Ist Mohammed ein Islamist?

Europa und Israel

Der darf sich einen Antisemiten nennen,
der zum eigenen Nachteil
Juden schadet.

800 israelische Intellektuelle fordern die EU auf, Arabisch-Palästina als Staat anzuerkennen, darunter Amoz Oz, den ich als Schriftsteller sehr schätze, seitdem ich einige seiner Bücher im Original (!) gelesen habe. Am 17.12.2014 ist das EU-Parlament dem Ansinnen der Intellektuellen gefolgt, nachdem der Europäische Gerichtshof EuGH verfügt hatte, dass die islamistische Palästinenserorganisation Hamas nicht mehr auf der EU-Terrorliste geführt werden darf, weil die zugrundeliegenden Beschlüsse der EU-Staaten wegen Verfahrensfehlern nichtig sind.

Die israelischen Intellektuelle bilden sich nun ein, dass die EU-Parlamentarier deshalb Arabisch-Palästina als Staat anerkannt haben, weil sie den Israelis zugehört haben. EU-Parlamentarier hören keinem Juden zu, selbst wenn er sich gegen den Judenstaat positioniert. Es gibt in Europa und bevorzugt in Deutschland einige zum Neutralsemitismus neigende Organisationen, die Juden bezahlen, weil sie Israel schaden, doch die EU gehört nicht dazu. Sie hat es nicht nötig. Ist der Ruf erst ruiniert …

Lediglich bornierte Antizionisten sehen in der zeitlichen Nähe zwischen Aberkennung des Terroristen-Status der Hamas und der staatlichen Anerkennung Palästinas einen puren Zufall. Schließlich sitzen die nicht-mehr-Terroristen in der palästinensischen Regierung! Um jedem Antisemitismus vorzubeugen, schiebt der EuGH Verfahrensfehler vor.

Das Ergebnis der Abstimmung im Europa-Parlament EP ist irrelevant, da die Anerkennung den einzelnen noch souveränen EU-Staaten obliegt und nicht der EU als Ganze, welche selber noch kein anerkannter Staat ist. Viele Profiteure in spe bemühen sich um die politische Union Europas, die ihnen auch irgendwann – hoffentlich nicht zu unseren Lebzeiten – in den Schoß fallen wird. Denn dieser Staat wird zwar reich und wirtschaftlich mächtig, jedoch keine Demokratie sein. Bereits Karl der Große, der erste bedeutende Europäer, hat es vorgebahnt.

Anderseits – was wäre denn schlimm daran, wenn die EU-Europäer unter einer gelenkten putinartigen Diktatur vegetieren würden? Die Immigration von Muslimen, seien sie unausgebildete Arbeitskräfte aus Nordafrika und Spanien, asylsuchende Flüchtlinge aus Scharia-Ländern oder verdeckte Terroristen aus dem Nahen Osten, würde nicht nachlassen. Der Sinn des EU-Seins ist doch die Einwanderung von Menschen fremder Kulturen, die unseren Luxus erhalten, politisch korrekt: uns auf ihre Knochen bereichern! So versteht der gebildete, von Armut nicht geplagte Bürger die von allen bezahlten Meinungsmacher und die von allen gewählten und bezahlten Politiker.

Die EU wird den Nahen Osten nicht ändern. Der Orient gehorcht Gesetzten, die bedeutend älter als Europa sind, ja Europa erst hervorgebracht haben. „Europa“ kommt aus dem Semitischen und bedeutet „Abendland“ oder das „Land im Westen“ – vom Orient aus gesehen.

Was den Leser interessiert, sind die Konsequenzen des europäischen Tuns. Der Leser will wissen, ob er auswandern oder russische Staatsanleihen kaufen soll. Da mehr Menschen Deutschland verlassen als dort hineingelassen werden, empfehle ich die Staatsanleihen, jedoch US-amerikanische, auch brasilianische und VR-chinesische.

Welche gesellschaftlichen und politischen Folgen hat die Anerkennung Palästinas als Staat durch die EU? Die aktuellen Schlagzeilen liefern die Stichworte:

Der islamistische Terror ist die große Herausforderung unserer Zeit, doch es fehlen die Rezepte, ihn einzudämmen – da sind alle Staaten gefordert.

Die Bluttat der pakistanischen Taliban verstößt gegen die Grundlagen des Islam.

Keine Trennung zwischen „guten“ und „schlechten“ Terroristen!

Fortsetzung folgt.

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Islamischer Antisemitismus oder lieber PEGIDA?

In memoriam Ralph Giordano
Vorbild und Kämpfer für die Wahrheit

Aceh ist eine Provinz des Inselstaates Indonesien. Viele internationale Ölfirmen haben sich in Aceh niedergelassen. Wegen Korruption herrscht trotz (wegen?) Ölreichtum bittere Armut unter der Bevölkerung. Vor genau 10 Jahren hat dort ein Tsunami mindestens 170.000 Menschen das Leben gekostet. Die Spendenbereitschaft der Deutschen hat damals eine Milliarde € nach Aceh gespült. Wie wenig Geld sein beabsichtigtes Ziel erreicht hat, bleibt für immer unbekannt.

Seit 2005 ist die Provinz Aceh autonom. Das islamische Recht, die Scharia, wurde eingeführt. Eine Kirche nach der anderen wird geschlossen. Verbrecher werden öffentlich ausgepeitscht. Die Regierung überlegt die Einführung der Steinigung für verheiratete Frauen, die vergewaltigt worden sind.

Indonesien und Aceh liegen weit entfernt, sodass sich kaum Unmut unter den großzügigen deutschen Spendern ausbreitet. Tiefer ins Bewusstsein dringen die menschlichen Bestialitäten der Kämpfer für einen Islamischen Staat in Assyrien, den ehemaligen Staaten Syrien und Irak. Die meisten Krieger Gottes sind Saddam-Getreue und weltweite Dschihadisten, einige sind Kriminelle. Alle geben vor, gottesfürchtige Muslime zu sein.

In Deutschland hat sich die Vereinigung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ PEGIDA gebildet. Das Ziel der PEGIDA ist es, den Trägern des Islams, also den Muslimen, den weiteren ungehinderten Zuzug nach Deutschland zu erschweren, am liebsten unmöglich zu machen. PEGIDA hat einen guten Zulauf unter der Bevölkerung, die Demonstrationen verbreiten sich von Dresden aus in ganz Deutschland, die Zahl der Demonstrierenden nimmt stetig zu.

Als Reaktion haben sich gegnerische Gruppierungen zur PEGIDA gebildet, die zeitgleiche Gegendemonstrationen in denselben Städten organisieren.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Herr Aiman Mazyek, ist gegen PEGIDA eingestellt. In Dresden soll er gesagt haben, dass die Slogans der Demonstranten zeigen, dass Ausländerfeindlichkeit und antisemitischer Rassismus salonfähig geworden sind. Auch die Jüdische Gemeinde Dresden soll an den Gegendemonstrationen teilgenommen haben. Ihre Vorsitzende Nora Goldenbogen erklärt, wie wichtig es sei, Menschen in Not zu helfen: „Wir Juden wissen das. Während des Holocausts wäre die Zahl der Opfer noch viel höher gewesen, wenn es nicht überall auf der Welt Menschen gegeben hätte, die bereit gewesen waren, Flüchtlinge aufzunehmen.“

Es ist nicht auszuschließen, dass PEGIDA die Rückführung von Muslimen in ihre Heimatländer oder der ihrer Vorfahren fordern wird. Derzeit wollen sie nur den Zuzug von Muslimen nach Deutschland beenden. PEGIDA bekämpft nicht die Scharia im Ausland. Den PEGIDA-Demonstranten ist es gleichgültig, ob Ehebrecherinnen in Indonesien oder Saudi-Arabien gesteinigt werden. Es ist ihnen genauso gleichgültig wie der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands.

PEGIDA ist gegen die Einführung der Scharia in Europa und Deutschland, eine Forderung, die jeder Leser unterschreiben wird, der kein Frauenhasser, nicht homophob oder Islamist ist. PEGIDA vermittelt jedoch das Gefühl, dass Muslime in Deutschland bereits den bestialischen Gesetzen der Scharia unterstehen oder bald unterstehen werden mit anschließender Islamisierung des Abendlandes, wenn der Zuzug von Muslimen nicht gestoppt wird. Nun gibt es bekannterweise Ehrenmorde und andere Verbrechen unter Muslimen in Deutschland. Die muslimischen Täter werden wie gewöhnliche Kriminelle behandelt. Es gibt oder es darf keinen Islam-Bonus vor Gericht geben, was nicht nur von PEGIDA-Anhängern angezweifelt wird.

Das Problem ist der Ehrenmord an sich, der in der abendländischen Gesellschaft nicht mehr üblich ist und deshalb Befremden auslöst. Ehrenmorde sind zwar unter Muslimen eine ausgesprochene Seltenheit, jedoch ist ein Ehrenmord in Deutschland immer mit Muslimen vergesellschaftet. Des Weiteren existiert eine islamische Paralleljustiz und eine unter Musliminnen selten praktizierte Ganzkörperverschleierung in der Öffentlichkeit, die nach Meinung vieler Deutschen gesetzlich verboten ist, was ein Irrtum ist. Die Ganzkörper- und Gesichtsverschleierung ist in der Öffentlichkeit erlaubt. Verboten ist sie bei Demonstrationen. Paralleljustiz ist eine Notwendigkeit, wenn die überlasteten deutschen Gerichte arbeitsfähig bleiben sollen.

Islam-01

PEGIDA arbeiten folglich mit Halbwahrheiten, um ihre Ziele zu realisieren, obwohl sie keine Partei sind.

Zu fragen bleibt, warum die Ganzkörperverschleierung in der deutschen Öffentlichkeit erlaubt, hingegen in einigen großen liberalen demokratischen Staaten der EU verboten ist.

Die nächste Frage lautet, warum die Einschränkung des Zuzugs von Muslimen ethisch verwerflich sein soll. Deutschland als größtes Land der EU nimmt zwar die meisten Einwanderer, Flüchtlinge und Asylanten auf, nicht jedoch bezogen auf die eigene Einwohnerzahl. Hier steht Deutschland im unteren mittleren Drittel. Warum sollen christliche Flüchtlinge nicht bevorzugt werden? Wenn der deutsche Staat die Zahl der nach Deutschland Wollenden weiterhin derart stark einschränkt, dann darf er dies ethisch korrekt auf Kosten der Muslime ausführen. Die Abschiebung von Muslimen steht nicht auf der Agenda.

Was wollen die Gegendemonstranten der PEGIDA? Sind sie gegen die Ideen der PEGIDA oder gegen PEGIDA?

Wahrscheinlich sind die meisten Gegendemonstranten Gegner der PEGIDA, weil dies momentan politisch korrekt ist. Selbst Juden hängen diesem Prinzip an. Die Vorsitzende Nora Goldenbogen irrt. Die Zahl der Holocaust-Opfer wäre nicht viel höher gewesen, wenn es nicht überall auf der Welt Menschen gegeben hätte, die bereit gewesen waren, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Zahl der Holocaust-Opfer wäre viel niedriger gewesen, wenn es auf der Welt einen Staat gegeben hätte, der bereit gewesen wäre, alle Juden aufzunehmen, wenn also Israel bereits existiert hätte. Doch die Gründung Israels wurde von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges aus Eigennutz hintertrieben. Nach dem Holocaust konnten die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges die Gründung des Judenstaates nicht mehr verhindern. Seitdem ist die Zahl der von Antisemiten umgebrachter Juden auf einen Tiefpunkt gefallen. Der Holocaust ist also nicht nur für Juden kein Grund, gegen PEGIDA zu agieren. Insbesondere wenn der oberste deutsche Muslim behauptet, dass Ausländerfeindlichkeit und antisemitischer Rassismus in Deutschland salonfähig geworden sind, ohne zu erwähnen, dass Muslime eine große Schuld am deutschen Antisemitismus tragen. Nebenbei, Antisemitismus ist kein Rassismus.

Die Erwähnung des Holocausts ist auch deshalb ungehörig, weil vertriebenen Muslimen eine Vielzahl islamischer Staaten offensteht, die nach ihrer Staatsraison Muslime beschützen sollten. Andrerseits soll nicht vergessen werden, dass viele Muslime deshalb ins nicht-muslimische Deutschland übersiedeln und fliehen, weil sie das Leben in einem islamischen Staat nicht aushalten. Dummerweise haben sich islamische Zentren in Deutschland etabliert, die im Namen aller Muslime zu sprechen vorgeben, was Ressentiments unter deutschen Nicht-Muslimen verstärkt. Offizielle deutschen Muslime instrumentalisieren den Islam somit genauso wie Islamisten.

islamophobie

Sind die Gegendemonstranten Gegner der Ideen von PEGIDA?

Bezüglich des islamischen Auslandes, wo die Scharia gehandhabt wird, sicherlich nicht. Gegner wie Anhänger PEGIDAs sind nicht bereit, für Muslime zu kämpfen und zu sterben, die von der Scharia geknechtet werden. Selbst hohe kirchliche und linke Kreise sind gegen Waffenlieferungen in den Nahen Osten, selbst wenn es um die Vermeidung eines Genozids geht. Ein militärischer Einsatz gegen Islamisten zum Schutz wehrloser Menschen, seien sie Muslime, Jesiden oder Christen, wird von der übergroßen Mehrheit der deutschen Bevölkerung strikt abgelehnt. Unter dieser übergroßen Mehrheit fallen PEGIDA-Anhänger sowie PEGIDA-Gegner. Unter der winzigen Minderheit, die sich einen militärischen Einsatz zum Schutz von Islamisten bedrohter wehrloser Menschen vorstellen kann, fallen wohl fast alle Juden – mit Ausnahme von PEGIDA-Gegendemonstranten.

Wenn PEGIDA-Anhänger gegen einen weiteren Zuzug von Muslimen – darunter zwangsweise auch Islamisten – nach Deutschland und Europa sind, dann müssten PEGIDA-Gegendemonstranten für einen weiteren Zuzug von Muslimen und Islamisten nach Deutschland sein. Den Zuzug von Islamisten werden die Gegendemonstranten hoffentlich nicht begrüßen. Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen sicher auszuschließen. Niemand weiß, wie viele Islamisten sich unter den muslimischen Flüchtlingen verstecken. Während also PEGIDA-Anhänger strikt gegen einen weiteren Zuzug von Islamisten nach Deutschland und Europa sind, indem sie allen Muslimen den Zuzug verweigern, akzeptieren PEGIDA-Gegendemonstranten diese Gefahr, um muslimischen und zwangsweise einigen islamistischen Flüchtlingen zu helfen. Die derzeitige Politik entspricht den Vorstellungen der Gegendemonstranten. Die Zukunft allein wird es zeigen, welche Vorgehensweise die richtige gewesen sein wird.

Auch wenn die Wahrheit unangenehm ist: Für Juden ist der Zuzug von Muslimen immer von Nachteil. Der Anteil von Antisemiten/Antizionisten unter Muslimen ist bedeutend höher als ihr Anteil von Juden- und Israelfreunden, inklusiv der wenigen Muslime, die sich gegenüber Juden und Israel neutral verhalten. Beim Anblick der Dresdener Synagoge zwingt sich der Vergleich einer mittelalterlichen Festung mit Schießscharten auf. Andere Synagogen in Deutschland sind mit Stacheldraht bewehrt, eine von Panzersperren umgeben. Die Sicherheitsvorkehrungen dienen weniger der Abwehr biodeutscher Neonazis als militanter Muslimen. Man nenne eine Kirche oder eine Moschee in Deutschland, die eine ähnliche militärische Abwehr aufweist!

Es ist der islamische Antisemitismus, der die einst blühenden jüdischen Gemeinden in fast allen muslimischen und arabischen Ländern ausgelöscht hat. Aus diesen vom islamischen Antisemitismus geprägten Ländern kommen die Flüchtlinge, gegen die sich PEGIDA stellt.

Ist PEGIDA antisemitisch?

Wahrscheinlich nicht. Die wenigen Juden, die es nach Deutschland zieht, assimilieren sich in Windeseile, gehen in ihrer nicht-jüdischen Umgebung auf. Von den 300.000 jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion, die nach 1989 nach Deutschland eingewandert sind, sind 2/3 spurlos verschwunden. Juden brauchen in Deutschland nicht mehr drangsaliert zu werden, um in Luft aufzugehen.

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Ein Stolperstein für Tuğçe

Tuğçe Albayrak ist eine Heldin. Nicht nur in der Türkei und in Deutschland wird sie als Lichtgestalt bewundert. Zeitungen aus der ganzen Welt verbreiten Nachrichten über ihren Mut und ihre Beerdigung.

Im Internet haben sich schnell Fanclubs gegründet, die eine würdige Ehrerbietung für ihre Heldentat fordern. Mangels Fantasie wird immer wieder das Bundesverdienstkreuz vorgebracht, welches kaum etwas mit Ehre und Tugend im Sinn hat und der tapferen Heldin nicht gerecht wird, die ihr Leben bei der einsamen Rettung bedrängter Frauen in einem gut besuchten McD aufs Spiel gesetzt und verloren hat. Zumal ein Bundesverdienstkreuz ein Kreuz ist, welches bei Muslimen, seien sie Alawiten oder Türken, vollkommen deplatziert ist.

Wo soll denn das Kreuz aufbewahrt werden? Auf dem noch nicht bestellten Grabstein? Oder gar über der Haustüre der Familie, wo dann die Gefahr besteht, dass ein Kirchenmann irrtümlich zur Weihnachtszeit das Kreuz in ein „+ C + M + B +“ einbettet zum Beweis der gelungenen postmortalen Integration? Nein! Wenn, dann sollte lieber Tuğçes verhinderter Ehemann das Kreuz als Kompensation erhalten. Hätte er sie vor dem Tod geheiratet, dann wäre er jetzt Witwer ohne Rentenbezug. Möglicherweise wäre sie noch am Leben, da ein fürsorgender muslimischer Ehemann seine Frau abends nicht alleine in Offenbach ausgehen und in ein Lokal dinieren lässt, selbst oder weil es sich um eine McD-Filiale handelt.

Tuğçe Albayrak verdient etwas besseres als ein Bundesverdienstkreuz, sie verdient einen Stolperstein! Gunter Demnigs lukratives Stolpersteingeschäft versteht sich als Gesamtkunstwerk. Die allermeisten Stolpersteine erinnern an Juden, weshalb die mit Messing bekronten Pflastersteine Goldzähnen ähneln, die den Vergasten aus den Kiefern ausgeschlagen worden sind. Die Pflastersteine ermahnen außerdem lebende Juden, dass sich die Vergangenheit wiederholen wird, wenn die gesellschaftlichen Umstände es erfordern, z.B. ein verlorener Krieg Israels gegen seine muslimischen Nachbarn.

In letzter Zeit hat sich das Stolpersteingeschäft auf Nichtjuden ausgeweitet, die während der deutschen Naziherrschaft ums Leben gekommen sind oder unter ihr gelitten haben. Meistens handelt es sich um Pfarrer, die von ihrer Gemeinde verraten worden sind. Ausnahmsweise erhält ein Sinti oder Homosexueller einen Gedenkstein. Die Unkosten liegen bei 120 € pro Pflasterstein mit beschrifteter Messingkrone, im Ausland kostet es 300 €.

Meistens werden die Steine unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlegt, die sich danach besser fühlt. Ein nicht zu unterschätzender Teil der anwesenden Zuschauer ist dem Judenstaat Israel gegenüber kritisch bis hasserfüllt eingestellt; für sie ist die Teilnahme ein Persilschein, der sie vom Antisemitismus reinwäscht. Diese zahlenmäßig nicht zu unterschätzende Gruppe wird sicherlich gerne an der Pflastersteinverlegung für unsere Heldin teilnehmen. Aus ihrem noch nicht gelöschten Facebook-Account kann der Interessierte sich nicht nur über ihre fremdenfeindlichen Ansichten zu Israel überzeugen, sondern auch ihren strengen türkischen Nationalismus bewundern. De mortibus nihil nisi bene.

Im Messing soll anstelle von Sternen oder Kreuzen ein türkischer Halbmond eingeritzt werden, um dem mutmaßlichen Willen der Toten zu entsprechen.

Wo soll der Stolperstein verlegt werden? Nicht auf dem Gehweg vor dem Haus der Familie. Der Stein könnte auf den ersten oberflächlichen Blick für einen Judenstein gehalten werden, was bei Stolpersteinverlegungen vor Moscheen zu unschönen Szenen führt. Außerdem soll der Eindruck vermieden werden, dass der Hausbesitzer oder der Vorbesitzer ein Schnäppchen beim Kauf des Hauses auf Grund der Judenermordung gemacht hat. Nein, der würdige Stein soll auf dem Parkplatz vor dem McD in Offenbach eingelassen werden, genau dort, wo unsere Heldin gestorben ist.

Doch da entsteht ein finanzielles Problem. Es ist dem Stolpersteinkünstler Gunter Demnig nicht zuzumuten, wegen eines einzigen Steines den Tatort aufzusuchen. Andrerseits ist es unethisch, auf weitere Todesfälle auf diesem Platz vor dem McD zu warten, obwohl die Örtlichkeit bei Dunkelheit dafür prädestiniert ist. Deshalb sollten zuständige Organisationen oder Behörden aufgefordert werden, einige Pfarrer beizusteuern, die von ihrer Gemeinde an die Nazis verraten worden sind und während oder kurz nach der Nazizeit gestorben oder umgekommen sind, was nicht allzu schwierig sein darf.

Der Tod von Tuğçe Albayrak hat auch sein Gutes, bringt Hoffnung für die Zukunft. Als Organspenderin wird sie mehrere Leben retten, darunter nicht nur reiche Ölscheichs. Ihr früher Tod, noch bevor sie Lehrerin geworden ist, wird es hoffentlich erschweren, dass nicht nur unter Muslimen vorkommende xenophobe Ansichten in die sich entwickelnden Gehirne Jugendlicher eingehen. Und schließlich wird ihr Tod keine rassistische Ausschreitungen nach sich ziehen, da ihr Totschläger zum Glück ein Moslem ist.

Insel

Nachtrag:

Vor einigen Tagen bedroht ein Räuber die Kassiererin eines Supermarktes in Hannover mit einer Waffe und fordert Geld. Ein 21 Jahre alter Tuğçe-Nachahmer mischt sich ein und wird erschossen.
Verdient der Supermarktheld einen Stolperstein oder reicht das Bundesverdienstkreuz aus?

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Postnationalismus

Der Postnationalismus ist ein Gedankenkomplex, der unter „Nicht-Nationalismus“ fällt. Postnationalisten sind Menschen, die sich nicht einer Nation oder einem Nationalstaat verpflichtet fühlen, sondern einer übergeordneten und größeren Gruppe angehören wollen. Der Postnationalismus folgt zeitlich dem Nationalstaat, benötigt ihn als Vorläufer, der Nicht-Nationalismus hingegen braucht keinen vorausgehenden Nationalstaat.

Im Folgenden werden beide Begriffe austauschbar verwendet.

Der Grundgedanke der Europäischen Union EU besteht darin, dass sich der Postnationalismus durchsetzt. Er herrscht schon heute dort, wo Bürger sich für die Zugehörigkeit zu einem Nationalstaat schämen und ihn zu überwinden wünschen. Deutschland ist Vorreiter. Diese Bürger unterstützen jegliche Zuwanderung von Menschen, unabhängig davon, ob sie gebraucht werden oder vom Staat, eigentlich der Gesellschaft, alimentiert werden müssen. Die Zuwanderer brauchen nicht einmal die Landessprache zu verstehen.

Das Motto der deutschen Postnationalisten lautet: Kein Mensch ist illegal. Abstrakt ist der Satz absolut wahr, in der Praxis führt er zum Bürgerkrieg, dann zur Vernichtung des Staates, oder umgekehrt. Dies ist den Postnationalisten bewusst. Als nachahmenswerte Beispiele dienen Syrien und der Irak nach oder auch vor ihrer Unterjochung durch den Islamischen Staat IS.

Die scheinbar planlose Einwanderung ist die Folge des Postnationalismus. Der Grund, Deutschland zu verachten, liegt in den beiden Weltkriegen, die Deutschland begonnen und verloren hat. Insbesondere die Schuld des Holocausts während des Zweiten Krieges drückt überschwer. Die Auseinandersetzung mit einem der größten Verbrechen der Menschheit ist missglückt. Der Antisemitismus, der zu diesem für Juden singulären Unglück geführt hat, ist nach dem Krieg nicht verschwunden, er wurde nur unterdrückt. Nun bricht er wieder aus. Für einen antifaschistischen Deutschen, wofür sich die meisten Meinungsbildner halten, ist damit das Todesurteil für Deutschland gesprochen. Die forcierte Immigration von Menschen, die eher der Gemeinschaft schaden als nützen, ist ein probater Weg, das Todesurteil zu vollstrecken.

Für nicht wenige Postnationalisten ist selbst die EU noch zu klein. Sie streben das Aufgehen Deutschlands und aller anderen Staaten in eine Weltregierung, selbst wenn diese Regierung eine Diktatur ist und in den USA liegt. Ein Krieg, wenn überhaupt, ist für Postnationalisten nur denkbar, wenn die UNO diesen befiehlt. Eine militärische Auseinandersetzung, um einen Völkermord zu bekämpfen, ist nicht möglich und nicht vorgesehen, schon gar nicht ein militärischer Einmarsch um wirtschaftliche Vorteile.

Eine weitere bekannte Gruppe, die sich dem Nicht-Nationalismus verschrieben hat, sind die Juden. Nachdem sie vor beinahe 2.000 Jahren von den Römern besiegt und aus ihrer Heimat, die heute seltsamerweise Palästina heißt, vertrieben worden sind, haben sie über keinen Nationalstaat verfügt, der ihnen ermöglicht hat, ihr Leben selber zu verteidigen. Ein Drittel der jüdischen Nicht-Nationalisten ist deshalb von den deutsch-nationalen Sozialisten und ihren Helfern ermordet worden.

Mit der Gründung des Staates Israel verlieren viele Juden den Status der Postnationalisten. Der über 2.000 Jahre vaterlandslose Jude wird zum Nationalisten! Da nur die Hälfte aller Juden in Israel lebt, dürfen die verbliebenen Juden als Postnationalisten angesehen werden. Doch ihre Wirtvölker betrachten diese wandernden Juden als Anhänger und 5. Kolonne des Judenstaates. Die Meinungsmacher Deutschlands misstrauen ihnen nicht nur, sondern bekämpfen sie zusätzlich. Da nützt auch nichts die Wahl eines überkorrekten, einem Cartoon entsprungenen deutschen Juden, der ohne Akzent seine Muttersprache Deutsch spricht, zum Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Die weltweit größte Gruppe der Nicht-Nationalisten bilden Muslime der Umma. Zur Umma gehören nach dem Willen des Religionsstifters und weiterer offizieller Muslime alle Menschen, die sich zum Islam bekennen. Alle gottergebenen allgemein bekannten Menschen, wie Abraham und Jesus, sind Muslime, auch wenn der Islam nicht vor dem 6. Jahrhundert entstanden ist. Folglich sind alle gute Menschen Muslime, weshalb die Konversion zum Islam nur eine lästige Floskel ist. Den Nicht-Muslime ist noch nicht bewusst, dass auch sie bald der Umma angehören werden.

Wie verhalten sich Postnationalisten zueinander? Nach Marxistischer und anderen historischen Lehren sind alle Postnationalisten in Frieden miteinander lebende Brüder, da nur der Nationalstaat aus niedrigen Beweggründen Kriege führt. Der bisher siegreiche Kampf des IS ist keine Ausnahme der von Gott vorgezeichneten Geschichte. Islamisten dürfen keine Muslime sein und gehören somit nicht der friedliebenden Umma an.

Deutsche Meinungsmacher und Muslime sind infolgedessen Verbündete. Juden hätten nicht einmal Teil dieses Friedensbündnisses sein können, wenn sie auf die Eigenstaatlichkeit verzichtet hätten. Konsequenterweise sind deutsche Meinungsmacher und Muslime gegen einen unabhängigen Staat Kurdistan. Sie sind jedoch für die Anerkennung eines judenreinen Palästinas, um den Juden vorzugaukeln, dass sie sich den Postnationalisten und der Umma anzuschließen dürfen.

So wird es verständlich, weshalb Rechte und Linke gemeinsame Sache mit Muslimen machen, wenn es gegen Juden und Israel geht. Die Postnationalisten haben den üblichen gemeinsamen Feind wiederentdeckt. Wie der Jude gleichzeitig die Schuld am Kommunismus und am Kapitalismus trägt, so ist er nun zusätzlich und gleichzeitig Schuld am Nationalismus und am Anarchismus. Dem Juden gelingt es, Feuer und Wasser, Nazis und Pazifisten, Islamisten und deutsche Rechtsradikale zusammenzuführen.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört!

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Tot; fürs Vaterland

Den schlaffen Körper hielten nur noch Apparate künstlich am Leben, aber die Erregung, die öffentliche, nicht minder künstlich, hatte sich längst wie eine Pandemie ausgebreitet. Der Leichnam war noch ganz warm, da ging die Hype, die elende, einmal mehr so richtig los. Post mortem nihil? Mitnichten. Das Trauerzeremoniell, von der üblichen Prominenz begleitet und inszeniert wie ein Event, bewies: der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Damit kennen sich die Teutonen wahrlich aus. In Sachen Totenkult macht ihnen keiner was vor, das konnten sie schon damals, vor Jahrzehnten, richtig gut. Mögen sich die leibhaftigen Nachgeburten heute hinter eifernder Moral und triefender Empörung verstecken: wenn ihre Fackelträger aufmarschieren, dann bebt die Erde und flammt der Himmel. Trauerfeier für Tugce – so stand es tatsächlich in meiner Tageszeitung. Na also: WIR sind Tugce. Die Kondolenz duzt im endlosen Dutzend einen Menschen, den nur wenige im wirklichen Leben persönlich gekannt haben, und etliche derer, die das so schamlos tun, forderten schon per Online-Petition die posthume Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Das wäre dann noch so eine Geschmacklosigkeit, gegen die sich die couragierte Studentin nicht mehr zur Wehr setzen kann. Ich will hier nicht so weit gehen wie der alte Schmidt, genannt Schnauze, der die Verleihung dieser Hundemarke einst knorke ausschlug. Er hielt eine Annahme schlicht für unanständig. Die Familie Albayrak sollte, diente man ihrer verstorbenen Tochter tatsächlich diesen fragwürdigen Orden an, dennoch zuschlagen, denn damit kommt immerhin etwas Geld rein, das werden diese Menschen gut gebrauchen, vielleicht sogar sinnstiftend anlegen können.

Das Bundesverdienstkreuz, äußerlich einem militärischen Ehrenmal ähnelnd, soll für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellen, geistigem oder ehrenamtlichen Gebiet verliehen werden. Die junge Frau, deren Tod wir heute beklagen, hat aber gerade dazu die Gelegenheit nicht mehr erhalten. Sicher hätte gerade sie das Zeug dazu gehabt, auf dem einen oder anderen der genannten Felder Grosses zu leisten. Sie kam nicht mehr dazu. Die Täter (deren einer sie tötete) haben es ihr versaut. Jene also, die sie niedermachten und solche, die – sieht man auf dem Video deutlich – einmal mehr rum standen und Maulaffen feil hielten: haben´s am Ende verbockt. Und das, was die junge Frau tat, wird in Wahrheit durch dieses nachträgliche Renommiergehabe, dessen schamloser Gipfel durch eine Verleihung des Verdienstkreuzes erreicht wäre, völlig entwertet.

Wir sollten auch einmal etwas genauer zusehen, welche Figuren es sind, die den Vaterlandsorden (es ist einer, wie der Erlass über die Stiftung betont) bisher schon verliehen bekamen. Man könnte sich auch die Fragen stellen, was etwa der Friedensnobelpreis noch taugt; der, den Auftrags-Mörder wie Barack Obama (sie wissen schon: die Drohnen) oder Terroristen vom Schlage des verstorbenen Jassir Arafat in Empfang nehmen. Das mindert nicht die Taten ´Guten´, die ihre Auszeichnungen völlig zu Recht erhielten. Aber der Preis selbst taugt immer weniger. Am besten schaffte man ihn ganz ab. Gilt auch für´s deutsche Kreuz. Machen sie sich mal die Mühe und sehen sie selbst nach, wem die Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland im Laufe von Jahrzehnten die in insgesamt acht Varianten erhältlichen Wimpelchen zuerkannt haben – da kann man schon staunen. So mancher dieser ausgezeichneten ´Staatsschurken´, etwa der Schah von Persien, galt schon zu Lebzeiten als wenig zimperlich. Oder nehmen sie Qabus Ibn Said, den amtierenden Sultan von Oman, der sich seinerzeit auf übliche Weise an die Macht putschte (blutig, natürlich) und wie ein echter Märchenprinz über acht (!!) königliche Palastanlagen verfügt plus Jachten und Begleitschiffe. Tugce A. geriete, machte Herr Gauck ernst, gleich nach ihrem Tod erneut in miese Gesellschaft, wie schon kurz davor; und sie kann dann schon wieder nichts dagegen tun, wie denn die ´Anständigen´, die ihr Ableben Achselzuckend verfolgten, es auch nicht verhindern konnten oder wollten. Endlich sollte man auch einmal darüber nachdenken, wer alles nicht ausgezeichnet worden ist – und es wirklich mal verdient gehabt hätte. Preise, die von den Lemuren verliehen werden, gehörten, finde ich, entweder abgeschafft oder gleich in den Müll. Basta.

Was kann, was darf man abschließend zu dem Vorfall und seinen ´Nachbeben´ noch anmerken? Kaum Gutes, wie mir scheint. Wieder einmal ist es so, dass eine profilierungssüchtige Meute nach vorn drängelt, als Masse Mensch, die sich wichtig tut im Schatten einer feigen Tat. Liegt das vielleicht (auch) daran, das die meisten von denen es selbst sind – feige? Richtig schlecht muss einem werden, wenn man sieht, wie Politprofis in Talkshows den Anlass dazu nutzen, um mit ihren politischen Gegnern abzurechnen; freilich gut getarnt, versteckt hinter wohlfeilen Phrasen, was die Fälle umso ätzender gestaltet; nehmen sie etwa die Sticheleien der Frau Künast gegen den Herrn Gauck (neulich, in einer Talkshow im Dritten).

Eine mutige junge Frau musste sterben, weil sie etwas tat, was wenige andere auch immer wieder tun; einfach, weil es ihnen selbstverständlich scheint, und meist geht glimpflich aus, was hier zur Katastrophe führte. Tugce A. hatte Pech. Sie traf der Schlag. Von ihrem Mut könnten sich jene, die im schützenden Kollektiv blöken, etliche Scheiben abschneiden.

Das vor kurzem veröffentlichte Video passt so gar nicht zu den Abgesängen unserer Leitmedien, denen gern zu groß gerät, was sich kleiner offenbar nicht gut genug verkaufen lässt. Es zeigt auf banale, fast beschämende Weise, wie wenig ein einzelnes Menschenleben wert ist, wie beiläufig der Akt der Auslöschung gerät – wie schnell so was geht, passt man nicht auf.

Wie auch immer: es wird, wette drauf, einmal mehr eine der üblichen Stiftungen gegründet werden, natürlich gegen Gewalt und für Zivilcourage (erinnern sie sich an den Fall Johnny K.) und bis zum nächsten Mal hat es sich damit. Einige dieser Male später wird der Täter (der, wo zugeschlagen hat) sein dritte oder vierte ´After-Knast-Reha´ gekippt oder durchgezogen haben; je nachdem – und die nächste Chance kommt bestimmt: für ihn und solche, die sein Erbe antreten werden. Der Rest läuft dann wieder per Autopilot.

 

Shanto Trdic, 03.12.14

 

 

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Der Papst in Istanbul

„Wir können uns nicht abfinden mit einem Nahen Osten ohne Christen“, spricht der oberste Katholik in Istanbul. Damit steht der Papst einsam da, denn weltweit haben sich die allermeisten Christen damit abgefunden, dass ihre Glaubensbrüder und -schwestern aus dem Nahen Osten verschwinden werden. Denn das Leben ist für Christen in allen arabischen und muslimischen Ländern unerträglich. Sie werden benachteiligt, verfolgt und umgebracht.

Mit einer einzigen Ausnahme. In Israel werden Christen weder benachteiligt, noch verfolgt, noch umgebracht. Im Gegenteil: Christen nehmen in Israel an Zahl relativ und absolut zu! Der Grund: Israel ist ein jüdischer demokratischer Staat, keine arabische oder muslimische Diktatur oder Scheindemokratie. Doch die westliche öffentliche und veröffentliche Meinung richtet sich gegen Israel bis zur Vernichtung des jüdischen Staates. Ohne Scham werden solche Leserbriefe in Zeitungen aller politischer Schattierungen veröffentlicht, vom freien Internet ganz zu schweigen.

Es ist nicht schicklich, den Judenstaat als gutes Beispiel hinzustellen.

Der reisende Papst schlägt vor, dass Christen und Muslime sich gemeinsam für Frieden im Nahen Osten einsetzen sollen. Da Christen kaum als Kombattanten auftreten – selbst die USA weigern sich, Bodentruppen zum Schutz der vom Genozid bedrohten Christen und Menschen anderer Glaubensrichtungen einzusetzen – ist die Notwendigkeit von Christen für einen Friedensschluss nicht gegeben. Aber wenn Christen gegen den Islamischen Staat IS schon nicht kämpfen wollen, so wollen wir ihnen gönnen, dass sie an der Friedensfeier nach Eliminierung der Christen teilnehmen werden.

In einer seiner Reden erwähnt der Gesandte aus Rom, dass im Nahen Osten Christen über Jahrhunderte Tür an Tür mit Muslimen gelebt haben. Inzwischen hat die Terrormiliz Islamischer Staat viele Kirchen zerstört (eigentlich alle, deren sie habhaft werden). Christen, die nicht zum Islam konvertieren, werden getötet (ermordet?), die Glücklichen werden vertrieben.

Um die Schrecken des IS zu relativieren, erwähnt der Kirchenführer ausdrücklich das Leid der Menschen in der Ostukraine.

Immerhin trifft sich der Heilige Vater mit jungen Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten Syriens und des Irak. Der Papst mahnt, den Mut nicht zu verlieren und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Und so werden sich Christen im Nahen Osten mit ihrer Vertreibung aus allen arabischen und muslimischen Ländern des Nahen Osten abfinden müssen.

In schā’a llāh.

Mond-01

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Die Einsamkeit Israels

Auf Einladung nicht-antisemitischer Linken stellt der Politikwissenschaftler, Historiker, Philosoph und Journalist Stephan Grigat am 28.11.14 in Erkelenz sein neuestes Buch vor. Daneben ist der Antisemitismusforscher Mitbegründer und wissenschaftlicher Direktor der Kampagne „Stop the Bomb“, die den Bau und den Abwurf von iranisch-schiitischen Atombomben zur Vernichtung des Judenstaates Israel verhindern will.

Der folgende Artikel basiert auf dem Vortrag und dem Buch und ist zusätzlich mit weiteren zum Verständnis notwendigen Details ergänzt.

Mehr als zwei Jahrtausende haben Juden unter dem Antisemitismus, der früher andere Namen führt, gelitten. Sie werden als Minderheit benachteiligt, verfolgt, vertrieben und umgebracht, weil sie Juden sind. Nachdem die Juden ihren Staat vor 2.000 Jahren verloren hatten, hörten sie auf, sich militärisch zu wehren. Den Wunsch, in die Heimat zurückzukehren, haben Juden nie aufgegeben. Tägliche Gebete geben bis zum heutigen Tag ein beeindruckendes Zeugnis ab.

Dank dem Fortschritt auf dem Gebiet der Kommunikation schließen sich die europäischen Juden im 19. Jahrhundert zusammen, um ihren Wusch zu präzisieren, seine Erfüllung selbst in die Hände zu nehmen und nicht mehr auf ein göttliches Wunder zu warten. Sie nennen sich Zionisten nach einem kleinen Hügel in Jerusalem. Die meisten Zionisten kommen aus Osteuropa, wo sie schweren Pogromen im Zarenreich unterliegen. Sie wollen ihre Sachen packen und so schnell wie möglich ins gelobte Land ziehen. Die westeuropäischen Zionisten, die weit weniger unter Antisemitismus leiden, sind Idealisten. Sie befürchten durch Assimilation das Ende des Judentums, welche durch einen Judenstaat verhindert werden soll.

Nur ein Bruchteil der Juden des 19. Jahrhunderts sind Zionisten. Das ändert sich schlagartig unter dem Nationalsozialismus, welches weite Teile Europas bedeckt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sinkt die Zahl der Juden weltweit um ein Drittel von 18 auf 12 Millionen. Die allermeisten Juden sind nun vom Zionismus überzeugt, mit Ausnahme von kommunistischen Juden, selbst in Israel, die auf Geheiß Stalins zum Antizionismus verpflichtet werden.

Der Zionismus etabliert sich als Folge des Antisemitismus.

Frisch eingedenk des nationalsozialistischen Völkermordes an die Juden stimmen die Mehrheit der Staaten 1947 einem jüdischen Staat in Palästina zu. Insbesondere Staaten, die den Juden während des Genozids jegliche Hilfe verweigert haben, und ehemalige Hitler-Verbündete unterstützen die Resolution der Vereinten Nationen.

Der Wunsch nach jüdischer nationaler Selbstbestimmung ist bedeutend älter als der Holocaust. Sechs Millionen von den deutschen Nazis und ihren Verbündeten ermordeten Juden ist der Preis, die Hoffnungen zu verwirklichen.

In Westeuropa und insbesondere im demokratischen Deutschland sitzt der Schock der Judenvernichtung sehr tief. Der Antisemitismus wird verschwiegen und verdrängt, Juden in Europa werden wie rohe Eier behandelt, Israel wird zum Vorzeigeobjekt. Der Antisemitismus ist jedoch weiterhin präsent. Es gibt wenige verlässliche Zahlen, jedoch darf davon ausgegangen werden, dass die Anteile der Antisemiten im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in Nazi-Deutschland, in der BRD und der DDR nicht signifikant voneinander abweichen.

Die Teilung Palästinas in einem jüdischen und einem arabischen Staat wird von allen arabischen Staaten abgelehnt. Hierzu werden nationale Interessen vorgeschoben, der wahre Grund liegt jedoch eindeutig im arabischen und islamischen Antisemitismus, der seit Jahrhunderten besteht, auch wenn er meist toleranter als der Antisemitismus in Europa gewesen ist. So gedenken bis heute palästinensischen Araber ihres Unglückes (Naqba) nicht an solchen Tagen, an denen viele Araber durch Verfolgung, Vertreibung und Krieg umgekommen sind, sondern am Unabhängigkeitstag Israels, dem Tag, als der ihnen verhasste Judenstaat erneut das Licht der Welt erblickt. Am Tag der Proklamation Israels greifen sechs arabische Staaten Israel an, ohne die Juden besiegen zu können. Es sollen noch viele weitere Kriege folgen.

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Mit den vergehenden Jahrzehnten verlieren europäische Antisemiten ihre Scheu, Juden und Israel verbal anzugreifen. Da der Antisemitismus per Gesetz verboten wird, gewinnt der Antizionismus stark an Zulauf. Israel wird zum Juden unter den Völkern. Auch unter den Juden außerhalb Israels gerät der Holocaust in Vergessenheit. Der Zionismus verkommt zum Lippenbekenntnis, verbunden mit einer Geldspende gegen schlechtes Gewissen.

Nun stellt sich die Frage, was gegen Antisemitismus getan werden kann. Da Antisemitismus ein Ressentiment ist, lautet die ehrliche Antwort: Nichts! Diese Antwort wird in der lebhaften Diskussion mit den 30 Zuhörern nicht akzeptiert. Letztendlich werden Aufklärung und – da es sich um eine aufgeklärte linke Veranstaltung handelt – die weltweite Einführung des Kommunismus verlangt. Die Aufklärung soll in arabischen Ländern und unter den arabischen Palästinensern erfolgen, um der Israelfeindschaft die Grundlage zu entreißen und somit weitere Kriege im Nahen Osten zu verhindern. Unklar bleibt, warum der Antisemitismus im äußerst aufgeklärten Deutschland so prächtig gedeiht. Der Kommunismus wird anschließend auf „wahre“ Kommunisten, die diesen Titel verdienen, eingeschränkt. Leider wird die Frage, ob Stalin ein Kommunist gewesen ist, nicht beantwortet. Zumindest zu seinen Lebzeiten hat niemand gewagt, es anzuzweifeln.

Die Frage, was gegen Antisemitismus getan werden kann, ist nicht entscheidend. Die wichtige Frage lautet, ob etwas gegen Antisemitismus getan werden muss. Die Frage klingt zynisch, sie ist es nicht. Wegen der politischen und militärischen Lage in Israel werden zwar Juden in Europa und auch zunehmend in beiden Amerikas von lokalen Antisemiten bedroht. Mit kleinen Ausnahmen wird jedoch die große Mehrheit dieser Juden nicht physisch angegangen. Es sind nicht die europäischen und amerikanischen Juden, die Israel beschützen, sondern umgekehrt. Israel schützt die Juden weltweit, die jederzeit in Israel eine sichere Heimat haben. Wie viele Millionen Juden hätten gerettet werden können, wenn Israel nicht 1948, sondern 10 Jahre früher gegründet worden wäre? Welche europäischen Mächte haben dies verhindert?

Die Furcht der westeuropäischen Juden im 19. Jahrhundert vor Assimilation und Verschwinden des Judentums außerhalb Israels bewahrheitet sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Von den 300.000 Juden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, sind weniger als ein Drittel dem Judentum treu geblieben. Lediglich in Israel nimmt die Zahl der jüdischen Bevölkerung zu.

Die Juden Israels haben sich erfolgreich entschieden, den Antisemitismus mit der Waffe zu bekämpfen. Sie werden zaudernd von einigen befreundeten Staaten mit Waffenlieferungen unterstützt, nicht unbedingt von jenen, die die Existenz Israels als Staatsraison verstehen. Die Hilfe fremder kämpfenden Soldaten lehnt Israel ab. Momentan plagt die Juden Israels der Gedanke, durch iranische Atombomben eliminiert zu werden. Es sieht nicht danach aus, dass die Mächtigen der Welt Israel beistehen wollen. Der erstmalige Beschuss des einzigen israelischen Atomreaktors Dimona durch die palästinensische, im Sold des Iran stehende Hamas im letzten Krieg, ist von der iranischen Führung freudig begrüßt worden.

Es gibt in Deutschland und anderen Staaten viele Israelfreunde, die sich für die Existenz und das Wohl Israels einsetzen. Gegenüber rechten, linken, liberalen und bürgerlichen moderaten und extremen Israelkritikern, unter denen ein unbekannter Anteil die Auflösung und Vernichtung Israels fordern, fallen die Israelfreunde kaum ins Gewicht. Im Nahostkrieg und in der Nahost-Politik gibt die übergroße Mehrheit der Deutschen Israel oder den Juden die alleinige Schuld. Arabische Palästinenser gelten meist als Opfer, selbst wenn sie wehrlose jüdische Kinder massakrieren. Vor allem linke/linksextreme und rechte/rechtsextreme Partien und Organisationen sind Islamisten freundlich und bewundern den islamischen Antisemitismus. Besonders markant tut sich die rechtsextreme ungarische Partei Jobbik hervor, die im Islam und im Iran die letzte Hoffnung sieht, zunächst den europäischen, anschließend den weltweiten Liberalismus zu bezwingen. Doch auch die NPD hegt fundierte Beziehungen mit den Grauen Wölfen, einer extremen nationalistischen türkischen Bewegung, deren Terror unter Kurden und Türken in der Türkei und in Deutschland gefürchtet ist.

Pro-israelische Veranstaltungen sind miserabel besucht und werden gewöhnlich von den regionalen Medien übergangen. Wenn man die bekannten Zahlen von Aachen zugrunde legt, so hätte jede antizionistische Veranstaltung in Erkelenz mindestens dreimal so viele Interessierte angelockt.

Der Anteil der zionistischen Juden in Deutschland geht besorgniserregend und stetig zurück. Selbst im Zentralrat der Juden in Deutschland schwindet ihr Einfluss, was die “Wahl” des neuen Vorsitzenden dokumentiert. Sympathien zu Israel können die politische Karriere abrupt beenden. Die offen zur Schau gezeigte Freundschaft mit Israel, die nur unter Israel- und Judenfreunden stattfindet, verkommt mit wenigen notwendigen Ausnahmen (wie im Bild an der Kölner Domplatte) zur Folklore und Selbstdarstellung, die Israel weniger als den Israelfreunden nützt.

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Antisemitismus liegt anerkannt vor, wenn man gegenüber Juden und Israel mit anderen als den für andere Menschen und Staaten benutzten Standards arbeitet. Doch gegenüber Israel sind Doppelstandards notwendig, weil der Existenzgrund Israels einzigartig ist. Wie bei allen anderen Staaten ist die Entstehung Israels eine geschichtliche Notwendigkeit. Hinzu kommt die Ethik, dass ein Volk, das ständig und weltweit verfolgt wird, die moralische Pflicht hat, sich militärisch zu verteidigen, was die Eigenstaatlichkeit zwingend voraussetzt. Die meisten etablierten Staaten leugnen dies, um die „Weltfriedensordnung“ nicht zu gefährden. Doch das jüdische Vorbild findet Nachahmer im Nahen Osten. Auch gegen die Interessen von Groß- und Regionalmächten wird ein freies Kurdistan entstehen, welches mit Israel kooperiert. Die Zeit der arabischen und islamischen Diktaturen im Nahen und Mittleren Osten geht endgültig zu Ende.

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Stephan Grigat
Die Einsamkeit Israels: Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung
ISBN-10: 3930786737
ISBN-13: 978-3930786732
19 €

Erschienen unter
http://tapferimnirgendwo.com/2014/12/01/die-einsamkeit-israels/
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_einsamkeit_israels
https://www.freitag.de/autoren/anti3anti/die-einsamkeit-israels
http://www.huffingtonpost.de/../../nathan-warszawski-/ueber-die-einsamkeit-israels_b_6246864.html

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