, dass Juden jegliche körperliche Arbeit verabscheuen.

Versöhnlich stimmt, dass der Gebildete dem radikalen Islam die Stirn zeigen will, wie dies auch Putin tut. Nach dem Lesen des Briefes an die AZ bezweifle ich, dass der Dr. zwischen einem radikalen und einem moderaten Islam unterscheiden kann, ja nicht einmal zwischen Islam und christlichem Protestantismus.

Was lernen wir aus dem Leserbrief?

Ein Dr.-Titel beweist nicht, dass sein Träger gebildet ist.

Ein Antisemit kennt sich im Judentum selten aus. Diejenigen Antisemiten, die sich im Judentum gut auskennen, nennt man „Antijudaisten“. Diese findet man oft in niedrigen Positionen vornehmlich innerhalb nicht-katholischen Amtskirchen.

Ein Antisemit hat Angst vor Muslimen, wahrscheinlich weil er sie für Semiten hält.

Ein Antisemit liebt starke Männer wie Erdogan und Putin.

Ein Antisemit schreibt dumme Leserbriefe, die in Zeitungen wie der AZ, die es mit der Wahrheit nicht genau nehmen, veröffentlicht werden.

Dr. H. L., ein anderer Gebildeter aus Hückelhoven, fragt auf derselben Leserbriefseite:

Was würde der Jude Jesus zu dem sagen, was in Gaza passiert?

Die Antwort fällt nicht schwer zu beantworten: Nichts.

Denn schon zum Gebaren der römischen Besatzungsmacht, an der Jesus schließlich zugrunde gegangen ist, auch wenn verbohrte Christen lieber die Juden als Sündenböcke ansehen, hat der islamische Prophet und christliche Gottessohn wenig beigetragen. Zumindest hat der Jude Paulus nichts darüber berichtet. Und selbst wenn Jesus etwas dazu gesagt hätte, kann ich dem Gebildeten erwidern, dass er, der Gebildete, Jesus` Aramäisch nicht verstanden hätte.

Was lernen wir aus dem Leserbrief?

Nichts!

W. T., ein notorischer Dr.-Titel freier Dürener blickt auf die Krisenherde auf dieser Welt und verlangt:

Nicht nur die Russen, auch die Westmächte sollten international isoliert werden.

Endlich ein Lacher.

P. G. aus Aachen vertraut den Propagandafotos, die er in der AZ sieht:

Am vergangenen Montag zeigten Sie einen israelischen Soldaten, der lachend und mit Siegerpose aus dem Kriegsgebiet zurückkehrt. Sind die Menschen so abgestumpft? Nach einem solchen Sieg wären Trauer und Nachdenklichkeit das Gefühl, das einen Menschen als Menschen auszeichnet.

M. G. aus Eschweiler merkt zum Antisemitismus an:

Wenn in den Medien immer wieder von Hassreden gegen Israel berichtet wird, kann ich nur sagen, dass solches in unserem Aachener Grenzland ausgeschlossen ist. Dafür ein großes Dankeschön an die Bevölkerung hier, die weiß, was sich gehört.

M. G. ist als anständiger Mensch wohl kein Mitglied einer der vielen Pazifisten-Organisationen aus Aachen.

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Der Fluch der bösen Taten

Die Geschichte weiß von drei Golfkriegen, die sich in der knappen Spanne eines Vierteljahrhunderts im sogenannten Zweistromland ereigneten. Während der erste längst in fast völlige Vergessenheit geraten ist, verschwand der zweite nahezu Deckungsgleich im Schatten seines Nachfolgers, der gut dreizehn Jahre darauf unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung in die Annalen einging und, so viel vorweg, die Büchse der Pandora öffnen half. Glich Golfkrieg Nummer Eins noch einem peripheren Stammesgemetzel, eine Art veralteter, lang andauernder Regionalkonflikt, von den beiden Supermächten auf bewährt-berüchtigte Weise ´nachjustiert´, hob sich der zweite schon recht deutlich davon ab, denn jetzt waren da nicht mehr zwei Blöcke, die einander auf Augenhöhe begegneten: erstmals agierte die Weltmacht USA ohne ebenbürtigen Counterpart. George Bush sen. schmiedete so unbekümmert wie hochoffiziös seine Bündnisse, eine frühe ´Allianz der Willigen´, zu denen auch das ultrafundamentalistische Saudi Arabien zählte, und der taumelnde Riese im Osten sah sich plötzlich in den Rang eines bloßen Beobachters zurückversetzt. Mit einer angeblichen Neuordnung der ganzen Region schwindelte die neue/alte Ordnungsmacht der Weltöffentlichkeit eine Vision vor, die unter dem Diktat der ´pax americana´ Wohlstand und Frieden, Demokratie und Meinungsfreiheit ermöglichen sollte. In Wahrheit waren es weniger imperiale, mehr merkantile Interessen, die der Präsident seinerzeit verfocht, wie sich auch sehr bald zeigte, denn nach Wiederherstellung der staatlichen Souveränität eines winzigen Golfemirates ließ es der Leader schon wieder gut sein und zog seine Soldaten rasch aus dem Land ab, das er auf diese Weise dem ´Teufel´ Saddam Hussein überließ, der umso schneller die Zügel in den eisernen Griff bekam und ´aufräumte´. Es war kein Zufall, dass sich der siegreiche Feldzug des alten Bush zeitlich mit einem ungleich bedeutsameren Großereignis überschnitt: der Selbstauflösung des sowjet-unionierten Machtgefüges, in dessen Schatten schon der blutige, unfasslich grausame Zerfall Jugoslawiens loderte, welcher wiederum, nach einer ersten Schockstarre, im friedlichen ´Rest-Europa´ für Unverständnis und Unbehagen sorgte.

Wie auch immer: Der quasi religiöse Feldzug des Bush jun., de facto noch viel beträchtlicher ökonomisch ´unterwandert´ als sein Vorläufer und von Anfang an auf faustdicken Lügen aufgebaut, unterschied sich fatal vom ´Blitzkrieg´ des Vaters. Denn seine Folgen waren beträchtlich; ja, sie können noch zur Stunde kaum in ihrem ganzen Ausmaß abgewogen werden. Im Grunde kann man den ganzen Schlamassel, der sich heute vom Hindukusch über die Levante bis nach Nordafrika ausgebreitet hat und, nach dem Sturz Gaddafis, bis weit in die Sahelzone vorgedrungen ist, auf diesen einen, irrwitzigen Feldzug eines eifernden, an Selbstüberschätzung bis zur Hybris leidenden Emporkömmlings zurück führen. In einer global vernetzten Welt reichen die Nachwehen weiter denn je und keiner kann sagen, welche weiteren Winkel dieser Welt noch von den Eruptionen des gewaltigen Erdbebens erfasst werden. Ein Leuchtfeuer der Demokratie hatte der simple Evangelikale den Völkern der islamischen Welt verheißen. Jetzt wissen wir: Das glatte Gegenteil ist am Ende dabei heraus gekommen. Die Ausgeburten einer in naiver Selbstüberschätzung gepredigten schönen neuen Welt, von der die religiösen Fanatiker sämtlicher Konfession nie genug bekommen können, versetzten die real-existierende Welt in Aufruhr und haben nur Tod und Entsetzen als bleibende Wegmarken gezeitigt. Der Anspruch dieses Präsidenten galt ja, rechnet man den Einfluss des vielzitierten ´military-industrial-complex´ großzügig herunter, absolut. Sein Einmarsch war nur die Ouvertüre zu den noch größeren, blutigeren Schlachten, denn erst jetzt brach aus der Verankerung, was ehedem mittels diktatorischer Fuchtel streng im Zaum gehalten wurde. Die geballte Sprengladung Jahrhunderte alter, ethnisch-konfessioneller Gegensätze flog mit voller, ungebremster Wucht auseinander. Es waren die halbwegs säkular ausgerichteten Unrechtsregime der Mubarak, Assad oder Gaddafi, die den gesellschaftlichen Stillstand zementierten und so die unruhigen Geister im Zaum hielten, die nun wie irrsinnige Kobolde herumspuken. Heute schauen wir beinahe stündlich gebannt in die Region, aber wen interessierte schon, ehe die Sowjets in Afghanistan einmarschierten, was in der muslimischen Staatenwelt los ist? Wenn man von den Kriegen Israels wider ihre Nachbarn einmal absieht.

Die alte Weltordnung, im Schatten der Blöcke geschmiedet, bot der alten Welt eine trügerische, halbwegs verlässliche Ruhe. Die neue Weltunordnung entfacht, indem sie zahllose blutige Auseinandersetzungen zeitigt, vor allem eines: eine Völkerwanderung ungeahnten, zunehmend ungebremsten Ausmaßes. Ich weiß, das man mir auch das um die Ohren hauen wird, aber keiner derer, die jetzt vor Chaos und Anarchie flüchten, wird nach Asien oder Afrika ´auswandern´. Die Richtung, für die sich diese Menschen entschieden haben, stimmt schon und man kann es ihnen auch gar nicht verdenken: das Leuchtfeuer der Demokratie, nebst seiner Vorzüge und Versprechungen, lodert ja noch auf halber Flamme am ´Kap Asiens´ (als solches bezeichnete der Dichter Valery den europäischen Kontinent), gleicht so einem trügerischen Irrlicht, das langsam verblasst, weil keiner die Fackel mehr hochhalten mag. Das endlose Gequatsche von Demokratie und Menschenrecht ändert daran gar nichts.

Natürlich begannen etliche Aufstände, die man seinerzeit als ´arabischen Frühling´ verklärte, emanzipatorisch. Es mochte der Grundhaltung derer entsprechen, die das Netz nutzten, um Dinge in Bewegung zu bringen, ja überhaupt etwas zu verändern. Ich will das gar nicht in Abrede stellen. Aber wer ahnte denn schon, dass noch ganz andere Kräfte und Bewegungen heimlich in Reserve und auf der Lauer lagen und so ganz ungeduldig auf ihre Chance warteten. Wir wissen im Grunde bis heute so wenig über sie, das hat schon das Beispiel ISIS/Irak bewiesen, und die ohnmächtig erlebte Unübersichtlichkeit nebst unverstandener Eigendynamik, die allen Revolten eignet, sollte uns in Zukunft misstrauischer, vor allem vorsichtiger stimmen. Die berechtigte Empörung der Beleidigten und Entrechteten schlägt nur allzu schnell in ein unkontrolliertes Hauen und Stechen um. Um das zu verstehen, schaue man sich nur einmal die eigene, die europäische Vergangenheit an. Die Straßenschlachten, die sich Nationalsozialisten und Kommunisten in den zwanziger Jahren lieferten, haben nicht unbeträchtlich dazu beigetragen, das Weimarer Experiment scheitern zu lassen, und das Damoklesschwert einer unberechenbaren Ökonomie hing, wie heute, beständig über den Häuptern der Völker, denen das Wörtchen Demokratie ohnehin lange verdächtig vorkam. Auch das wird leicht vergessen. Als ob die Völker Europas schon immer ´auf Kurs´ gewesen wären! Das wissen wir doch eigentlich besser.

Vielleicht, so mag man erwidern, messe ich dem Feldzug des Bush jun. eine höhere Bedeutung bei als ihr in Wahrheit zukommt. Immerhin ist es an böser Ironie kaum noch zu überbieten, das ein dem christlichen Fundamentalismus verpflichteter ´born-again´ vor etwas mehr als zehn Jahren einen ´Kreuzzug´ ausrief bevor er die entsprechenden Fieberphantasien in einer Region ´auslebte´, die heute von islamischen Eiferern kontrolliert wird, deren Vollstrecker wohl soeben eine weitere Dekade blutigen Terrors eröffnet haben. Konventionelle Kriege, sie mögen noch so abscheulich sein, beendet man aber nicht aus der Luft. Das weiß auch Obama. So wird keine Macht der Welt den Genozid wirkungsvoll unterbinden können. Mit Bodentruppen hat es, umgekehrt, auch nicht geklappt. Doch kam Bush jun., so kurios das klingen mag, dennoch als Befreier in den Orient: Er hat tatsächlich befreit, was lange unterm Deckel gefangen gehalten wurde und den Verschluss fast zum Platzen brachte: Er hat der Entfesslung endlich mächtig Vorschub geleistet und die nachfolgende Exzesse rissen allerorten Abgründe ungeahnten Ausmaßes auf. -

Ich weiß: Mit dieser Einschätzung werde ich einmal mehr bei niemandem auf ungeteilte Zustimmung, ganz sicher auf viel Unverständnis und noch mehr Ablehnung stoßen. Zugegeben: Sie passt auch mir nicht in den Kram. Als wenn es darauf ankäme. Und auf die Frage, wie das Problem denn aus meiner Sicht zu lösen sei, kann ich nur mit der Gegenfrage antworten, weil mich die üblichen nicht überzeugen. –

Shanto Trdic, 09.08.14

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