Unter Gleichgesinnten

Clooney meets Merkel

Spätestens wenn sie in die Jahre kommen, entdecken Promis und Sternchen den wohltätigen Schauer mildtätiger Beglückung für sich. Gutes zu tun, tut ihnen, deren Ego immer noch vor Geltungssucht platzt, dann mal so richtig gut. Sie spenden also was das Zeug hält. Der eigene Name fungiert als eitles Logo. Sie übernehmen sündhaft teure Patenschaften und bereisen akute Krisenregionen, und obschon jeder, der es sich irgendwie leisten kann, im Rahmen eigener Möglichkeiten Mittel und Wege findet, Notleidenden zu helfen, werden gerade diese Tugendheuchlinge wie Heilige hofiert. Egal, wo sie ihrem verkaufsträchtigen Altruismus huldigen und Publikumswirksam Geltung verleihen: Er wird stets vom betörenden Blitzlichtgewitter umflackert. So auch gestern wieder, als ein graumelierter Altmime aus Übersee mit Angela Merkel im intimen Kreis am Designertisch plauderte. Intim? Die raffiniert gestellten Bildsequenzen suggerierten dies, aber man kann sich auch so denken, dass der Photografenmob in der Überzahl gewesen ist.

George Clooney, der auf der zeitgleich stattfindenden Berlinale just seinen neusten, total albernen und überkandidelten Film vorstellte (außer Konkurrenz, versteht sich) betätigte sich als vorgezogener Wahlkampfhelfer und lobte die Kanzlerin für ihre in ganz Europa abgelehnte, zunehmend gefürchtete Flüchtlingspolitik, die er bewundere. Es sei, so die Kanzlerin später, darüber gesprochen worden, wie man Menschen ermutigen könne, sich für diese Arbeit zu engagieren. Allein dieser Satz, aus ihrem Munde, ist in Anbetracht laufender und bereits abgelaufener Ereignisse so unerträglich, dass es wirklich weh tut. Klingt fast so, als müsse man die Menschen in diesem Land erst noch dazu ermuntern, Flüchtlingen zu helfen; als sei die störrische Bande noch nicht wirklich so weit, endlich mit anzupacken. Erinnert: Seit einem halben Jahr ackern EhremämtlerInnen von morgens bis abends, sie sehen keinen Cent für diese Arbeit, von denen verfügt niemand auch nur über Bruchteile eines Clooneyschen Gesamtvermögens, aber ermuntern man muss noch den letzten von uns allen, die wir nur mosern und meckern und bequem alles aussitzen. Dass die Deutschen allein über ihre Steuerbeiträge das Gros der Krise abfedern werden, kann in einer solchen Runde kaum eine Rolle spielen, das zählt nicht, denn davon sieht man auf Anhieb nichts.

“ Im Gespräch mit Kanzlerin Merkel,“ so die BILD-Zeitung,“ haben wir vor allem diskutiert, was wir als Individuen tun können, sagt Clooney wenig später. Das unvermeidliche WIR: Wer war damit wirklich gemeint? Um den Spendenreflex endlich auch beim widerborstigen Otto-Normal-BILD-Leser zu aktivieren, musste in Punkto Empathie noch ordentlich draufgesattelt werden: „Die Flüchtlinge kommen nicht nach Deutschland, um Schnitzel zu essen. Sie kommen hier her, weil sie sterben, weil ihre Kinder sterben. Sie wollen leben.“ Meinte der große Clooney. BILD verriet noch:“ Es gibt Kaffee aus Thermoskannen, Wasser, still und mit Sprudel. Mit dabei ist auch der frühere britische Außenminister David Miliband (50). Er ist Chef des Internationalen Rettungskomitees für Flüchtlinge (Sitz in New York), für das auch Clooneys Ehefrau Amal arbeitet.“

An der Seite seiner bildhübschen Gattin wirkte Clooney tatsächlich wie ein Elder Statesman. Irgendwie passte alles. Was wollen wir noch länger um den heißen Brei herumreden? Es geht solchen Leuten im Ergebnis gar nicht um die Armen und Entrechteten dieser Welt, die sind nur Statisten in einer miesen, blähbrünstig inszenierten Schmiere; es geht ihnen, die immerzu in eigener Sache gearbeitet haben, auch weiterhin nur um sich selbst – um die Hauptrolle im eigenen Film. Der soll, der muss richtig ziehen. Das ist im Grunde sehr durchschaubar, doch auch BILD plappert ab sofort nach, was die PR-Bagage des drittklassigen Hollywoodstars seit Jahren propagiert: “Clooney gilt in den USA nicht als oberflächlicher Hollywood-Star, sondern als politische Gestalt mit hoher Glaubwürdigkeit und Einfluss im Weißen Haus. Sein Engagement in Krisengebieten (z.B. Darfur/Sudan) ist nicht nur Eigen-PR, sondern mutig und vor allem nachhaltig.“

Nun ist bekannt das man in den USA, hat man es in der Traumfabrik geschafft, auch in der Politik wirklich alles erreichen kann, vom Gouverneur bis zum höchsten Amt ist alles drin. Wer sich mit dem schnellen, allzu rasch verblassenden Ruhm als Darsteller nicht zufrieden geben möchte, kann später noch einmal so richtig durchstarten, der schafft es also erneut, ein umjubelter Star zu werden: “Clooney hat das Ohr von US-Präsident Barack Obama. Im Wahlkampf 2012 veranstalte er ein Dinner für Obama (der anwesend war). 15 Millionen Dollar (!) Wahlkampfspenden kamen an dem Abend in Clooneys Villa zusammen.“ Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen, dass alles spricht für sich, finde ich.

Clooney stinkt nur so vor Geld, das wussten wir auch vorher schon, und einen Teil der Kohle zweigt er für Darfur oder für Freunde (Obama etc.) ab, für die Marketingabteilung seiner Wohltätigkeitsmaschinerie ebenso wie für den privatimen Luxus, auf den er nie verzichten wird: für nichts in dieser großen weiten Welt, die er bei Obama im Weißen Haus oder der Angie im Kanzleramt retten wird. Und alle Welt fällt drauf rein. Die Leute können die umhimmelte Leinwandgestalt, das Objekt der Begierde, der Sehnsüchte und Träume, einfach nicht von der tatsächlichen Gestalt trennen. Und nur, wenn diese öffentlich durch den Kakao gezogen wird, schleichen sich Häme und Spott ein.

Clooney hat also mit der Kanzlerin darüber gesprochen, was WIR – ich und du, Müller Kuh, der Clooney gleich dazu – alles machen können, um Flüchtlingen zu helfen, die sich mit Wiener Schnitzeln nicht begnügen werden (Schweinefleisch? Gegessen). Nun ist es ja so, dass alle diese Menschen zunächst einmal untergebracht werden müssen, ein Dach über dem Kopf benötigen – ein Heim brauchen. Mit diesem Problem schlagen ´wir´ uns seit Monaten herum, es ist alles andere als gelöst, die Ballungszentren sind dicht, weswegen man jetzt dazu übergeht, auf dem Land nach geeigneten Möglichkeiten der Unterbringung zu fahnden. Gern auch private. Es wird, sie mögen sich erinnern, auch an Immobilieneigentümer appelliert. Nun ist der Herr Clooney ein Immobilieneigentümer allererster Garde und Güte. Wie viele Luxusanwesen er in summa sein eigen nennt, ist dem Fiskus wohl nur dem Verdacht nach bekannt, aber jene, die wir kennen, die haben es wirklich in sich. Für eine TV-Crew vom Sender CBS öffnete der stets bescheiden und unprätentiös auftretende Star schon vor Jahren die Pforten seiner eleganten Bleibe. STERN-Online vom 03.02.12:

“Die Junggesellenbude des Superstars wirkt aufgeräumt und verdächtig gut durchgestylt. Es gibt einen Swimming-Pool, einen privaten Basketballplatz, auf dem auch schon einige NBA-Stars mit dem sympathischen George ein paar Körbe geworfen haben und eine großzügige Grillecke, in der Mr. Charming ­selbst nach einem schweißtreibenden Spiel gerne ein paar leckere Steaks brät. Die Küche ist der Traum eines Profikochs. Alles aus Edelstahl und so geräumig, dass die deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft hier locker drei Platten nebeneinander aufstellen könnte. Clooney selbst kocht nicht. „Aber von hier aus bestelle ich mein Abendessen“, schmunzelt er in die Kamera und hat, wie so oft, die Lacher auf seiner Seite. Clooney fühlt sich wohl in seinem Haus, das er 1995 gekauft hat und es nur einmal fast abgestoßen hätte. Vor ein paar Jahren, da zog Britney Spears direkt nebenan ein. „Es war schlimm. Ständig Helikopter, ständig Terror. Ich habe die Ruhe der Nachbarschaft vermisst“, so Clooney. Heute ist es wieder ganz easy und still im noblen Beverly Hills. Das geht auch aus der netten Homestory deutlich hervor. Und Clooney? – Ein ganz normaler Superstar ist er halt, einer, der auch gerne mal im Jogging-Anzug mit einem Bier in der Hand auf dem Sofa „ein Spiel im TV“ verfolgt. Wie Millionen andere Männer auch. Millionen Männer, die sich wohl alle irgendwann schon einmal insgeheim gewünscht haben, das Leben von George Clooney teilen zu können. Oder zumindest ein Bier auf dem Sofa…“

Es ist nicht bekannt, ob der coole George mal den einen oder anderen mexikanischen Flüchtling in seiner Hochglanzhütte zum Bier eingeladen hat, aber das muss auch nicht sein, ist man einer, der in Echtzeit die halbe Welt rettet. Vielleicht bekommen wir ein solches Rührstück zu sehen, kandidiert der nette Clooney für den Posten des Senators. Immerhin erfahren wir, dass er die Ruhe liebt, und raubt man sie ihm, dann zieren sicher Sorgenfalten seine sympathische Mine; kaum schleicht sich Zornesröte auf die wohlmeinende Fassade. Der Mann ist Profi, der zeigt uns allen nur, was wir sehen wollen: Was man von ihm erwartet. Ob er den Weckruf des Muezzin auch als Belästigung seiner Privatsphäre deuten würde, der in manchen deutschen Stadtteilen sicher nicht mehr sehr lange auf sich warten lässt, wird nie ermittelt werden. Aber er könnte dann locker umziehen, in die nächste Absteige; etwa jene, die ihm am Comer See zur ständigen Verfügung steht:

„George Clooney weilt regelmäßig in den Sommermonaten am Comer See in seiner 25-Zimmer-Villa Oleandra in Laglio, nur ca. 15 Minuten von Como entfernt.
Das Dorf Laglio ist mittags ein verschlafenes Nest. Zugeknöpft präsentiert sich die Villa Oleandra, die Ferienresidenz des Hollywood-Filmstars, auch von ihrer rückwärtigen Seite. Hohe Mauern und Eisenzäune schützen sie vor neugierigen Blicken.“

Dies lässt uns die Website der Gemeinde wissen. Wie auch immer. Der nächste Erholungssommer ist noch fern. Mit ihm werden auch die nächsten Flüchtlingsmassen zu uns strömen und dann kann der George von seinen fünfundzwanzig Räumen den einen oder anderen zur Verfügung stellen. Für neugierige Blicke wird gesorgt sein: Die entsprechende Home Story kann sich jeder vor der Glotze rein ziehen.

Shanto Trdic, 13.02.16

 

 

 

 

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15 Antworten zu Unter Gleichgesinnten

  1. Hessenhenker schreibt:

    Wenn Clooney schon keinen mexikanischen Wanderarbeiter in seine Hochglanzhütte eingeladen hat, darf er gern mal für meinen Schatz für ein Besuchsvisum bürgen.
    Da müßte ja ein Schengenvisum drin sein, er hat ja auch ein Haus in Italien.

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  2. Hessenhenker schreibt:

    Da ich inzwischen nur noch graue und auch ein paar weiße Haare habe (sehe bald aus wie in ostasiatischen Filmen die Geister und Hexen), kann George Clooney mich in der nachträglichen Verfilmung meiner kommenden Kunstaktion darstellen. Clooney in einem US- oder japanischen Weltkriegs-II-Bunker im Pazifik als Kamikaze-Künstler.
    Clooney in einem irre guten Film von den Coens, ich fand es toll:

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  3. Hessenhenker schreibt:

    Gegen Merkel spricht: sie hat keinen einzigen guten Film gedreht.

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  4. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Zuvörderst vielen Dank, Shanto Trdic, für Ihren tollen Artikel!
    Indessen erlaube ich mir ein paar Anmerkungen:

    Shanto Trdic: „Spätestens wenn sie in die Jahre kommen, entdecken Promis und Sternchen den wohltätigen Schauer mildtätiger Beglückung für sich.“

    Nu ja, wesentlich häufiger sind es wohl die Steuerberater, die „den wohltätigen Schauer mildtätiger Beglückung“ für ihre Mandanten entdecken und diesen mit eindrucksvollen Prozentzahlen unterbreiten.

    Shanto Trdic: „Sie spenden also was das Zeug hält.“

    Zweifellos, sofern es die Jahresabrechnung begünstigt.
    Etliche Promis KASSIEREN jedoch was das Zeug hält, indem sie scheinbar ohne Honorar ihre edlen Häupter in die Kamera halten, dafür jedoch „Aufwandsentschädigungen“ erhalten, von denen eine hungernde palästinensische Familie mindestens 2000 Tonnen Sprengstoff bezahlen könnte.
    Habb mal beiner Agentur gearbeitet, die solche Deals vermittelte. Seitdem liebe ich Menschen und freue mich schon darauf mal einen kennenzulernen.

    Shanto Trdic: „Sie (die Prominenten, eigene Ergänzung) übernehmen sündhaft teure Patenschaften …“

    „Übernehmen“ ist wohl der richtige Begriff, Shanto Trdic. Wenn Sie „bezahlen“ geschrieben hätten, wären die beteiligten Stars vermutlich die Ersten, welche die Kosten als „sündhaft“ beschrieben.

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  5. mike hammer schreibt:

    georg klo nie? gäähn, ein arztserien b movie schauspieler der clark gable imitator
    für den weiblichen teil des unterschihtenfernsehens.
    ob sich das gemerkel davon etwas
    glitzer und gold ab haben
    möchte.
    es wird nichts nützen.

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  6. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    So ich’s locker in die Runde fragen darf: Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ein Helmut Schmidt mit einer Hollywoodfigur seine Politik besprochen hätte?
    Womöglich liegt darin der Unterschied zwischen Kanzler und Kanzlerette.

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  7. mike hammer schreibt:

    was wurde eigentlich aus merkels verhandlungen mit cloney?
    wie viele asylsürer nimmt er in z.b. seine 5 Ar.
    großes englische feriendomizil auf?

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