Das hintergründige Interview

Seit dem Beginn der neuen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas veröffentlicht die Aachener Zeitung AZ keine Leserbriefe mehr über den Nahen Osten. Der Grund ist einfach. Seit Jahren sind die meisten Leserbriefe in der AZ, die den Nahen Osten betreffen, extrem Israel kritisch und antisemitisch. Die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Aachen JGA befindet sich am Rand eines kleinen muslimischen Viertels, welches sich schwer bewachen lässt. In Aachen und der näheren Umgebung leben nicht nur viele Muslime, sondern auch auffällig viele Rechtsextremisten. Die Linken sind unbedeutend. Aachen ist Sitz mehrerer säkularer und religiöser pazifistischer Vereine, die den in der Kaiserstadt vorhandenen Israel- und Judenhass am Köcheln halten. Aachen möchte nicht nach Brüssel und Paris durch antisemitische Gewalt auffallen, vor allem nicht im Kaiserjahr, dem 1200. Todestag Karl des Großen, der bis heute als einer der wenigen Mächtigen Aachens zum Philosemitismus neigt.

Deshalb hält sich die Zeitung zurück.

Am Samstag, 26. Juli 2014, findet in der AZ eine vorsichtige Wende statt in Form eines beinahe eine Seite füllenden Artikels über Israel, genauer eines Interviews, den eine nette und junge Journalistin mit einem 30-jährigen jüdischen Studenten aus Israel führt, der nach seinem 3-jährigen israelischen Militärdienst seit acht Jahren in Aachen lebt und an der renommierten Universität RWTH studiert. Gleich zur Beruhigung: Der Artikel ist nicht im mindesten antisemitisch. Er ist ungewöhnlich und lässt tief in das Denken der Aachener Medien und Bürger blicken.

Der Student findet Israel wunderschön und großartig. Insbesondere gefällt ihm dort die einzigartige Gemeinschaft, die er nirgendswo anders gefunden hat. Aber Israel ist eine Ellenbogengesellschaft. Auf mehrspurigen Straßen fahren alle links, denn jeder will der Erste sein. In Deutschland ist es anders.

Schwer vorstellbar, dass ein Mensch seine Heimat verlässt, nur weil alle links fahren. Ich empfehlen dem Studenten, rechts zu überholen.

Der Student meint, dass viele Israelis nicht verstehen, wie sich die Palästinenser fühlen. Er steht nicht hinter der israelischen Politik. Er glaubt, dass für Menschen, die nicht dort aufgewachsen sind, der Konflikt nur schwer zu beurteilen ist.

Damit soll wohl ausgedrückt werden, dass der durchschnittliche Leser und Leserbriefschreiber der AZ keine Ahnung vom Nahen Osten hat und ohne jegliches Wissen drauflos schreibt. Viele Aachener glauben der arabischen Propaganda, dass Jesus ein Palästinenser aus Bethlehem ist, dem der Zugang nach Jerusalem zum Kreuzestod erschwert wird. Lage, Größe und Grenzen von Israel sind dem AZ-Leser und – Leserbriefschreiber ein Buch mit 14 Siegeln.

Der Student meint, dass wenn Israel angegriffen wird, es sich verteidigen muss. Die Angriffe der Gaza-Palästinenser auf Israel will er nicht verurteilen, da die Gaza-Palästinenser nichts zu verlieren haben. Über die Ereignisse in und um Israel ist er ständig über Facebook, Blogs und „Haaretz“ informiert, die er für eine liberale Zeitung hält. Er glaubt, dass seine Haltung „differenzierter“ ist als die, die man von Israel selber kennt. Alle seine Freunde sind gegen die Siedlungspolitik.

Nach acht Jahren Deutschland und Information über „Haaretz“, die gegenüber der AZ wie TAZ, ND und „Freitag“ wahrlich als liberal durchgeht, ist es verständlich, dass der Student glaubt, dass die Gaza-Palästinenser nichts zu verlieren haben – außer ihre Knechtschaft von der Hamas. Es sind nicht die Gaza-Palästinenser, die Israel angreifen, es ist die Terroristenvereinigung Hamas, die die Unruhen schürt und beliebig viele Araber mordet, indem sie Israel täglich mit Unmengen von glücklicherweise meist, jedoch nicht immer wirkungslosen Raketen bombardiert. Der Student irrt sich, wenn er meint, dass seine Meinung in Deutschland anders sei als die der in Israel lebenden Juden. Israel ist ein freies Meinungsland. Jeder Einwohner verfügt über mehrere Meinungen, die sich oft widersprechen. Zwischenzeitlich ist eine israelische Friedensdemonstration gegen die Fortsetzung des Krieges gegen Gaza in Tel Aviv mit 7.000 Demonstranten abgehalten worden. Diese Zahl ist größer als die der größten Hassdemonstration gegen Juden und Israel in Deutschland. Die Versammlung ist wegen Raketenbeschuss aus Gaza aufgelöst worden.

Der Student meint, dass die deutsche Presse pro Israel ist, da man als Deutscher vorsichtig sein muss, wenn man Israel kritisiert.

Das beweist, dass er wie die meisten Israelis in Deutschland keine deutsche Zeitung liest, insbesondere nicht die AZ.

Der Student hat in Tel Aviv gelebt. Er hat weniger Angst vor Hamas-Raketen als seine dort verbliebene Familie, da er die Hamas-Raketen „rational“ betrachtet.

Der Student lässt sich nicht erkennbar ablichten. Seine Rückenansicht schmückt das Interview in der AZ.

………………..

Israel ist ein freies Land, in dem jeder seine Meinungen haben und aussprechen darf. Im Gegensatz zu Deutschland wird in Israel streng zwischen Meinung und Wahrheit differenziert. Deshalb sei es der AZ trotzdem gegönnt, einen gut in die Aachener Meinung integrierten Israeli zu interviewen. Daran ist nichts antisemitisch, nicht einmal antizionistisch.

Das Auffällige am Artikel ist das Foto des Studenten, auf dem er nicht wünscht, erkannt zu werden. Denn der Name des Studenten, den ich hier nicht verbreite, ist echt. Fotos von ihm sind im Internet von jedem Ungeübten unschwer zu finden.

Das Ganze erinnert an eine wahre Geschichte, die sich vor sechs Jahrzehnten in der Sowjetunion und in den USA ereignet hat. Stalin möchte etwas gegen „Gerüchte“ unternehmen, die besagen, dass in der Sowjetunion ein strenger Antisemitismus herrscht. Er beauftragt den russischen Großrabbiner, einen Brief an das Rabbinerkollegium der USA zu schreiben, wie gut es den Juden in der UdSSR ginge. Stalin zensiert den fertigen Brief selber. Er ist mit dem Text einverstanden, der die Gerüchte über den sowjetischen Antisemitismus glaubhaft widerlegt. Nur das Postskriptum wundert den Vater aller Russen. Der Brief endet mit dem Satz „Schickt bitte Zucker und Kerzen!“

Stalin findet das Postskriptum auf einen solchen wichtigen Brief irritierend. Der Großrabbiner beruhigt den Diktator. Das Postskriptum sei real, da bekannterweise vielen Menschen in Russland, nicht allen, an Vielem mangelt. Wenn auch das Postskriptum unangenehm für den Sozialismus ist, so ist es ehrlich. Ein ehrliches Postskriptum erhöht den Wahrheitsgehalt des gesamten Briefes.

Stalin lässt sich überzeugen. Der Brief wird abgeschickt. Die Rabbiner in den USA rufen ein Rabbinerkollegium ein. Man liest den Brief und versteht ihn: Es gibt in der Sowjetunion keinen Antisemitismus. Aber was soll das Postskriptum: „Schickt bitte Zucker und Kerzen!“ auf ein offizielles Dokument. Hätte man die geringfügige Bitte nicht gesondert in einem weiteren Brief erwähnen können?

Das Rabbinerkollegium tagt mehrere Tage, ohne dass eine befriedende Antwort auf das Postskriptum gefunden wird. Am Abend des dritten Tages erhebt sich der betagte Rabbiner Groiser, ein ehemaliger Flüchtling aus Russland, und spricht:

Was ist Zucker? Süß! Was sind Kerzen? Licht! Was bedeutet, schickt Zucker und Kerzen?

Wir leben in Bitternis und Dunkelheit!

Zurück zum Aachener Interview. Was bedeutet es, dass der Israeli in Aachen kein Bild von sich machen lässt? Er hat Angst erkannt zu werden! Warum hat er Angst, erkannt zu werden? Weil er in Aachen um sein Leben fürchtet! Er befürchtet zu Recht, dass ihm arabische Kommilitonen oder auch andere Juden hassende Bewohner Aachens mit palästinensischem, arabischen oder muslimischen Migrationshintergrund ihm Böses wollen, sollten sie ihn in der Universität oder auf der Straße erkennen.

Dieses ist auch der Grund, dass die AZ keinen Aachener Palästinenser auftreiben wird, der sich unvoreingenommen zu den kriegerischen Ereignissen um Gaza äußern wird, obwohl es in der RWTH bedeutend mehr Araber als Juden gibt. Ein gutes Wort für Israel kann in Aachen mehr als nur das Ende der Karriere bedeuten.

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Rede auf der Israel-Demo in Köln am 24.07.2014

Liebe Freunde des Staates Israel,

Das Motto unserer Veranstaltung lautet: Wir fordern eine faire Berichterstattung über Israel. Fordern ist erlaubt. Ob die Forderungen erhört werden? Wenn wir aber die Forderungen nicht stellen, dann werden sie mit Sicherheit nicht erfüllt werden. Also fordern wir.

Wenn wir etwas fordern, dann sollten wir wissen, was wir fordern.

Faire Berichterstattung: Was ist fair? Verstehen wir unter fair „ehrlich“ oder lieber „für uns angenehm“?

Ich fordere Euch auf, die Internetseite tapferimnirgendwo (in einem Wort geschrieben) des bedeutendsten Israelfreundes Deutschlands, Herrn Gerd Buurmann aus Köln, meinem Freund, nicht nur auf Facebook, regelmäßig zu lesen, damit ihr wisst, was faire Berichterstattung ist!

Zum nächsten Punkt:

Was wollen wir mit einer fairen Berichterstattung erreichen? Ist es nicht besser zu schweigen?

Mehr als 2.000 Jahre haben Juden geschwiegen, wenn ihnen Unrecht angetan worden ist. Haben die Juden deshalb überlebt, weil sie geschwiegen haben? Oder ist es besser, die Wahrheit herauszuschreien? Wir Heutigen dürfen laut reden und schreiben, denn in Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit hat aber nichts mit Wahrheit zu tun. Meinungen sind persönliche Ansichten, die unbeabsichtigt oder beabsichtigt falsch und verlogen sind. In Deutschland wie in allen anderen demokratischen Ländern herrscht Meinungsfreiheit, keine Wahrheitsfreiheit, schon gar keine Wahrheitspflicht.

Hier ein Ausschnitt aus einem Brief, der Euch zeigen wird, wie wichtig die freie Meinungsäußerung für Juden und Israel ist.

— Die Welt zeigt keine Sympathie für den kleinen demokratischen Judenstaat, der in Gaza, einem der größten Terroristennestern der Welt, einbricht, um die islamistischen Verbrecher daran zu hindern, Raketen auf Schulen abzufeuern. Die meisten Weltmedien stellen Israel als Aggressor dar, der als gefühlloser Krieger die Araber verachtet.

— Warum ist dem so? Israel hat über Jahrzehnte den Fehler begangen, davon auszugehen, dass niemand den idiotischen Lügen über Israel den geringsten Glauben schenken würde. Dem Judenstaat sind Auseinandersetzungen mit Unwahrheiten unter seiner Würde gewesen. Israel wehrt sich nicht gegen die Lüge, die Frau Arafat Hilary Clinton öffentlich vorträgt, dass Israel das Trinkwasser arabischer Kinder vergiftet, dass jüdische Wissenschaftler AIDS erfunden haben, um arabische Palästinenser zu töten, dass Israel wahllos Bomben auf arabische Kinder wirf, dass Israel den Arabern ohne Entschädigung Land stiehlt, dass Israel keinen historischen Anspruch auf das Land hat, dass Palästinenser von Juden aus purem Rassismus an militärischen Checkpoints gedemütigt werden, dass Israel nur deshalb eine Mauer errichtet hat, damit die Araber in Judäa und Samaria zur Freude und Genugtuung des amtierenden Aachener Bischoffs sich wie im Warschauer Ghetto fühlen. Israel hat nie das Bedürfnis verspürt, auf solche Hirngespinste zu reagieren, weil es für Israel selbstverständlich gewesen ist, Gesetz und Menschenrechte zu achten. Und weil Israel grob fälschlicherweise von sich auf andere schließt.

— In den letzten beiden Jahrtausenden haben Juden denselben verhängnisvollen Fehler begangen. Juden sind sich so sicher gewesen, dass niemand glauben würde, dass sie Gottesmörder sind, dass niemand glauben würde, dass sie das Blut christlicher Kinder trinken, dass niemand glauben würde, dass sie Brunnen vergiften, um die Pest herbei zu führen. Und dass niemand glauben würde, dass sie Land stehlen würden, welches ihnen für Tausende von Jahren nachweislich und urkundlich gehört hat.

— Unzählige Juden sterben wegen dieser Lügen. Erst jetzt lernen wird, dass jeder diese Lügen bekämpfen muss.

Ich werde Euch eine weitere Lüge auftischen, auf die ihr als ethisch handelnde Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit hereingefallen seid. Sehr viele Medien der freien Welt versuchen die Bevölkerungen ihrer Länder gegen Juden und den Judenstaat aufzuhetzen, indem sie bewusst lügen, dass die israelische Verteidigungsarmee vor allem Kinder und Frauen tötet. Die arabische Nachrichtenagentur Al Jazeera, die zweifelsfrei kein Freund Israels ist, hat diese Lüge wohl ohne Absicht enttarnt. Es ist grausam und mir höchst unangenehm, folgende Tatsachen darzulegen, aber es ist zur Erkennung der Wahrheit notwendig.

Die arabische Bevölkerung in Gaza ist sehr jung. Die Geburtenrate und das Bevölkerungswachstum gehören zu den höchsten der Welt. Es gibt bedeutend mehr Kinder als Erwachsene und mehr Erwachsene als Greise. Die Zahl der Frauen übersteigt die der Männer. Über die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Nachzulesen in: The World Fact Book – CIA.

Al Jazeera hat veröffentlicht, dass 82% aller Toten des jetzigen Krieges Männer, und dass 66% dieser Männer zwischen 18 und 38 Jahre alt sind. Damit hat der arabische Nachrichtensender bestätigt, dass die meisten Toten keine Frauen und keine Kinder sind, sondern Männer im besten Kombattantenalter. Al Jazeera hat durch seine Statistik bewiesen, dass sich die Armee des Judenstaates im höchsten Maße ethisch verhält.

Momentan ist die deutsche Presse bei Weitem Israel freundlicher als beim letzten Gazakrieg vor nicht ganz zwei Jahren. Bisher habe ich in meiner Lokalzeitung, den Dürener Nachrichten, keinen einzigen antisemitischen Leserbrief gelesen, was in diesem Blatt ansonsten nicht ungewöhnlich ist. Selbst der „Freitag“, dessen Verleger das Simon-Wiesenthal-Zentrum zu den 10 größten Antisemiten weltweit zählt, publiziert neben antisemitischen auch Israel freundliche Artikel. Und das nicht erst, seitdem ich dort schreibe.

Wenn mein Eindruck stimmt, dass die Presse weniger israelfeindlich geworden ist, dann stellt sich sofort die Frage nach dem „Warum“. Mir ist nach langem Nachdenken nur eine Antwort übrig geblieben. Es hängt mit dem neuen, dem islamischen Antisemitismus zusammen.

Der islamische, nicht islamistische, Antisemitismus ist nicht ganz neu, drängt sich jedoch zum Anlass des jetzigen Krieges vor und wird gut vernommen. Es handelt sich nicht um einen islamistischen Antisemitismus, denn der islamistische Antisemitismus ist unbedeutend. Zwar foltern und morden Islamisten auch Christen und seltener Juden, wie in Assyrien, Ägypten und Gaza, denn die Islamisten bevorzugen Muslime, die der falschen Konfession angehören oder sonstwie gottlos sind. So hat die islamistische Hamas, die seit Jahren in Gaza herrscht, mehrere Tausende von Muslimen auf dem Gewissen, die sie als Selbstmordattentäter und lebende Schutzschilder benutzt und Israel als Kanonenfutter vorwirft. Die islamistische und antisemitische Hamas tötet bedeutend mehr Muslime als Juden!

Die muslimischen Antisemiten Deutschlands und Europas rekrutieren sich aus der zweiten und dritten Generation von Einwanderern, denen warum auch immer die Integration nicht gelungen ist. Richtigerweise können sie nicht zwischen Juden und Israel unterscheiden wie die – ich nenne sie hier zur eindeutigen Unterscheidung – arischen Antisemiten, die vorgeben Antizionisten oder feiner – Israelkritiker zu sein, aber keine Antisemiten. Nach Auschwitz lehnt es der arische Antisemit ab, als Antisemit bezeichnet zu werden. Der muslimische Antisemit ist dem arischen Antisemiten oberpeinlich. Der arische Antisemiten will sich vom muslimischen Antisemiten distanzieren, weil dieser die saubere arische Trennung zwischen Israel- und Judenhass verwischt. Deshalb bestehen der arische Antisemit und die Gutmenschen in seinem Gefolge darauf, dass es sich beim islamischen Antisemitismus eigentlich um islamistischen Antisemitismus handelt.

Manche tumbe arische Antisemiten, wie Neonazis, Linksjugend aus Essen und Ähnliche, freuen sich noch, wenn muslimische Antisemiten an ihren Demonstrationen teilnehmen. Ihre linken Vorgesetzten quälen sich, die gerade Ideologie zu verkrümmen.

Genauso wie die Hamas Israel mit dem Tod von Muslimen droht, könnten wir Israelfreunde dem bürgerlichen Antizionisten mit muslimischen Antisemitismus drohen. Diese Drohung reicht aus, damit bürgerliche, zum Antizionismus, also Antisemitismus neigende Zeitungen wie die Dürener oder Aachener Zeitung auf Israel feindliche, also antisemitische Leserbriefe und Artikel verzichten.

Doch was können wir gegen den muslimischen Antisemitismus tun?

Die meisten gut integrierten Muslime sind keine Antisemiten, und wenn doch, dann übernehmen sie den arischen Antisemitismus. Wenn wir folglich den Juden und Israel hassenden Muslimen helfen würden, sich zu integrieren, dann würde ein Teil den arischen Antisemitismus annehmen.

Zurück zum Thema. Was können wir tun, um die Berichterstattung über Israel für uns angenehmer, also fair zu gestalten?

Es gibt in Deutschland eine jüdische Presse, die vor allem von Juden und Freunden Israels konsumiert wird. Die Berichterstattung mag fair sein, sie erreicht leider nicht diejenigen, die wir beeinflussen wollen.

Wir müssen die Medienlandschaft aufmischen. Hier sind wir unseren Feinden weit überlegen, die unfähig sind, einen Gedanken logisch zu Ende zu führen und ihn niederzuschreiben. Dank Internet kann jeder einen Leserbrief schreiben, der innerhalb weniger Minuten nach erfolgreich bestandener Zensur für alle sichtbar auftaucht. Wer sich zutraut, kann in Online-Zeitungen längere Artikel publizieren und sein faire Meinung zu Israel der Öffentlichkeit kund tun. Auch ist es nicht schwer, einen Blog zu schreiben. Doch hier fehlt es an effektiver Zusammenarbeit. Es ist von Vorteil, wenn mehrere Israelfreunde zusammen einen Blog erstellen.

Hier ende ich und wiederhole die prophetischen Worte George Orwells, die er in Animal Farm geschrieben hat:

Demonstrieren ist gut, schreiben ist besser!

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Kanonen auf Katzen

Gedanken des homo antisemiticus vulgaris

Dürfen Menschen sich verteidigen, wenn sie angegriffen werden? Obwohl beinahe überall verhasst, fallen Juden auch unter den Menschen und dürfen sich somit verteidigen, falls sie angegriffen werden. Wir Deutsche sind aus unserer Geschichte gewohnt, dass Juden sich ihrem Schicksal ergeben statt zu kämpfen. Der Holocaust scheint den Juden zu Kopf gestiegen zu sein.

Jetzt werfen Juden Bomben auf Gaza, da Israel von Hamas-Terroristen, die diesen schmalen Streifen beherrschen, drangsaliert werden. Doch wie gehen Israelis sicher, dass sie zu ihrer Verteidigung Terroristen und keine friedlichen Araber töten? Gibt es noch friedliche Araber in Gaza? Diese Araber haben zwar die Hamas gewählt wie seinerzeit die Deutschen die NSDAP. Und weshalb hat der Engländer Dresden bombardiert!? Selbst die Lutherische Ex-Oberschöffin meint, dass die Bombardierung Dresdens nicht notwendig gewesen ist. Der Krieg wäre auch ohne die Zerstörung Dresdens verloren und beendet. Nun ja, das mit den Juden ist nicht O.K. gewesen. Aber Amerikaner und Engländer haben doch nicht die Deutschen bekämpft, um Juden zu retten! Wenn sie Juden hätten retten wollen, dann hätten sie Auschwitz, zumindest die Gleise dorthin, bombardiert. Das haben sie nicht getan. Sie haben die Deutschen bekämpft, weil sie Hitler nicht mochten und wegen der kapitalistischen Konkurrenz, schließlich waren die Nazis Sozialisten. Warum haben die Alliierten nicht Hitler bekämpft? Noch heute ist sein Einfluss in Deutschland vorhanden, besonders in Zeiten, wenn es gegen Israel und Juden geht..

Nach zwei verheerenden Weltkriegen und der deutlichen Verkleinerung Deutschlands unterliegt im Europa des Friedens jegliche Verteidigung harten Einschränkungen. Viele glauben, dass Selbstverteidigung obsolet sei. Schließlich kann man über alles reden. So wie in der Ukraine, wo trotz politischer Reden und Diplomatie ein mit 300 Zivilisten vollbesetztes Flugzeug abgeschossen wird. Hat man nicht genug geredet? Auf jeden Fall muss der Verteidiger angemessen handeln, darf den Angreifer nicht umbringen, wenn dieser ihn nur kitzeln will. Außerdem besteht für niemanden die Notwendigkeit, mitten in der Nacht den Berliner Alexanderplatz zu durchschreiten. Der brave Bürger bleibt zu Hause, guckt Kriege im Fernsehen an, schimpft auf Juden und setzt sich nicht persönlich der Gefahr einer Rauferei mit Todesfolge aus. Wenn ich schon tagsüber einige „südländische“ Gestalten sehe, die sich in einer Sprache unterhalten, die ich nicht verstehe, dann wechsele ich schnell die Straßenseite. Einmal bin ich beinahe von einem unschuldigen Bürger überfahren worden, um der Selbstverteidigung zu entgehen.

Der Selbstverteidiger sollte beweisen können, dass er kein Angreifer ist! Wenn mich ein Koran verteilender Salafist anmacht, weil ich keinen dritten Koran brauche, was er ja nicht weiß, dann beleidige ich ihn auf furchtbarer Weise, sodass er mich anpöbeln muss, was seine vor kurzem angenommene Religion von ihm verlangt. Ich bin der Angreifer! Straßenseite wechseln!

Die geschundenen Araber in Gaza sind ständig Verteidiger, nie Angreifer! So wie Deutschland im Zweiten Weltkrieg, welches die Fortsetzung des Ersten Weltkrieges gewesen ist, den Deutschland eigentlich hätte gewinnen müssen, wenn die Juden nicht den Dolch in den Rücken der siegreichen kaiserlichen Armee gebohrt hätten. Hitler ist mit Fug und Recht der Verteidiger und die Alliierten sind die Angreifer! Solange die Juden keine allzu große Zahl arabischer Unschuldiger im Krieg tötet, werden die Antisemiten in Deutschland es schwer haben, den Volkszorn in ihrem Sinn zu formen. Doch wehe, wenn die Zahl toter Araber aus Gaza realiter oder propagandistisch steigt! Dann handeln Juden unverhältnismäßig und gehören – Hamas hin oder her – an den Pranger.

Auf der Vorplatz des Kölner Domes, als Domplatte bestens bekannt, kämpft seit Jahren ein mutiger Altnazi auf billiger verdreckter Pappe gegen die völkermordenden Juden. Er hat sogar von friedensbewegten Aachener Bürgern und allen im Stadtrat vertretenen, nicht weniger friedensbewegten Parteien einen Preis erhalten. Tausende von Touristen und Einheimischen lesen täglich seine Judenhetze und verbreiten sie auf der ganzen Welt. Es wundert nicht, dass extreme linke und rechte Ideologien in Köln Hand in Hand überhand nehmen. Unter Polizeischutz darf er die nationale sozialistische Friedensbotschaft verkünden, dass die Juden an Allem Schuld sind. Er erhebt nie die Hand gegen Juden. Das besorgen für ihn ständig anwesende und vom Kölner Volk bezahlte Polizisten.

Von solchen tiefschürfenden Gedanken geplagt, mache ich mich am letzten Donnerstag auf den Weg zur Israel freundlichen Demo, die unter dem Motto steht: „Befreit Gaza von der Hamas!“ Verständlicherweise findet die machtvolle Schau, zu der sich mehr als 200 Juden- und Israelfreunde zusammenfinden, nicht auf der Domplatte statt, denn dort hat der friedensbewegte mutige Altnazi Hausrecht. 200 aggressive Juden und Judenfreunde gegen einen (1) Judenhasser! Da könnte selbst die ständig anwesende und vom Kölner Volk bezahlte Polizei den alten verwirrten Mann nicht schützen. Um den Nazi zu schützen, findet das Israeltreffen auf dem nahen Wallrafplatz statt.

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Viel Aufregendes passiert nicht. Der Lautsprecher setzt des Öfteren aus. Der Domplatten-Judenhasser packt seine vermodernden Pappen ein. Die Polizei ist sichtlich gelangweilt. Morgen werden internationale multikulturelle muslimische Hamasversteher, Islamisten, gestandene Linke und Rechte gemeinsam den Judenstaat auf der Domplatte verfluchen, da sie der friedensbewegte Altnazi dort walten lässt. Die Polizeiarbeit ist mit feigen Juden einfacher als mit friedensbewegten Hetzern. Mehrere Redner halten Reden: der Vorsitzende der Kölner Jüdischen Gemeinde, ein Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft aus Bonn, ein jüdischer Student und zwei bekannte namhafte Bundestagspolitiker: der Grüne Volker Beck und die SPD-Frau Michaela Engelmaier. Sie alle erklären, warum Hamas der Angreifer, die Israelis Verteidiger sind. An den arabischen Toten ist die Hamas schuld. Die Juden versuchen unter Gefährdung des eigenen Lebens arabische Zivilisten zu schützen. Die Redner werfen den deutschen Journalisten vor, die Wahrheit zu verdrehen und sie dem deutschen Volk vorzuenthalten. Sie warnen sogar vor einem erstarkenden Antisemitismus, wobei mir unbewusst die Bombardierung Dresdens in den Sinn kommt: Wer das Handy der Bundeskanzlerin belauscht, kann auch Dresden platt machen, woran die Juden schuld sind!

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Zum Schluss spricht der größte und beliebteste in Köln lebende Israelfreund Deutschlands. Gerd Buurmanns Blog „tapaferimnirgendwo“ sollte Pflichtlektüre in allen Schulen werden. Eingehüllt in einer großen Israelflagge, die er wie ein jüdisches Gebetsmantel trägt, fragt er die Zuhörer, ob sie als Frauen, Schwule, Christen, Muslime, Juden oder Atheisten lieber in Israel oder in einem arabischen oder muslimischen Staat im Nahen Osten leben wollen. Das ohrenbetäubende Klatschen ersetzt die Antwort.

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Dann marschieren alle laut und zuweilen falsch fröhliche hebräische Lieder und Gebete singend durch die Stadt bis zum Neumarkt. Ein Deutscher ohne Gnade der späten Geburt wagt ein hartes Wort gegen Juden zu erheben. Er bricht mitten im Wort ab, als er die Masse der Judenfreunde erblickt. Auf dem Weg werden an Passanten kleine Israelflaggen verteilt. Manche schwenken sie sogar. Am Ziel angelangt wird die israelische Hymne „Hatikva“, was übersetzt „Hoffnung“ heißt, gesungen. Man bedankt sich bei der Polizei, die mit Schrecken an den nächsten Tag denkt, und geht seines Weges nach Hause.

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Zu Hause angekommen tönt die Nachricht, dass es der israelischen Armee gerade rechtzeitig gelungen ist, arabische Terroristen davon abzuhalten, alle Bewohner eines grenznahen Kibbutz zu massakrieren. Stattdessen hat die tapfere Hamas 54 Milchkühe getötet, um dem Kibbutz die Existenzgrundlage zu entziehen. Die israelische Armee hat nun mit einer Boden-Offensive in den Gazastreifen begonnen. Bald wird es vermehrt tote Araber geben und die Presse darf sich austoben.

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Raubkunst geht an Erben eines NS-Mannes

Aus der Dürener Zeitung vom Montag, 14. Juli 2014

Ein Raubkunstgemälde, das der NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt für Adolf Hitlers „Führermuseum“ kaufte, ist den Nachfahren eines NS-Kasernenwarts zugesprochen worden. Das Amtsgericht München entschied, dass das Bild in den Besitz der Münchner Familie zurückgeht. Die mutmaßliche Eigentümerin Valerie Honig war in der NS-Zeit als Jüdin deportiert und ermordet worden. Laut Bundesamt für offene Vermögensfragen gebe es keine Erben mehr, die Ansprüche geltend machen.

Gurlitt hatte das Gemälde „Bergpredigt“ des flämischen Barockmalers Frans Francken „erworben“ und 1943 an Hitler für dessen in Linz geplantes Museum verkauft. Seit April 1945 galt das Gemälde als verschollen. Dabei gelangte es unter ungeklärten Umständen in den Besitz eines Kasernenwarts und dessen Erbinnen. Ein klarer Eigentümer habe sich jetzt nicht mehr ausmachen lassen – und der Staat habe auch keinen Anspruch geltend gemacht. Die „Bergpredigt“ hat einen Schätzwert von rund 100 000 Euro.

Soweit so schlecht. Doch warum wurde das Bild nicht der NPD zugesprochen? Sie ist schließlich die Nachfolgepartei der NSDAP.

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Die verlorene Mahnwache

Aachen hat Bedeutendes aufzuweisen. Karl der Große hat die Stadt über den Erdkreis berühmt gemacht, im Aachener Dom sind deutsche Kaiser gekrönt worden und die friedensbewegten Bürger der Stadt Aachen sind für ihr Mitgefühl zu Opfern von Kriegen bekannt.

Aachen beheimatet eine prächtige Synagoge, die als Zeichen der Verständigung zwischen den Völkern und Religionen der Stadt am Rand eines bescheidenen islamischen Viertels liegt. Streitigkeiten zwischen Muslimen und Juden werden nicht erwähnt. Sicherheitshalber, sicher unnötigerweise, passt ständig ein bemannter Polizeiwagen vor der Synagoge auf, obwohl der Rechtsextremismus erfolgreich aus Aachen verbannt worden ist und obwohl die Synagoge über einen ausgezeichneten Sicherheitsdienst verfügt, der seinesgleichen in Aachen sucht.

In Aachen leben auch einige Freunde des Staates Israel, die in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft DIG ein Dach gefunden haben. Da die Aachener Bürger, wie die übrigen Bewohner Deutschlands, Israel als Hort des Verbrechens sehen – sie werden nur von Bürger arabischer Staaten in der Kritik an Israel übertroffen – bleiben die 200 Mitglieder der DIG Aachen e.V. gerne anonym, um nicht wie Paria behandelt und von allen gesellschaftlichen Ereignissen der Kaiserstadt ausgeschlossen zu werden. Ein freundlicher Eintrag über die DIG in den führenden bürgerlichen Lokalzeitungen, die alle demselben Verlag angehören, ist so selten, dass sich kaum jemand daran erinnert.

Mahnwache 2014-02

Trotzdem wurde die Presse zu einem äußerst seltene Ereignis eingeladen. Mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Aachen JGA hat die DIG eine Mahnwache für die drei ermordeten jüdischen Jugendlichen und den einen ermordeten jugendlichen Araber in Israel abgehalten. Die Mahnwache dauert nur 30 Minuten. Der Vorsitzende der DIG, Herr Axel Holst, und das Vorstandsmitglied der JGA, Herr Peter Janku, verurteilen alle Morde. Sie sehen keine Unterschiede zwischen einem toten Juden und einen toten Araber. Kein Mord ist gerechtfertigt. Dann beklagen sich die Redner, dass Aufrufe zur Tötung von Juden im arabischen Palästina und auf Demonstrationen in Deutschland die Medien, den Mainstream und die Politik unberührt lassen. Sie betonen die Unterschiede zwischen manchen Arabern, die Morde an Juden öffentlich feiern, und vielen Juden, die den Mord an einem Araber als abscheuliches Verbrechen verurteilen. Im demokratischen Staat Israel werden alle Mörder unabhängig ihrer Nationalität und das ihrer Opfer bestraft. Im diktatorisch und autokratisch regierten arabischen Palästina werden arabische Täter als Helden gefeiert, ihre Familien erhalten fürstliche finanzielle Unterstützungen, die hauptsächlich aus der EU und Deutschland stammen. Aufrührend und bewegend beklagen beide Redner die europäische und arabische Haltung zu den Morden. Die bisher nicht abgeschlossene Suche der israelischen Sicherheitskräften nach den Mördern der drei Juden wird von der EU als unverhältnismäßig betrachtet, während das schnelle Finden der Mörder des arabischen Jugendlichen mit Krawallen und Angriffen auf die israelische Polizei begleitet wird.

Zwischen den Reden spricht der Rabbiner der JGA das jüdische Totengebet.

30 Sympathisanten Israels, Christen und einige Juden, versammeln sich zur Mahnwache vor der Synagoge. Drei Kurden kommen hinzu und bitten um israelische Flaggen. Eine junge Türkin hört mehrere Minuten lang einem Redner zu, bevor sie den Synagogenplatz verlässt. Gelegentlich spazieren vollkommen in Schwarz verhüllten Matronen im angemessenen Abstand hinter ihren Männern an der Mahnwache vorbei, ohne einen Blick zu verlieren. Sechs Polizisten in drei Polizeiwagen sorgen für die Sicherheit. Die gesamte Veranstaltung wird vom unangenehmen Lärm orientalischer Musik begleitet, der aus offenen Fenstern des muslimischen Viertels erschallt und zeitgleich mit Abschluss der Mahnwache endet.

Mahnwache 2014-01

Keine eingeladene Zeitung hat den Termin zur Erinnerung an allen ermordeten Jugendlichen wahrgenommen.

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The Eagle has crashed – Bauchlandung im Schatten der Schimären

Das war zu erwarten gewesen: die Medien-Meute bläst zum Sturm und ihre ´Hörigen´ machen sich wie ausgehungerte Aasgeier über die noch nicht ganz abgekühlten Kadaverreste her. Jeder, der es gestern Abend vor dem Bildschirm miterlebt hatte, konnte heute Morgen, gleich nach oder mit dem Aufstehen, noch immer nicht glauben, kaum begreifen, was da im Schoß der urmütterlichen Fußballnorne wie eine Monstranz aus der Gebärträchtigen Plazenta geplatzt war: so, und nur so werden Überlebensgroße Legenden geboren, deren Mythen man dann manisch nachbetet, passend zu den Anlässen, den Jubiläen und Events. Wir haben es live und in Farbe miterlebt, wir waren, wiewohl im fernen, verregneten Germanien ansässig, hautnah mit dabei: Teutonia schlug mächtig zu – und den Gastgeber unangespitzt in den dampfenden Erdboden hinein. Es gab Momente, die es so noch in keinem Spiel dieser Größenordnung gegeben hatte. Das Halbfinale wirkte plötzlich wie ein Trainingsspiel, die Tore fielen im Minutentakt; das Schützenfest war eröffnet. Eine offene Abwehr und Spieler, denen der Ball von der Fußkante wegplumpst. Endlich schüttelte man den Kopf und irgendwie wich die Begeisterung einer seltsamen Beklommenheit: wird das am Ende gar ein zweistelliges Ergebnis werden und wenn ja: kann und darf das überhaupt sein? Was passiert hier gerade? Kneif mich mal. Häme und Spott, im Netz schon während des Spiels eilfertig in Umlauf gesetzt, mischten sich mit Entzücken und Entsetzen, ungläubigem Staunen, und schließlich, aus dem sicheren Abstand heraus, folgte die übliche, global-konforme Hysterie, als eine, die trotz der weltumspannenden Gemeinde, die ihren Sturmwehen verlässlich folgt, an Autismus grenzt: von den notorischen, jetzt auch wirklich angebrachten, ja wirklich einmal passenden XXL-Superlativen süß-sauer konsekriert. Tatsächlich: Deutschland schlägt die Ersatzbank des letzten FC Grönland mit hundert zu Nullkomma Eins, ist das zu fassen, die Kack-Gelben haben so was von ausgefurzt, ausgeschissen – richtig fertig. Sie sind filetiert, gedemütigt, hingerichtet worden. Stimmt alles. Alles war überhaupt anders gestern Nacht, und nichts mehr so, wie es die radebrechende Expertenriege oder Karl Arsch von der Rudelglotzfraktion auch nur im Traum vorhergesagt hatten: das Ereignis konterkarierte, ganz nebenbei, die an Hirnlosigkeit nicht mehr zu überbietende Tip-Manie, das Fach-Sprech-Kauderwelsch kleinkarierter Kartenleser und überhaupt sämtliche der sorgsam inszenierten Ritualien, die vor, während und nach jedem Spiel das große Kino blähen, gerieten plötzlich zur Groteske, denn keiner konnte auf Anhieb sagen, was hier wirklich geschehen war, die üblichen Allgemeinplätze zogen nicht länger und neue ließen sich in aller Eile nicht mehr aus dem lockeren Ärmel schütteln. Man war überrumpelt, übertölpelt worden: mit einer Bachlandung der brasilianischen Himmelsstürmer hatte keiner gerechnet. Nur die geballte Ladung kolossal getürmten Kommerzes, die bislang jedes Match nahtlos umrahmte, hielt wacker stand. Der Tag danach sorgt dann schon ganz von selbst für die angemessene Hype.

Noch einmal: was war hier geschehen? Das Wunder von Belo, in Wahrheit eine Tragikomödie, setzte noch vor dem Finale am kommenden Sonntag einen Schlussstrich unter eine wahnwitzig überteuerte Rechnung, die von Anfang an nicht mehr aufgehen wollte oder konnte. Gestern waren eben weniger verfehlte Taktik, falsche Vorbereitung oder unzulänglicher Teamgeist Voraussetzungen des Untergangs: im Ergebnis mag das alles eine Rolle gespielt haben, aber die wahren Ursachen und Gründe für die Katastrophe liegen viel tiefer und stellen einmal mehr den ganzen weltmeisterlichen Wanderzirkus in Frage, der Milliarden verschlingt und für immer mehr Unmut im Schatten solcher Spiele sorgt. In Wirklichkeit brach gestern eine so unsäglich wie umständlich gestählte Fassadenwand förmlich in sich zusammen: als handele es sich bei den Einzelteilen um billige Wellblechpappe. Schon lange vorher bröckelte es bedrohlich an allen Ecken und Enden, die Risse waren unübersehbar, aber keiner konnte ahnen, das der Koloss auf derlei tönernen, gläsernen Füssen wankte, strauchelte – in voller Länge endlich abklatschte und zerbarst. Salopp formuliert: die brasilianische Mannschaft wurde Opfer der grotesken Gigantomanie, die das strahlende Mega-Ereignis schon vor dem ersten Anpfiff verdüsterte. Diese überbezahlten Fußballmillionäre sind eben auch nur Menschen. Einem solchen Druck, einer derartigen Dauerbelastung, wie sie seit Monaten auf jedem einzelnen von ihnen lastete, waren sie nicht gewachsen, das hat die flinken ´Fuß-Handwerker´ endlich in die weichen, wackeligen Knie gezwungen. Verdrängt, aber nicht vergessen: Monatelang meuterten die Armen und Entrechteten in dem Land, grenzte deren (absolut berechtigter) Aufruhr an Anarchie und dennoch musste es weiter gehen, und zwar nach Plan, nach Fußball Gottes Plan, und die Ersatz-Götter auf zwei Beinen durften nicht im eigenen Himmel aus allen Wolken fallen, jetzt erst Recht nicht, nun sollte das empörte Volk mit all dem Zauber, der den Helden ziemt, besänftigt und betört, beturtelt und betüddelt werden. Die mächtig maulenden und motzenden Massen mochten einen Moment lang inne gehalten haben. Nationalstolz verpflichtet. In Brasilien darf Brasilien nicht noch einmal wie damals im Jahre Neunzehnhundertfünfzig ehrlos scheitern. Alles kam zusammen. Da staute sich einiges, viel Unverdauliches gärte im vegetativen Kollektiv, und das war am Ende einfach zu viel, das alles hat die Mannschaft zwischen zehnter und dreißigster Minute in einen Zustand stabiler Schreckstarre versetzt und dem Gegner die Gelegenheit gegeben, kurzen Prozess zu machen.

Die Totalexekution der gastgebenden Kickerelite hat mich nicht gerade zu Tränen gerührt. Aber ein wenig leid können sie einem schon tun, die Ballkünstler aus Brasilien. Man verlangte von ihnen, gute Mine zum bitterbösen Spiel zu machen, überhaupt alles vergessen zu machen, was diese WM im Vorfeld so anders gestaltete, als man das gerade im Fußballverrückten Brasilien für möglich gehalten hätte. Die Tumulte waren, wie gesagt, allzu verständlich, sie hielten auch an, aber davon bekam man während der Vorrundenspiele nicht mehr viel mit, das störte jetzt, der Zorn passte nun nicht mehr ins getürkte Bild. Der Skandal blieb. Da waren Unsummen verbraten worden für teure Prestigeprojekte, während die Masse des Volkes weiterhin an der Peripherie knauserte. Die Spieler sollten es dann richten, mussten es den meuternden Millionen recht machen, deren Milliarden an Steuergeldern die Arenen finanzierten, in deren einer die Heroen am Ende so schmählich untergingen. Sie sollten es überhaupt der ganzen Welt, die gebannt vor den Bildschirmen mitfieberte, zeigen; auch sie in Milliardenstärke mit von der Partie. Seht her, sollte es heißen: der Aufwand, der wahnwitzige, war nicht umsonst gewesen, es möge kommen was will – wir verwandeln das fragwürdige Monster-Event in ein strahlendes, mit brasilianischer Leichtigkeit abgefeiertes, in ein tanzendes Fest. Ein Trauerspiel kam am Ende dabei raus. Mit bleischweren Gliedern schleppten und schlichen sich die Traumtänzer vom Feld der Ehre.

Und wo schon dauernd von Millionen und Milliarden die Rede ist: weitere Milliarden sollten am Ende einer solchen Betrachtung auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Es geht um die schätzungsweise fünf Milliarden US-Dollar Reingewinn, den der gemeinnützige Verein Fifa, in Wahrheit eine echte Mafia, allein dank exklusiver Sponsoren, – und Übertragungsrechte schon vor Ende dieser Veranstaltung eingeheimst hat. In den Favelas von Belo Horizonte muss eine Großfamilie mit umgerechnet vier bis fünf Euro pro Tag auskommen. Wut und Trauer werden sich nicht lange die Waage halten. Der Schock wird neue Wellen der Gewalt auslösen. Die meisten von denen, die dann auf die Barrikaden gehen, haben ohnehin nicht viel zu verlieren. Endlich: ob das nationale Trauma hinlangt, eine echte Kehrtwende zu bewirken? Nach der Randale wird aufgeräumt, das Meiste weggeräumt – unter einen großen Teppich gekehrt. Hüben wie drüben.

Shanto Trdic, 09.07.14

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Was ist Antisemitismus?

SteveBelle

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Dieses Bild stammt von Steve Bell, einem Cartoonisten, der vom Israel kritischen Guardian bezahlt wird. Gooogelt man Bells übrige Karikaturen, so fühlt man sich zu Zeiten des Stürmers zurückversetzt.

So lässt es sich einfach erklären, warum Juden und Israelfreunde das Cartoon als antisemitisch ansehen.

Das Bild zeigt ein Gitternetz, welches den Durchblick stört. Das Gitternetz soll wohl die Sicherheitsmauer zwischen Juden und Araber symbolisieren, die Tausenden von Juden das Leben gerettet hat. An der Flagge erkennt man, dass das Land hinter der Sperre jüdisch ist, womit das Gebiet vor dem Gitter arabisch sein muss. Die überdimensionierte Waage steht also auf von Arabern besiedeltem und besetztem Gebiet. Die Toten sind jeweils in ihren Flaggen eingehüllt. Die drei jüdischen Toten wiegen bedeutend mehr als die vielen nicht zählbaren arabischen Leichen.

Das Bild sagt aus, wirft als Karikatur vor, dass tote Juden schwerer wiegen (mehr zählen) als tote Araber. Es darf vermutet werden, dass im Sinne des Bildes auch lebende Juden mehr wert sind als lebende Araber.

Es soll in der Mitte Europas einen Staat geben, das nachdem es in zwei furchtbaren Weltkriegen alle seine echten und vermeintlichen Feinde umgebracht hatte, nun glaubt, nur noch von Freunden umgeben zu sein, was zur Folge hat, dass Kriege ihre Daseinsberechtigung verloren haben. Dieser Staat leidet unter einer gespaltenen Meinung. Es gibt ein politische Meinung, die sich an die Realität orientiert, und eine völkische, die auf Ressentiments und ähnlichen Annahmen basiert. Eine der irrealen Annahmen lautet, dass jedes menschliche Leben gleich wert sei, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Deshalb ist Krieg nicht nur nicht notwendig, sondern zusätzlich verpönt, da er mehr Schwerverletzte erzeugt als Ärzte rechtzeitig versorgen könnten. Die Ärzte müssten sich entscheiden, wen vordringlich zu behandeln, und wer warten muss, keine sofortige oder überhaupt keine Therapie erhält, was der Gleichwertigkeit des menschlichen Lebens vollkommen widerspricht. Das medizinische Zweiklassensystem im Friedensalltag, welches ähnliches Verhalten hervorbringt, wird jedoch akzeptiert, da die Meinungsmacher in ihrer überwiegenden Mehrheit der ersten medizinischen Klasse angehören.

Um die Ungleichheit des menschlichen Lebens zu verstehen, stelle sich der Leser folgende theoretische Situation vor. Es seien die Bundeskanzlerin und ein Zeitungsausträger, der unterhalb des Mindestlohnes bezahlt wird, auf einer einsamen Landstraße in einem Verkehrsunfall verstrickt. Beide sind lebensgefährlich verletzt. Ein medizinisches Hilfsteam ist benachrichtigt und wird in wenigen Minuten am Ort sein. Im Begleitwagen, der nicht beschädigt ist, erkennt der Arzt, dass mit einer Behandlung sofort begonnen werden muss, um irreparable Folgeschäden bis zum Tode hin zu vermeiden. Wen wird der Arzt behandeln? Die Bundeskanzlerin, von der das Wohl und Wehe Deutschlands abhängt, oder den unterhalb des Mindestlohnes bezahlten Zeitungsausträger, der als Alleinernährer eine Familie mit zwei kleine Kindern versorgt?

Falls der Leser immer noch an die praktische Gleichheit des menschlichen Lebens glaubt, so möge er die Bundeskanzlerin durch ein von ihm geliebtes Wesen ersetzen.

Soweit die Theorie. Die nahöstliche und weltweite Praxis stützt ebenfalls die These der Ungleichheit des menschlichen Lebens. Sind nicht vor wenigen Wochen 5 Talibans, die für unzählige Morde und militärische Aktionen verantwortlich zeichnen, gegen 1 desertierten US-amerikanischen Soldaten ausgetauscht worden? Sind nicht vor wenigen Jahren 1027 Araber, die für unzählige Morde und militärische Aktionen verantwortlich zeichnen, gegen 1 israelischen Soldaten ausgetauscht worden? Das Leben eines israelischen Soldaten entspricht somit dem Leben von 200 US-amerikanischen Soldaten oder dem Leben von mehr als 1000 arabischen Terroristen.

Diese Austauschzahlen sind mit Hilfe vieler geachteter Staaten, auch der Bundesrepublik Deutschland, festgelegt worden..

Man darf also dem Karikaturisten Untertreibung vorwerfen. Er zeigt im Bild, was jeder ehrliche Mensch weiß: Das Leben eines Juden ist mehr wert als das eines Arabers, da es bedeutend weniger Juden als Araber gibt und da Juden nicht nur deshalb das Leben achten und lieben. Eine Gruppe, die den Märtyrertod begrüßt, drückt das Lebens ihrer Kinder auf niedrige Werte herab.

Wieso betrachten Juden und Israelfreunde das Cartoon, welches die Wahrheit untertrieben beschreibt, als antisemitisch?

Es ist die Erwartungshaltung. Alles, was ein Antisemit tut, ist antisemitisch.

Hat denn Bileam nicht das Volk Israel gesegnet?

Erschienen unter

https://www.freitag.de/autoren/anti3anti/was-ist-antisemitismus

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