Der Aachener Friedenspreis wird erwachsen

Alle Jahre pünktlich zum 1. September vergibt der Aachener Friedenspreis den Aachener Friedenspreis. Am 1. September 2016 wird der mit jeweils 1.000 € dotierte Preis an das

Komitee der Wissenschaftler für den Frieden 

sowie die

Bürgerinitiative Offene Heide

verliehen.

Das Spannendste am Aachener Friedenspreis ist die Bekanntgabe der Sieger. Im Gegensatz zu anderen Preisen aus Aachen (Aachener Ehrenpreis, Aachener Karlspreis), wo die Preisträger hinter verschlossenen Türen danach bestimmt werden, ob sie dem Preisverleiher nützlich sind, werden häufig Israelkritiker, vulgo: selbsthassende Juden und andere Antisemiten, mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Positiv wird vermerkt, dass der Anteil der Antisemiten an den Friedenspreisträgern zu keinem Zeitpunkt den prozentualen Anteil von Antisemiten in Europa, Deutschland oder Aachen übertrifft.

Nach der Bekanntgabe der Preisträger 2016 dürfen alle Menschen braver Gesinnung, ob Christ oder Jud’, aufatmen: Auch dieses Jahr ist kein Israelkritiker dabei. Bravo!

Hier könnte der Artikel enden. Doch wenn wir schon so tief in die Materie eingetaucht sind, möchte der Leser sicherlich wissen, wer die Sieger 2016 sind und warum sie den nicht nur in Deutschland und in Israel bekannten/berüchtigten und begehrten Preis erhalten.

Beginnen wir mit dem deutschen Preisträger „Bürgerinitiative Offene Heide“.

Die Offene Heide heißt bürgerlich Colbitz-Letzlinger Heide, liegt nördlich der ehemals regimetreuesten Stadt Magdeburg und beinhaltet mit 232 Quadratkilometern den modernsten Truppenübungsplatz Europas. Ab 1935 wird die Colbitz-Letzlinger Heide von Hitlers Wehrmacht, ab 1945 zunächst von Stalins Roten Armee und schließlich seit 1994 von der Bundeswehr und der NATO benutzt. 1993 formiert sich die Bürgerinitiative Offene Heide, die seitdem an jedem ersten Sonntag im Monat paramilitärisch den „Friedensweg“ in die Colbitz-Letzlinger Heide bei Hitze, Regen, Sturm und Schnee 4-5 km abmarschiert, um für die zivile Nutzung des Naturschutzgebietes unter dem Motto zu werben: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Inzwischen befinden wir uns beim 275. Friedensmarschweg. Von anfänglich Hunderten Protestierenden sind jetzt nur noch 40 aufrechte, ewig Gestrige geblieben. Zuweilen begehen sie eine zivile Ungehorsamkeit und betreten vorsichtig und umsichtig militärisches Sperrgebiet. Bisher ist noch niemand auf eine scharfe Miene getreten.

Das Ziel dieser Bürgerinitiative ist, die Colbitz-Letzlinger Heide nach mehr als sieben Jahrzehnten militärischen Missbrauchs in einem Lernort für die Versöhnung mit der Natur und Frieden zwischen den Völkern umzuwandeln.

Nun ja. Es ist eine irrelevante Organisation, die einen Truppenübungsplatz bekämpft. Das eigentliche Motto der Bürgerinitiative Offene Heide lautet: Spielt anderswo Krieg, lasst uns in Ruhe! Denn NATO und Bundeswehr werden auch dann kämpfen, wenn sie nicht nördlich von Magdeburg oder anderswo üben dürfen. Dann gibt’s nebbich mehr Tote auf deutscher Seite. Nebenbei wird behauptet, dass die Natur unter den militärischen Übungen leidet, dabei ist jedem Wissenden bekannt, dass dort, wo Armeen üben, die Biotope sprießen. Jeder Anhänger der Evolution weiß, dass es nur wenige Jahrzehnte braucht, damit dort, wo einst Menschen gehaust und gewerkelt haben, wieder Urwälder entstehen. Dass die Menschheit irgendwann vom Antlitz des Planeten Terra verschwinden wird, ist kein Geheimnis mehr. Die Evolution hat viel Geduld und kann warten, bis der selbsternannte Homo sapientissimus verschwunden ist.

Unklar bleibt, warum diese Bürgerinitiative den Preis erhält. Wahrscheinlich weil sie selten genug zivilen Ungehorsam begeht, wenn sie heldenhaft militärisches Sperrgebiet betritt. Die 
Bürgerinitiative Offene Heide sollte nicht den Aachener Friedenspreis, sondern den Aachener Heldenpreis erhalten!

Wenden wir uns zum internationalen Preisträger aus der Türkei, der tatsächlich eine Verbindung zum Frieden aufweist.

Dieses türkische Komitee von Wissenschaftlern, also Akademikern und Intellektuellen, verlangt vom allmächtigen Erdogan – bekannt aus dem Böhmermann-Gedicht – den Vernichtungskrieg gegen die Kurden in der Türkei zu beenden. Nicht nur innerhalb der türkischen Grenzen, auch im ehemaligen Syrien und Irak bringen türkische Soldaten Kurden um, vom Ungeborenen bis zum Kämpfer. Der feinsinnige Europäer in Aachen versteht dies nicht und kann es deshalb kaum glauben. Erleichtert wird der Massenmord an den Kurden durch die Verleugnung der Genozide an den Armeniern und einigen anderen Volksgruppen, die vor 100 Jahren im damaligen Osmanischen Reich, dem Vorläufer der Türkei, stattgefunden haben. Die Leugnung hält bis heute an und wird seit dem Kaiserreich von allen deutschen Regierungen unterstützt.

Die Wissenschaftler riskieren Berufsverbot, Gefängnis und Folter. Einige haben sich von ihrem ursprünglichen Aufruf aus Angst um ihre Familien distanziert. Mit der Annahme des Aachener Friedenspreises wird eine erneute Verfolgung seitens Erdogans stattfinden. Die „Verantwortlichen“ des Aachener Friedenspreises hingegen brauchen nichts zu befürchten, selbst wenn sie einen äußerst günstigen Urlaub in der Türkei buchen.

Noch wissen wir nicht, ob irgend ein türkisches Mitglied des Komitees an der Preisverleihung teilnehmen wird und anschließend nach Hause zurückfährt. Auch hier handelt es sich somit nicht um einen Friedenspreis, sondern um einen Heldenpreis!

Der Aachener Friedenspreis ist in der Realität angekommen. Hoffentlich geht er diesen mutigen Weg weiter und will nicht der feigen bürgerlichen Gesellschaft gefallen, indem er erneut Judenhasser auszeichnet.

 

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2 Antworten zu Der Aachener Friedenspreis wird erwachsen

  1. caruso schreibt:

    Es war schon Zeit. Doch, abwarten und Tee trinken… Dann wird man sehen, ob tatsächlich.
    lg
    caruso

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  2. Avi Rosh schreibt:

    Werde ich gefragt, ob ich ein Aachener sei, antworte ich immer darauf: „Nein, ich bin ein Bremburger und hier nur zu Gast“. Die Aachener „Preise“ sind nicht der einzige Grund, nicht zu den Aachener gezählt zu werden wollen möchten…

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