Theodizee für Dummies

Theodizee: Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, woher kommt alles Leid auf Erden? Warum verhindert Gott nicht das menschliche Leiden?

Über dieses Problem haben sich Gelehrte, Philosophen, Kirchenväter, Könige und Theologen jahrhundertelang den Kopf zermartert und gegenseitig zerschmettert, ohne eine befriedigende Antwort zu finden. Schließlich sind sie zu der Überzeugung gelangt, dass es keine Lösung gibt. Sie haben das Problem verdrängt, welches äußerst schnell an Bedeutung verliert, wenn kaum jemand noch an Gott glaubt.

Eine Einladung aus der Provinz hat mich kalt erwischt. Eine unbedeutende evangelische Kirche in einer unbedeutenden Stadt lädt zu einem Theodizee-Gespräch zwischen den drei bedeutenden abrahamitischen Religionen ein. Die Referenten sind keine Koryphäen der Theologen.  Die Jüdin erzählt über ihre persönlichen Erfahrungen, der Muslim spricht über alles, außer der Theodizee, der evangelische Christ versucht vergeblich, Spannung in die Monologe zu bringen. Zuhörer stellen Fragen. Und plötzlich taucht die Antwort auf Fragen, die seit vier Jahrtausenden gestellt werden, sonnenklar hervor:

Theodizee für Dummies

Die älteste monotheistische Religion ist etwa 4000 Jahre alt. Die Religion ist bedeutend älter. Es zählen die Jahrhunderttausende! Über lange Zeiträume hinweg sind unsere Vorfahren Heiden, vornehm ausgedrückt: Polytheisten. Auch zu ihrer Zeit hat es viel Leid in der Welt gegeben, auch damals haben Menschen über die Theodizee nachgedacht. Sie sind zum folgenden Schluss gekommen:

Die verschiedenen Götter sind unterschiedlich stark. Manchmal tun sich die schwachen Götter des Olymps zusammen und vertreiben und töten den einen starken Gott. Die Menschen auf Erden kriegen wenig mit, außer wenn es ihnen trotz Gebeten schlecht geht. Dann wissen sie, dass sie den falschen Gott anbeten. Nun beten sie und opfern, bis sie den richtigen Gott finden, bis es ihnen gut geht.

Nach Jahrhunderttausenden des Gleichklanges des Menschen mit den Göttern und der göttlichen Natur betritt Abraham die Weltbühne. Er predigt den Monotheismus und das Ende der Weltharmonie. Wenn es dem Monotheisten schlecht geht, dann ist der Monotheist, und nicht Gott daran schuld! Dann hat der Monotheist gesündigt! Abrahams Nachfolger vervollkommnen die Meinungstyrannei, die viele Jahre später Kommunisten, Nationalsozialisten und andere demokratische Weltverbesserer mit mäßigem Erfolg kopieren. Jeder, der Abrahams Meinung widerspricht, ist automatisch ein Sünder, dem es schlecht gehen muss. Deshalb wird Widerstand gegen Abrahams Meinung hart bestraft, oft mit dem Tod des uneinsichtigen Sünders.

Im Verlauf der Jahrhunderte trennen sich die Wege der Anhänger Abrahams. Aus dem Judentum entstehen Christentum und Islam. Sie alle setzen sich mit der Theodizee auseinander und erklimmen verschiedene Lösungswege.

Muslime akzeptieren ohne Widerspruch das Leid, dass ihnen Allah zugedacht hat. Das Leid hat seinen göttlichen Grund, den der wahre Gläubige nicht versteht. Kismet!

Christen greifen auf frühere Erfahrungen unter dem Polytheismus zurück. Der alte Gott der Juden ist der böse, der junge Jesus, obwohl selber Jude, der gute. Die Rolle des Heiligen Geistes bleibt unscharf. Wenn ein Christ leidet, so befolgt er zwar Gottes Gebote, liebt aber Jesus nicht ausreichend. Und wenn doch? Das Mysterium des Glaubens wird notwendig.

Juden gehen den gegenläufigen Weg. Sie reduzieren die Menge ihrer Götter um eins. Sie werden Atheisten. Ohne Gott kein Theodizee! Der Mensch selber ist schuld daran, wenn es ihm schlecht ergeht.

Für jüdische Atheisten, die Agnostiker sind, bleibt der Thron Gottes leer. Christliche Atheisten, die zum Agnostizismus unfähig sind, machen es sich auf Gottes Thron bequem, werden zu Gott. Nun ist der Mensch an Allem schuld, insbesondere wenn es schief läuft. So ist es der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist, obwohl dieser Wandel schon Jahrmillionen vor der Erschaffung, resp. der Entstehung des Menschen besteht. Dieser Unglaube schwappt auf christliche Nicht-Atheisten über, wird Partei der Farbe Hoffnung.

Und schon ist macht sich Theodizee durch die unverschlossene christliche Hintertüre wieder breit.

Dieser Beitrag wurde unter Ethik, Jewish abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Theodizee für Dummies

  1. Aristobulus schreibt:

    …und alles nur, weil die Leute partout erklärt kriegen wollen, warum ihnen wieder keiner was erkärt.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.